Krypto-Bot geplündert: Wie Jaredfromsubway.eth 7,5 Mio. US-Dollar an eine selbst erteilte Freigabe verlor
- Schaden laut Sicherheitsfirmen Blockaid und PeckShield: rund 7,5 Mio. USD in WETH, USDC und USDT. Der Bot-Betreiber selbst sprach von 15 Mio. USD und lobte eine Belohnung von 1 Mio. USD für die Rückgabe aus.
- Der Angreifer baute über Wochen 66 gefälschte Token-Contracts (Imitate von WETH, USDC, USDT) mit Fake-Pools – eine gezielte Falle gegen die Automatik des Bots.
- Kein Schlüsseldiebstahl: Der Bot autorisierte die Plünderung praktisch selbst, indem er Spend-Approvals an Angreifer-Contracts vergab.
- Ein Teil der Beute (rund 1.000 ETH) wurde zügig über Tornado Cash verschleiert.
- Die eigentliche Lehre für dich: Token-Freigaben sind eine Angriffsfläche – sie lassen sich prüfen und widerrufen, und mit einer Hardware-Wallet plus „niemals blind signieren" schließt du das Einfallstor weitgehend.
| Betroffenes System | Jaredfromsubway.eth – einer der aktivsten Sandwich-/MEV-Bots auf Ethereum |
|---|---|
| Schadenshöhe | > 7,5 Mio. USD (Blockaid, PeckShield); Betreiber-Angabe: 15 Mio. USD |
| Gestohlene Assets | laut PeckShield ca. 1.474 WETH, 2,87 Mio. USDC, 2 Mio. USDT |
| Angriffstyp | „Counter-MEV-Honeypot" / Approval-Drain – kein Bug, kein Phishing, kein Key-Leak |
| Werkzeug des Angreifers | 66 gefälschte Token-Contracts + Fake-Liquiditätspools, über Wochen vorbereitet |
| Geldwäsche | Tausch in ETH, rund 1.000 ETH in Tornado Cash eingezahlt (On-Chain-Daten) |
| Reaktion des Betreibers | öffentliche Bounty von 1 Mio. USD für „vollständige Rückgabe ohne Fragen" |
| Einordnende Stimme | Raz Niv (CTO Blockaid): gezielter Angriff auf die automatische Entscheidungslogik des Bots |
- Was genau passiert ist
- Wer Jaredfromsubway.eth ist – und warum die Ironie so groß ist
- Wie die Falle funktionierte (verständlich erklärt)
- MEV, Sandwich-Angriff & Approval – die Begriffe
- Was das für dich als normaler Krypto-Nutzer bedeutet
- Token-Freigaben prüfen und widerrufen – Schritt für Schritt
- Häufige Fragen
Was genau passiert ist
Am Samstag, dem 20. Juni 2026, meldete das Erkennungssystem der Sicherheitsfirma Blockaid einen ungewöhnlichen Vorfall: Aus den Contracts des MEV-Bots Jaredfromsubway.eth flossen in einer einzigen, sauber vorbereiteten Transaktion Token im Wert von mehr als 7,5 Millionen US-Dollar ab – WETH, USDC und USDT. Bemerkenswert ist nicht nur die Summe, sondern die Methode. Blockaid stellte ausdrücklich klar, dass es sich weder um eine Sicherheitslücke im Contract des Bots noch um einen Phishing-Angriff oder einen gestohlenen privaten Schlüssel handelte.
Stattdessen wurde dem Bot seine eigene Profitgier zum Verhängnis. Ein Angreifer hatte über Wochen eine Falle gebaut, die der Bot von sich aus betrat. Die Plünderung lief am Ende über Freigaben, die der Bot den Angreifer-Contracts zuvor selbst erteilt hatte. Ein Teil der Beute wurde in Ether getauscht und rund 1.000 ETH davon umgehend über den Mixer Tornado Cash geschleust – ein typisches Muster, um die Spur zu verwischen. Der Betreiber des Bots bezifferte den Verlust öffentlich sogar auf 15 Millionen US-Dollar und bot eine Million Dollar Belohnung für die vollständige Rückgabe an; die Differenz zur 7,5-Millionen-Schätzung der Analysten ist bisher nicht abschließend erklärt.
Wer Jaredfromsubway.eth ist – und warum die Ironie so groß ist
Jaredfromsubway.eth ist kein gewöhnliches Opfer. Der Bot gilt als einer der sichtbarsten Akteure der sogenannten „toxischen" MEV-Ökonomie auf Ethereum. Untersuchungen ordneten ihm im Zeitraum November 2024 bis Oktober 2025 rund 70 % aller Sandwich-Angriffe zu – einer Technik, die normalen Tradern bei jeder Transaktion einen kleinen, versteckten Aufschlag abknöpft. Schätzungen zufolge kosten solche Angriffe Ethereum-Nutzer etwa 60 Millionen US-Dollar pro Jahr, bei 60.000 bis 90.000 Angriffen monatlich.
Der Bot war dabei so aggressiv, dass er selbst Kleinstgeschäfte ins Visier nahm. Im Mai legte er sich um einen winzigen Tausch von Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin – über eine Million Dollar Volumen, um am Ende ein paar Dollar zu verdienen. Genau dieser Bot, der jahrelang andere überrumpelte, hat diesmal selbst eine Transaktion nicht kommen sehen. Wichtig bleibt: Dass ausgerechnet ein Sandwich-Bot getroffen wurde, macht Sandwich-Angriffe nicht weniger schädlich – es zeigt nur, dass auch hochautomatisierte Systeme an einer ganz alltäglichen Schwachstelle scheitern können.
Wie die Falle funktionierte
Der Kern des Angriffs ist erstaunlich einfach, wenn man ihn einmal zerlegt. Ein MEV-Bot beobachtet ununterbrochen ausstehende Transaktionen (den „Mempool") und sucht nach profitablen Handelsrouten. Findet er eine, lässt er einen sogenannten Helper-Contract Token in seinem Namen ausgeben – dafür erteilt er diesem Contract eine Freigabe (ein ERC-20-Approval).
Der Angreifer hat genau diese Mechanik missbraucht. Er deployte 66 gefälschte Token, die WETH, USDC und USDT täuschend echt imitierten, und koppelte sie an Fake-Liquiditätspools. Für den Bot sahen diese Routen wie lohnende MEV-Gelegenheiten aus. In frühen Testläufen wurden die erteilten Freigaben sofort verbraucht – unauffällig. Später baute der Angreifer die Routen jedoch so um, dass die Freigaben offen stehen blieben. Damit hatte er eine dauerhafte Spend-Berechtigung auf echte Token in den Contracts des Bots. Im Finale rief er alle 66 „Hintertüren" in einer einzigen Transaktion auf und zog die Gelder per transferFrom ab. So wird aus einem System, das andere ausnimmt, das Ziel seiner eigenen Logik.
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Der Leitfaden „Krypto-Vermögen schützen" zeigt praxisnah, wie du Freigaben, Wallets, Seed-Phrase und den Ernstfall sauber organisierst – damit dir nicht passiert, was selbst Profi-Systeme erwischt.
Zum Sicherheits-Leitfaden →MEV, Sandwich-Angriff & Approval – kurz erklärt
MEV (Maximal Extractable Value) bezeichnet zusätzlichen Gewinn, den Bots oder Block-Produzenten erzielen, indem sie die Reihenfolge von Transaktionen in einem Block beeinflussen. Ein Sandwich-Angriff ist eine MEV-Spielart: Der Bot platziert eine Order vor und eine nach dem Geschäft eines Nutzers, sodass dieser einen schlechteren Preis erhält und der Bot die Differenz einstreicht. Ein Approval (Token-Freigabe) ist die Erlaubnis, die du oder ein Programm einem Smart Contract gebt, eine bestimmte Menge eurer Token zu bewegen. Diese Erlaubnis ist mächtig – und gefährlich, wenn sie unbegrenzt oder vergessen offen bleibt. Wer tiefer verstehen will, was echte Schlüsselkontrolle bedeutet, findet das im Beitrag zum vollständigen Sicherheitssystem für die Selbstverwahrung.
Was das für dich als normaler Krypto-Nutzer bedeutet
Du betreibst keinen MEV-Bot – trotzdem betrifft dich dieser Fall direkt. Der Angriffsweg „offene Freigabe" ist die häufigste Methode, mit der DeFi-Nutzer reihenweise geplündert werden. Du verbindest deine Wallet mit einer Seite, bestätigst eine Transaktion, die scheinbar nur eine Anmeldung oder ein Tausch ist – und erteilst dabei eine unbegrenzte Freigabe an einen bösartigen Contract. Tage oder Wochen später wird sie ausgenutzt. Genau wie beim Bot war kein Schlüssel gestohlen: Du hast den Zugriff selbst genehmigt.
Die gute Nachricht: Anders als beim Bot, der vollautomatisch handelte, hast du bei jeder Signatur die Kontrolle. Drei Dinge schließen das Einfallstor fast vollständig: erstens Freigaben regelmäßig prüfen und widerrufen; zweitens nie „blind signieren", also nie etwas bestätigen, das du nicht verstehst; drittens größere Bestände auf einer Hardware-Wallet halten, die jede Freigabe auf einem separaten Bildschirm anzeigt. Wie Schadsoftware zusätzlich Wallet-Adressen im Hintergrund austauscht, zeigt, warum der reine Besitz einer Hardware-Wallet allein nicht reicht.
Token-Freigaben prüfen und widerrufen – Schritt für Schritt
- Bestandsaufnahme machen. Öffne einen seriösen Approval-Checker (etwa über deine Wallet-eigene Funktion oder ein etabliertes Revoke-Tool) und verbinde deine Adresse nur lesend. Du siehst alle aktiven Freigaben pro Token und Contract.
- Unbegrenzte Freigaben zuerst angehen. Besonders riskant sind „unlimited"-Approvals. Widerrufe alles, was du nicht aktiv und bewusst nutzt – im Zweifel widerrufen, du kannst später neu freigeben.
- Pro Geschäft nur die nötige Menge freigeben. Setze, wo möglich, ein Limit statt einer unbegrenzten Erlaubnis. Das begrenzt den Schaden, falls ein Contract kompromittiert wird.
- Niemals blind signieren. Lies, was du bestätigst. Wenn eine „Anmeldung" plötzlich eine Token-Freigabe verlangt, ist das ein Warnsignal – brich ab.
- Trennen statt bündeln. Nutze eine separate „Wegwerf-Wallet" mit kleinem Guthaben fürs Ausprobieren neuer dApps. Dein Hauptvermögen bleibt auf einer getrennten, offline gesicherten Wallet.
- Routine etablieren. Prüfe deine Freigaben in festen Abständen, nicht erst nach einem Schaden. Eine stehende Erlaubnis von gestern kann morgen zur offenen Tür werden.
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Welche Freigabe ist gefährlich, welche harmlos? Wie sicherst du Seed-Phrase, Geräte und den Notfall ab? Der Leitfaden „Krypto-Vermögen schützen" führt dich Schritt für Schritt durch ein belastbares System – verständlich, ohne Hype.
Jetzt absichern →Häufige Fragen
Wurde Jaredfromsubway.eth „gehackt"?
Wie hoch ist der Schaden wirklich – 7,5 oder 15 Millionen?
Was ist ein „Counter-MEV-Honeypot"?
Was sind Token-Freigaben (Approvals) überhaupt?
Bin ich als normaler Nutzer von so etwas betroffen?
Wie kann ich meine erteilten Freigaben prüfen?
Schützt eine Hardware-Wallet vor diesem Angriff?
Was bedeutet „niemals blind signieren"?
Warum wurde gerade dieser Bot zum Ziel?
Kann der Betreiber die Gelder zurückbekommen?
Sind Sandwich-Angriffe jetzt weniger gefährlich?
Was ist die wichtigste Lehre für mich?
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Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und der Einordnung eines aktuellen Vorfalls. Er ist keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Sicherheitsberatung. Angaben zu Schadenshöhe und Ablauf beruhen auf den öffentlichen Analysen von Blockaid und PeckShield sowie On-Chain-Daten und können sich mit fortlaufender Untersuchung präzisieren. Eine vollständige Sicherheit kann niemand garantieren – Ziel ist die deutliche Reduktion vermeidbarer Risiken.