Krypto-Bot geplündert Wie Jaredfromsubway.eth 75 Mio. US-Dollar an eine selbst erteilte Freigabe verlor
Bild: KI-generiert
Geschrieben von Michael Radtke · Zuletzt aktualisiert: 21. Juni 2026

Krypto-Bot geplündert: Wie Jaredfromsubway.eth 7,5 Mio. US-Dollar an eine selbst erteilte Freigabe verlor

KURZ BEANTWORTET Der berüchtigte Ethereum-MEV-Bot Jaredfromsubway.eth wurde am 20. Juni 2026 um mehr als 7,5 Millionen US-Dollar erleichtert. Es war kein klassischer Hack: kein Smart-Contract-Bug, kein Phishing, kein gestohlener Schlüssel. Stattdessen lockte ein Angreifer den Bot mit 66 gefälschten Token und Fake-Liquiditätspools in eine „Counter-MEV-Honeypot"-Falle. Der Bot hielt die Fakes für lohnende Geschäfte und erteilte den Angreifer-Contracts selbst Token-Freigaben (Approvals) – die später per transferFrom zum Leerräumen genutzt wurden. Genau dieser Mechanismus – offene oder vergessene Freigaben – ist das größte Alltagsrisiko auch für normale DeFi-Nutzer.
Das Wichtigste in Kürze
  • Schaden laut Sicherheitsfirmen Blockaid und PeckShield: rund 7,5 Mio. USD in WETH, USDC und USDT. Der Bot-Betreiber selbst sprach von 15 Mio. USD und lobte eine Belohnung von 1 Mio. USD für die Rückgabe aus.
  • Der Angreifer baute über Wochen 66 gefälschte Token-Contracts (Imitate von WETH, USDC, USDT) mit Fake-Pools – eine gezielte Falle gegen die Automatik des Bots.
  • Kein Schlüsseldiebstahl: Der Bot autorisierte die Plünderung praktisch selbst, indem er Spend-Approvals an Angreifer-Contracts vergab.
  • Ein Teil der Beute (rund 1.000 ETH) wurde zügig über Tornado Cash verschleiert.
  • Die eigentliche Lehre für dich: Token-Freigaben sind eine Angriffsfläche – sie lassen sich prüfen und widerrufen, und mit einer Hardware-Wallet plus „niemals blind signieren" schließt du das Einfallstor weitgehend.
Der Vorfall auf einen Blick (Stand der öffentlichen Analysen, Quellen jeweils benannt)
Betroffenes SystemJaredfromsubway.eth – einer der aktivsten Sandwich-/MEV-Bots auf Ethereum
Schadenshöhe> 7,5 Mio. USD (Blockaid, PeckShield); Betreiber-Angabe: 15 Mio. USD
Gestohlene Assetslaut PeckShield ca. 1.474 WETH, 2,87 Mio. USDC, 2 Mio. USDT
Angriffstyp„Counter-MEV-Honeypot" / Approval-Drain – kein Bug, kein Phishing, kein Key-Leak
Werkzeug des Angreifers66 gefälschte Token-Contracts + Fake-Liquiditätspools, über Wochen vorbereitet
GeldwäscheTausch in ETH, rund 1.000 ETH in Tornado Cash eingezahlt (On-Chain-Daten)
Reaktion des Betreibersöffentliche Bounty von 1 Mio. USD für „vollständige Rückgabe ohne Fragen"
Einordnende StimmeRaz Niv (CTO Blockaid): gezielter Angriff auf die automatische Entscheidungslogik des Bots

Was genau passiert ist

Am Samstag, dem 20. Juni 2026, meldete das Erkennungssystem der Sicherheitsfirma Blockaid einen ungewöhnlichen Vorfall: Aus den Contracts des MEV-Bots Jaredfromsubway.eth flossen in einer einzigen, sauber vorbereiteten Transaktion Token im Wert von mehr als 7,5 Millionen US-Dollar ab – WETH, USDC und USDT. Bemerkenswert ist nicht nur die Summe, sondern die Methode. Blockaid stellte ausdrücklich klar, dass es sich weder um eine Sicherheitslücke im Contract des Bots noch um einen Phishing-Angriff oder einen gestohlenen privaten Schlüssel handelte.

Stattdessen wurde dem Bot seine eigene Profitgier zum Verhängnis. Ein Angreifer hatte über Wochen eine Falle gebaut, die der Bot von sich aus betrat. Die Plünderung lief am Ende über Freigaben, die der Bot den Angreifer-Contracts zuvor selbst erteilt hatte. Ein Teil der Beute wurde in Ether getauscht und rund 1.000 ETH davon umgehend über den Mixer Tornado Cash geschleust – ein typisches Muster, um die Spur zu verwischen. Der Betreiber des Bots bezifferte den Verlust öffentlich sogar auf 15 Millionen US-Dollar und bot eine Million Dollar Belohnung für die vollständige Rückgabe an; die Differenz zur 7,5-Millionen-Schätzung der Analysten ist bisher nicht abschließend erklärt.

Wer Jaredfromsubway.eth ist – und warum die Ironie so groß ist

Jaredfromsubway.eth ist kein gewöhnliches Opfer. Der Bot gilt als einer der sichtbarsten Akteure der sogenannten „toxischen" MEV-Ökonomie auf Ethereum. Untersuchungen ordneten ihm im Zeitraum November 2024 bis Oktober 2025 rund 70 % aller Sandwich-Angriffe zu – einer Technik, die normalen Tradern bei jeder Transaktion einen kleinen, versteckten Aufschlag abknöpft. Schätzungen zufolge kosten solche Angriffe Ethereum-Nutzer etwa 60 Millionen US-Dollar pro Jahr, bei 60.000 bis 90.000 Angriffen monatlich.

Der Bot war dabei so aggressiv, dass er selbst Kleinstgeschäfte ins Visier nahm. Im Mai legte er sich um einen winzigen Tausch von Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin – über eine Million Dollar Volumen, um am Ende ein paar Dollar zu verdienen. Genau dieser Bot, der jahrelang andere überrumpelte, hat diesmal selbst eine Transaktion nicht kommen sehen. Wichtig bleibt: Dass ausgerechnet ein Sandwich-Bot getroffen wurde, macht Sandwich-Angriffe nicht weniger schädlich – es zeigt nur, dass auch hochautomatisierte Systeme an einer ganz alltäglichen Schwachstelle scheitern können.

Wie die Falle funktionierte

Der Kern des Angriffs ist erstaunlich einfach, wenn man ihn einmal zerlegt. Ein MEV-Bot beobachtet ununterbrochen ausstehende Transaktionen (den „Mempool") und sucht nach profitablen Handelsrouten. Findet er eine, lässt er einen sogenannten Helper-Contract Token in seinem Namen ausgeben – dafür erteilt er diesem Contract eine Freigabe (ein ERC-20-Approval).

Der Angreifer hat genau diese Mechanik missbraucht. Er deployte 66 gefälschte Token, die WETH, USDC und USDT täuschend echt imitierten, und koppelte sie an Fake-Liquiditätspools. Für den Bot sahen diese Routen wie lohnende MEV-Gelegenheiten aus. In frühen Testläufen wurden die erteilten Freigaben sofort verbraucht – unauffällig. Später baute der Angreifer die Routen jedoch so um, dass die Freigaben offen stehen blieben. Damit hatte er eine dauerhafte Spend-Berechtigung auf echte Token in den Contracts des Bots. Im Finale rief er alle 66 „Hintertüren" in einer einzigen Transaktion auf und zog die Gelder per transferFrom ab. So wird aus einem System, das andere ausnimmt, das Ziel seiner eigenen Logik.

Der Punkt, auf den es ankommt: Eine erteilte Token-Freigabe ist kein einmaliger Vorgang, sondern eine stehende Erlaubnis. Solange sie nicht widerrufen wird, kann der berechtigte Contract jederzeit zugreifen – beim Bot ebenso wie bei dir. Wallet-Drainer, die täglich private Nutzer treffen, funktionieren nach exakt demselben Prinzip.

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MEV, Sandwich-Angriff & Approval – kurz erklärt

MEV (Maximal Extractable Value) bezeichnet zusätzlichen Gewinn, den Bots oder Block-Produzenten erzielen, indem sie die Reihenfolge von Transaktionen in einem Block beeinflussen. Ein Sandwich-Angriff ist eine MEV-Spielart: Der Bot platziert eine Order vor und eine nach dem Geschäft eines Nutzers, sodass dieser einen schlechteren Preis erhält und der Bot die Differenz einstreicht. Ein Approval (Token-Freigabe) ist die Erlaubnis, die du oder ein Programm einem Smart Contract gebt, eine bestimmte Menge eurer Token zu bewegen. Diese Erlaubnis ist mächtig – und gefährlich, wenn sie unbegrenzt oder vergessen offen bleibt. Wer tiefer verstehen will, was echte Schlüsselkontrolle bedeutet, findet das im Beitrag zum vollständigen Sicherheitssystem für die Selbstverwahrung.

Was das für dich als normaler Krypto-Nutzer bedeutet

Du betreibst keinen MEV-Bot – trotzdem betrifft dich dieser Fall direkt. Der Angriffsweg „offene Freigabe" ist die häufigste Methode, mit der DeFi-Nutzer reihenweise geplündert werden. Du verbindest deine Wallet mit einer Seite, bestätigst eine Transaktion, die scheinbar nur eine Anmeldung oder ein Tausch ist – und erteilst dabei eine unbegrenzte Freigabe an einen bösartigen Contract. Tage oder Wochen später wird sie ausgenutzt. Genau wie beim Bot war kein Schlüssel gestohlen: Du hast den Zugriff selbst genehmigt.

Die gute Nachricht: Anders als beim Bot, der vollautomatisch handelte, hast du bei jeder Signatur die Kontrolle. Drei Dinge schließen das Einfallstor fast vollständig: erstens Freigaben regelmäßig prüfen und widerrufen; zweitens nie „blind signieren", also nie etwas bestätigen, das du nicht verstehst; drittens größere Bestände auf einer Hardware-Wallet halten, die jede Freigabe auf einem separaten Bildschirm anzeigt. Wie Schadsoftware zusätzlich Wallet-Adressen im Hintergrund austauscht, zeigt, warum der reine Besitz einer Hardware-Wallet allein nicht reicht.

Token-Freigaben prüfen und widerrufen – Schritt für Schritt

  1. Bestandsaufnahme machen. Öffne einen seriösen Approval-Checker (etwa über deine Wallet-eigene Funktion oder ein etabliertes Revoke-Tool) und verbinde deine Adresse nur lesend. Du siehst alle aktiven Freigaben pro Token und Contract.
  2. Unbegrenzte Freigaben zuerst angehen. Besonders riskant sind „unlimited"-Approvals. Widerrufe alles, was du nicht aktiv und bewusst nutzt – im Zweifel widerrufen, du kannst später neu freigeben.
  3. Pro Geschäft nur die nötige Menge freigeben. Setze, wo möglich, ein Limit statt einer unbegrenzten Erlaubnis. Das begrenzt den Schaden, falls ein Contract kompromittiert wird.
  4. Niemals blind signieren. Lies, was du bestätigst. Wenn eine „Anmeldung" plötzlich eine Token-Freigabe verlangt, ist das ein Warnsignal – brich ab.
  5. Trennen statt bündeln. Nutze eine separate „Wegwerf-Wallet" mit kleinem Guthaben fürs Ausprobieren neuer dApps. Dein Hauptvermögen bleibt auf einer getrennten, offline gesicherten Wallet.
  6. Routine etablieren. Prüfe deine Freigaben in festen Abständen, nicht erst nach einem Schaden. Eine stehende Erlaubnis von gestern kann morgen zur offenen Tür werden.

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Häufige Fragen

Wurde Jaredfromsubway.eth „gehackt"?
Nicht im klassischen Sinn. Laut Blockaid gab es keinen Smart-Contract-Bug, kein Phishing und keinen Diebstahl privater Schlüssel. Der Bot wurde durch gefälschte Märkte dazu gebracht, selbst Token-Freigaben an Angreifer-Contracts zu erteilen, die anschließend zum Abziehen der Gelder genutzt wurden.
Wie hoch ist der Schaden wirklich – 7,5 oder 15 Millionen?
Die Sicherheitsfirmen Blockaid und PeckShield beziffern den On-Chain-Abfluss auf rund 7,5 Millionen US-Dollar in WETH, USDC und USDT. Der Bot-Betreiber selbst sprach öffentlich von 15 Millionen. Diese Differenz ist bislang nicht abschließend geklärt.
Was ist ein „Counter-MEV-Honeypot"?
Eine Falle, die gezielt gegen MEV-Bots gestellt wird. Der Angreifer legt scheinbar profitable, in Wahrheit gefälschte Handelsrouten aus. Der Bot betritt sie automatisch und erteilt dabei Freigaben, die der Angreifer später ausnutzt. Blockaid-CTO Raz Niv beschrieb den Vorfall genau so.
Was sind Token-Freigaben (Approvals) überhaupt?
Ein Approval ist die Erlaubnis, die du einem Smart Contract gibst, eine bestimmte Menge deiner Token zu bewegen. Viele dApps verlangen das, um zu funktionieren. Das Problem: Eine einmal erteilte, unbegrenzte Freigabe bleibt aktiv, bis du sie widerrufst – und kann jederzeit genutzt werden.
Bin ich als normaler Nutzer von so etwas betroffen?
Ja, der Mechanismus ist derselbe. Sogenannte Wallet-Drainer plündern täglich private Nutzer über offene oder unbegrenzte Freigaben. Du musst keinen Bot betreiben – es reicht, eine bösartige Freigabe einmal unbedacht bestätigt zu haben.
Wie kann ich meine erteilten Freigaben prüfen?
Über die Approval-Funktion vieler Wallets oder über etablierte Revoke-Tools. Du verbindest deine Adresse, siehst alle aktiven Freigaben und kannst nicht benötigte einzeln widerrufen. Das kostet jeweils eine kleine Netzwerkgebühr, ist aber die wirksamste Einzelmaßnahme.
Schützt eine Hardware-Wallet vor diesem Angriff?
Sie hilft erheblich, weil sie jede Transaktion und Freigabe auf einem separaten Bildschirm anzeigt, den Malware nicht manipulieren kann. Du erkennst eher, wenn eine „harmlose" Aktion in Wahrheit eine Freigabe ist. Wichtig bleibt: Du musst trotzdem lesen, was du bestätigst – blindes Signieren hebelt auch dieses Schutzprinzip aus.
Was bedeutet „niemals blind signieren"?
Es bedeutet, keine Transaktion zu bestätigen, deren Inhalt du nicht verstehst. Wenn eine Anmeldung oder ein vermeintlich kleiner Tausch plötzlich eine umfangreiche Token-Freigabe anfordert, ist das ein Warnsignal – im Zweifel abbrechen und prüfen.
Warum wurde gerade dieser Bot zum Ziel?
Weil er extrem aktiv, hochautomatisiert und entsprechend prominent war. Seine Logik, jede scheinbar profitable Route sofort zu verfolgen, war zugleich seine Schwäche: Genau das hat ihn in die vorbereitete Falle gelockt.
Kann der Betreiber die Gelder zurückbekommen?
Möglich, aber unsicher. Er hat eine Belohnung von einer Million US-Dollar für die vollständige Rückgabe ausgelobt. Ob der Angreifer darauf eingeht, ist offen – zumal ein Teil der Beute bereits über Tornado Cash verschleiert wurde.
Sind Sandwich-Angriffe jetzt weniger gefährlich?
Nein. Der Vorfall trifft nur einen einzelnen Bot. Sandwich-Angriffe verursachen Tradern weiterhin geschätzt rund 60 Millionen US-Dollar Schaden pro Jahr. Der Fall zeigt lediglich, dass auch die Profiteure dieser Praxis verwundbar sind.
Was ist die wichtigste Lehre für mich?
Behandle Token-Freigaben wie Schlüssel, die du verleihst: nur so viel wie nötig, nur an Vertrauenswürdige, und regelmäßig zurückfordern. In Kombination mit einer Hardware-Wallet und der Regel „niemals blind signieren" schließt du das Einfallstor, das selbst diesen Profi-Bot erwischt hat.

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und der Einordnung eines aktuellen Vorfalls. Er ist keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Sicherheitsberatung. Angaben zu Schadenshöhe und Ablauf beruhen auf den öffentlichen Analysen von Blockaid und PeckShield sowie On-Chain-Daten und können sich mit fortlaufender Untersuchung präzisieren. Eine vollständige Sicherheit kann niemand garantieren – Ziel ist die deutliche Reduktion vermeidbarer Risiken.

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