Sicherheitsübersicht für Bitcoin- und Kryptonutzer
Krypto-Datenlecks: Welche Anbieter Kundendaten verloren haben
Eine Hardware-Wallet kann technisch sicher sein – und der Kauf trotzdem deine Identität, Anschrift oder Telefonnummer offenlegen. Diese Übersicht dokumentiert bekannte Datenlecks bei Wallet-Herstellern, Kryptobörsen, Steuerdiensten und deren externen Dienstleistern. Entscheidend ist nicht nur, ob Coins gestohlen wurden, sondern ob Angreifer genügend persönliche Daten erhielten, um glaubwürdige Phishing-Mails, Anrufe oder Briefe zu verschicken.
Redaktioneller Stand: 15. Juli 2026 · Quellen werden je Vorfall direkt angegeben · Keine Rechts- oder Anlageberatung
Warum diese Datenlecks für Kryptonutzer besonders gefährlich sind
Ein gestohlener Datensatz ist kein gewöhnlicher Spamverteiler. Kennt ein Angreifer deinen Namen, deine Adresse und den von dir verwendeten Wallet- oder Börsenanbieter, kann er eine Nachricht exakt auf dich zuschneiden. Besonders problematisch sind Lieferadressen von Hardware-Wallet-Käufern: Sie können darauf hindeuten, dass an diesem Ort Kryptowährungen verwahrt werden.
Die Folgen reichen von täuschend echten Support-Mails über gefälschte Hardware-Wallet-Pakete und physische Briefe bis zu SIM-Swapping, Identitätsdiebstahl und persönlichen Bedrohungen. Selbst Jahre alte Daten bleiben verwertbar, weil Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern selten vollständig wechseln.
Dokumentierte Datenlecks und Datenschutzvorfälle
Ledger: E-Commerce- und Marketing-Datenbank
Über einen fehlerhaft konfigurierten API-Schlüssel erhielten Angreifer Zugriff auf Teile der Bestell- und Marketingdaten. Später wurde die Datenbank öffentlich verbreitet und für aggressive Phishing-Kampagnen genutzt.
- Betroffene Daten
- Mehr als eine Million E-Mail-Adressen; bei rund 272.000 Datensätzen zusätzlich Name, Postanschrift und Telefonnummer.
- Nicht betroffen
- Seed-Phrasen, Private Keys und Ledger-Geräte selbst.
- Konkretes Risiko
- Personalisierte E-Mails, SMS, Anrufe, Betrugsbriefe und physische Angriffe.
Quellen: Ledger-Erstmeldung · Ledger zur später bestätigten Größenordnung
Ledger / Global-e: Bestelldaten bei Zahlungs- und Handelspartner
Ledger informierte über einen Sicherheitsvorfall beim internationalen E-Commerce-Dienstleister Global-e. Betroffen war dessen cloudbasiertes Informationssystem für Bestellungen über Ledger.com.
- Betroffene Daten
- Bestell- und Kontaktdaten abhängig vom jeweiligen Kaufvorgang.
- Nicht betroffen
- Ledger-Geräte, Seed-Phrasen und Private Keys.
- Konkretes Risiko
- Gezielte Nachrichten, die sich auf einen echten Ledger-Kauf beziehen.
Quelle: Ledger-Sicherheitsmitteilung
Trezor: Unbefugter Zugriff auf Supportportal
Ein Angreifer erhielt Zugriff auf das externe Support-Ticketsystem. Im System befanden sich bis zu 66.000 Kontakte von Personen, die seit Dezember 2021 mit dem Support kommuniziert hatten.
- Betroffene Daten
- E-Mail-Adresse sowie Name oder verwendeter Spitzname.
- Bekannte Folge
- Mindestens 41 Nutzer wurden nach Angaben von Trezor direkt vom Angreifer kontaktiert.
- Konkretes Risiko
- Glaubwürdige Support-Imitation und Aufforderung zur Herausgabe der Seed-Phrase.
Quelle: Trezor-Sicherheitsupdate
Trezor: Missbrauch des Newsletter-Dienstleisters
Über einen von Trezor genutzten E-Mail-Dienstleister wurde eine unautorisierte Nachricht an Newsletter-Abonnenten verschickt. Die Mail täuschte ein technisches Upgrade vor und führte auf eine Seite, die Seed-Phrasen abfragen sollte.
- Betroffene Daten
- E-Mail-Adressen aus der Newsletter-Datenbank.
- Angriff
- Versand aus einem legitimen Kommunikationsumfeld mit bösartigem Link.
- Konkretes Risiko
- Kompletter Verlust der Wallet, falls die Seed-Phrase eingegeben wurde.
Quelle: Trezor-Warnmeldung
Gemini: E-Mail-Adressen und teilweise Telefonnummern
Gemini bestätigte einen Vorfall bei einem externen Anbieter. Die erlangten Kontaktdaten wurden nach Einschätzung des Unternehmens für Phishing-Kampagnen gegen Gemini-Kunden verwendet.
- Betroffene Daten
- E-Mail-Adressen und teilweise maskierte Telefonnummern.
- Nicht betroffen
- Gemini-Konten, Passwörter und Guthaben.
- Konkretes Risiko
- Phishing per E-Mail oder SMS mit Bezug auf ein echtes Gemini-Konto.
Quelle: Gemini-Sicherheitsmitteilung
CoinTracker: Datenleck beim E-Mail-Dienstleister
Nach Angaben von CoinTracker wurde nicht die eigene Datenbank, sondern das System des E-Mail-Anbieters SendGrid kompromittiert. Eine Liste mit Nutzer-E-Mail-Adressen und Empfehlungslinks gelangte nach außen.
- Betroffene Daten
- E-Mail-Adressen und CoinTracker-Referral-Links; rund 1,5 Millionen Konten wurden dem Vorfall zugeordnet.
- Nicht betroffen
- Finanzdaten und CoinTracker-Passwörter laut Anbieter.
- Konkretes Risiko
- Steuer- oder Wallet-bezogenes Phishing und Account-Imitation.
Quellen: CoinTracker-Update · Have I Been Pwned
HubSpot: BlockFi, Swan Bitcoin, NYDIG, Circle und weitere Kryptofirmen
Ein Angreifer kompromittierte ein HubSpot-Mitarbeiterkonto und griff gezielt auf Daten von Unternehmen aus der Kryptobranche zu. Öffentlich als betroffen genannt wurden unter anderem BlockFi, Swan Bitcoin, NYDIG und Circle.
- Betroffene Daten
- Je nach Unternehmen Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Marketing- oder Onboarding-Daten.
- Nicht betroffen
- Bei BlockFi nach damaliger Mitteilung unter anderem Passwörter, Ausweisdokumente und Sozialversicherungsnummern.
- Konkretes Risiko
- Sehr glaubwürdige, an den jeweiligen Anbieter angepasste Phishing-Angriffe.
Quellen: CoinDesk-Übersicht · SecurityWeek
Celsius: Drittanbieter-Vorfall mit anschließenden Betrugsnachrichten
Celsius meldete einen Vorfall bei einem externen Dienstleister, nachdem Kunden betrügerische E-Mails und SMS erhalten hatten. Die Nachrichten warben für eine angebliche neue Plattform und sollten Empfänger auf gefälschte Seiten locken.
- Betroffene Daten
- Nach damaligen Berichten insbesondere E-Mail-Adressen und Telefonnummern.
- Konkretes Risiko
- Direktes Phishing per Mail und SMS gegen bekannte Celsius-Nutzer.
- Einordnung
- Der Fall zeigt, dass bereits reine Kontaktdaten eine wertvolle Angriffsliste bilden.
Quelle: Bericht zur Celsius-Mitteilung
Celsius: E-Mail-Adressen durch Mitarbeiter eines Versanddienstleisters weitergegeben
Ein Mitarbeiter des von Celsius genutzten E-Mail-Dienstleisters Customer.io soll eine Liste mit Kundenadressen an eine unbefugte externe Partei weitergegeben haben.
- Betroffene Daten
- E-Mail-Adressen von Celsius-Kunden.
- Nicht betroffen
- Nach damaliger Mitteilung keine weiteren Celsius-bezogenen Daten.
- Konkretes Risiko
- Gezielte Nachrichten in einer Phase hoher Unsicherheit rund um die Insolvenz.
Kroll: Daten von Gläubigern mehrerer insolventer Kryptofirmen
Durch einen SIM-Swapping-Angriff auf einen Kroll-Mitarbeiter erlangten Täter Zugriff auf Informationen von Antragstellern in mehreren Krypto-Insolvenzverfahren. Betroffen waren unter anderem Fälle rund um BlockFi, FTX und Genesis.
- Betroffene Daten
- Kontaktdaten und Informationen aus den jeweiligen Insolvenz- oder Forderungsverfahren.
- Bekannte Folge
- Phishing-Nachrichten, die angebliche Auszahlungen oder Forderungsportale nachahmten.
- Konkretes Risiko
- Wallet-Diebstahl durch gefälschte Claim- und Rückzahlungsseiten.
Quelle: KrebsOnSecurity
Celsius: Kundennamen und Transaktionen in Gerichtsunterlagen
Im Insolvenzverfahren wurde eine umfangreiche Datei veröffentlicht, die Namen und Transaktionsdaten zahlreicher Kunden enthielt. Obwohl keine Wallet-Adressen enthalten waren, konnten einzelne Angaben potenziell mit öffentlich sichtbaren Blockchain-Transaktionen verknüpft werden.
- Betroffene Daten
- Namen, Transaktionsarten, Zeitpunkte und Beträge von rund einer halben Million Nutzern.
- Besonderheit
- Kein klassischer Hack, sondern eine datenschutzkritische Veröffentlichung im Gerichtsverfahren.
- Konkretes Risiko
- Deanonymisierung, Vermögensprofiling und gezielte Betrugsversuche.
Quelle: Wired-Analyse
Coinbase: Bestochene Supportmitarbeiter gaben Kundendaten weiter
Angreifer bestachen externe Kundenservice-Mitarbeiter und nutzten die erlangten Informationen für Social-Engineering-Angriffe. Anschließend verlangten sie von Coinbase 20 Millionen US-Dollar, um eine Veröffentlichung zu verhindern.
- Betroffene Daten
- Unter anderem Namen, Anschriften, Telefonnummern, Geburtsdaten, Ausweisdaten, teilweise Sozialversicherungs- und Bankkontoinformationen sowie Kontometadaten.
- Nicht betroffen
- Passwörter, Private Keys und unmittelbarer technischer Zugriff auf Kundenguthaben nach Angaben des Unternehmens.
- Konkretes Risiko
- Extrem glaubwürdige Support-Imitation mit echten Konto- und Identitätsdaten.
Quellen: Associated Press · Financial Times
Schnellübersicht: Welche Daten waren betroffen?
| Anbieter / Vorfall | Jahr | Datenarten | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Ledger E-Commerce | 2020 | E-Mail, Name, Adresse, Telefon | Phishing und physische Zielauswahl |
| Ledger / Global-e | 2026 | Bestell- und Kontaktdaten | Kaufbezogene Betrugsnachrichten |
| Trezor Supportportal | 2024 | E-Mail, Name oder Spitzname | Gefälschter Supportkontakt |
| Trezor Newsletter | 2024 | Seed-Phrase-Phishing | |
| Gemini | 2022 | E-Mail, teilweise Telefonnummer | Mail- und SMS-Phishing |
| CoinTracker | 2022 | E-Mail, Referral-Link | Steuer- und Wallet-Phishing |
| HubSpot-Kryptokunden | 2022 | Name, E-Mail, Telefon, CRM-Daten | Anbieterbezogenes Spear-Phishing |
| Celsius | 2021/2022 | E-Mail, teilweise Telefon | Phishing in Krisensituation |
| Kroll | 2023 | Gläubiger- und Verfahrensdaten | Gefälschte Auszahlungsportale |
| Coinbase | 2025 | Umfangreiche Identitäts- und Kontometadaten | Support-Imitation und Identitätsbetrug |
Was du tun solltest, wenn deine Daten betroffen sein könnten
- Seed-Phrase niemals digital eingeben: Nicht in Webseiten, Supportformulare, Apps, E-Mails oder Chatfenster.
- Kontaktaufnahme grundsätzlich misstrauisch behandeln: Öffne den Anbieter selbst über ein gespeichertes Lesezeichen oder die manuell eingegebene Domain.
- Separate E-Mail-Adresse nutzen: Für Börsen, Wallet-Käufe und Kryptodienste keine öffentlich bekannte Hauptadresse verwenden.
- Telefonnummer absichern: Beim Mobilfunkanbieter eine Kundenkennzahl und Schutz vor unautorisiertem SIM-Tausch einrichten.
- Passwörter trennen: Für jeden Dienst ein eigenes langes Passwort und nach Möglichkeit passwortlose oder hardwaregestützte Zwei-Faktor-Authentifizierung verwenden.
- Physische Adresse ernst nehmen: Sind Anschrift und Wallet-Kauf gemeinsam geleakt, keine Angaben über Bestände machen und verdächtige Pakete oder Briefe besonders kritisch prüfen.
- Transaktionen vor Bestätigung kontrollieren: Empfängeradresse und Betrag immer auf dem Display der Hardware-Wallet prüfen.
Wann ein Vorfall in diese Liste aufgenommen wird
Aufnahmekriterien: Der Vorfall muss Kryptonutzer betreffen und durch eine Unternehmensmitteilung, Behörde, Gerichtsunterlage, etablierte Sicherheitsquelle oder mehrere voneinander unabhängige Medienberichte nachvollziehbar sein.
Nicht aufgenommen werden: unbestätigte Behauptungen aus sozialen Netzwerken, reine Kurs- oder Smart-Contract-Hacks ohne personenbezogene Daten sowie Vorfälle, bei denen lediglich ein Firmenkonto in sozialen Medien übernommen wurde.
Wichtige Einschränkung: Eine öffentlich zugängliche Liste kann nie garantieren, jeden Vorfall zu erfassen. Viele Datenlecks werden verspätet, nur teilweise oder überhaupt nicht veröffentlicht.
Häufige Fragen
Ist meine Hardware-Wallet nach einem Datenleck unsicher?
Nicht automatisch. Ein Datenleck in einer Bestell-, Support- oder Marketingdatenbank betrifft häufig nicht die kryptografische Sicherheit des Geräts. Gefährlich wird es, weil Angreifer wissen, welchen Anbieter du nutzt und dich dadurch überzeugender täuschen können.
Können Angreifer mit meiner Adresse meine Bitcoin stehlen?
Die Anschrift allein ermöglicht keinen Zugriff auf deine Wallet. Sie kann aber für persönliche Drohungen, gefälschte Lieferungen oder eine gezielte Auswahl vermeintlich vermögender Opfer missbraucht werden.
Wie erkenne ich eine echte Supportnachricht?
Eine Absenderadresse ist kein Beweis. Öffne keine enthaltenen Links, sondern rufe den Dienst über die selbst eingegebene Adresse auf. Eine Aufforderung zur Eingabe der Seed-Phrase ist immer betrügerisch.
Kann ich prüfen, ob meine E-Mail-Adresse in einem Leak vorkommt?
Dienste wie „Have I Been Pwned“ können bekannte Datenbestände abgleichen. Ein negatives Ergebnis beweist jedoch nicht, dass deine Daten nie abgeflossen sind.