NuScale, Oklo & Co.: Sind kleine Atomreaktoren die nächste große KI-Infrastruktur-Wette?
Der Strombedarf der künstlichen Intelligenz macht Energie zum Engpass – und rückt börsennotierte Unternehmen rund um Small Modular Reactors in den Fokus. Wer nach SMR-Aktien sucht, landet fast immer bei denselben zwei Namen. Diese Seite ordnet ein, was NuScale und Oklo unterscheidet, welche Meilensteine tatsächlich vorliegen – und warum eine richtige These noch lange kein gutes Investment ist.
Wer gezielt nach der NuScale Aktie oder der Oklo Aktie sucht, sollte deshalb nicht nur auf das KI- und SMR-Narrativ schauen, sondern auf Genehmigungsstand, reale Projekte, Finanzierung und Brennstoffversorgung.
Kurz gesagt: NuScale ist der bekanntere SMR-Pure-Play und hat für das 77-MWe-Modul des US460-Designs bereits die Standard Design Approval der US-Aufsichtsbehörde NRC; sechs Module ergeben rechnerisch 462 MWe. Oklo verfolgt mit den Aurora-Powerhouses einen anderen Weg und hat seit Januar 2026 eine Vereinbarung mit Meta über einen geplanten Campus mit bis zu 1,2 Gigawatt in Ohio. Beide hängen am selben Narrativ, tragen aber unterschiedliche Risikoprofile. Gemeinsam ist ihnen: Für die Reaktordesigns von NuScale und Oklo ist ein wirtschaftlicher kommerzieller Serienbetrieb bislang nicht nachgewiesen, und bei Einzelwerten dieser Art ist ein Totalverlust möglich.
Du willst in KI-Aktien investieren? Wo du Nvidia, Microsoft und viele weitere KI-Aktien handeln kannst und worauf es beim Kauf ankommt, steht in unserem KI-Aktien-Überblick.
KI-Aktien kaufen- Warum börsennotierte SMR-Unternehmen so viel Aufmerksamkeit bekommen
- NuScale Power: der bekannte SMR-Pure-Play
- Oklo: Aurora, Meta und die andere Reaktor-Wette
- NuScale gegen Oklo: zwei verschiedene Risikoprofile
- Googles Atomstrategie 2026: neue Reaktoren und Bestandsanlagen
- Wer sonst noch in diesem Feld auftaucht
- Ein typischer Fehler: die These mit der Aktie verwechseln
- Welche Risiken besonders ernst zu nehmen sind
- Warum das Thema trotzdem auf die Beobachtungsliste gehört
- Fazit: spannend ja, sicher nein
- Glossar und häufige Fragen
Risikohinweis vorweg
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Aktien. Unternehmen aus dem Bereich kleiner Atomreaktoren sind hochspekulativ: Verzögerungen, regulatorische Rückschläge, Kapitalerhöhungen oder Projektabbrüche können massive Verluste verursachen. Ein Totalverlust ist ausdrücklich möglich.
Warum börsennotierte SMR-Unternehmen so viel Aufmerksamkeit bekommen
Künstliche Intelligenz ist nicht nur ein Softwaretrend. Je größer die Modelle werden, desto größer der Bedarf an Rechenleistung – und die entsteht in Rechenzentren, die Strom brauchen. Die Internationale Energieagentur erwartet, dass der weltweite Stromverbrauch von Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden im Jahr 2025 auf etwa 950 Terawattstunden im Jahr 2030 steigt.
Genau hier entsteht die Investmentgeschichte rund um kleine Atomreaktoren. Sollen KI-Rechenzentren dauerhaft, planbar und möglichst klimaarm betrieben werden, gewinnen grundlastfähige Energiequellen an Bedeutung. Das klingt schlüssig – aber schlüssig ist nicht automatisch profitabel.
Zwischen einer überzeugenden Zukunftserzählung und einem erfolgreichen Investment liegen Genehmigungen, Kapitalbedarf, Bauzeiten, Brennstoffversorgung, politische Akzeptanz und reale Wirtschaftlichkeit. Gerade bei NuScale, Oklo und ähnlichen Unternehmen gehören These und Bewertung strikt getrennt.
Kleine Atomreaktoren für den KI-Stromhunger – wer zuerst das übergeordnete Thema verstehen will, findet dort die ausführliche Einordnung: was SMR technisch sind, welche Projekte 2026 bereits konkret laufen und warum die Energiefrage über den Standort von Rechenzentren entscheidet.
NuScale Power: der bekannte SMR-Pure-Play
NuScale gehört zu den bekanntesten börsennotierten Unternehmen im Bereich Small Modular Reactors und steht für den klassischen Ansatz: kleinere modulare Reaktoren für Versorger, Industrie und potenziell auch Rechenzentren.
Der wichtigste überprüfbare Meilenstein: Für das 77-MWe-Modul des US460-Designs liegt die Standard Design Approval der US-Aufsichtsbehörde NRC vor. Sechs Module ergeben rechnerisch 462 MWe. Das ist deutlich mehr als eine Ankündigung – und zugleich weniger, als viele daraus lesen: Eine genehmigte Auslegung ist keine Baugenehmigung für einen konkreten Standort und kein Nachweis, dass sich der Bau rechnet.
Zur Finanzlage: NuScale meldete am 5. August 2026 rund 1,9 Milliarden US-Dollar an Zahlungsmitteln, Zahlungsmitteläquivalenten sowie kurz- und langfristigen Anlagen. Parallel laufen weitere Projekte: NuScales exklusiver Kommerzialisierungspartner ENTRA1 führt Gespräche mit der TVA über ein mögliches Großprojekt, in Rumänien arbeitet NuScale gemeinsam mit Nuclearelectrica und RoPower an der nächsten Phase des Projekts in Doicești. Eine solide Kassenlage verschafft Zeit – ein sicherer kommerzieller Erfolg folgt daraus nicht.
Was für die These spricht
- Direkter SMR-Bezug. Kein Mischkonzern, sondern nah am Thema.
- Regulatorischer Vorsprung. Genehmigte Standardauslegung statt bloßer Konzepte.
- Potenzielle Abnehmer. Versorger, Industrie und Rechenzentren als mögliche Kundengruppen.
- Megatrend-Anbindung. KI-Infrastruktur, Energie und Dekarbonisierung in einer Geschichte.
Was gegen blinden Optimismus spricht
- Reine Wette. Je reiner der Pure Play, desto stärker hängt alles an einer Richtung.
- Kein zweites Standbein. Verzögerungen treffen das gesamte Geschäft.
- Bewertung. Die Börse bezahlt langfristig für Cashflows, nicht für Präsentationen.
- Kapitalbedarf. Neue Aktien können bestehende Anteile verwässern.
Oklo: Aurora, Meta und die andere Reaktor-Wette
Oklo ist regulatorisch anders aufgestellt als NuScale. Für Aurora gibt es noch keine standardisierte NRC-Designgenehmigung wie bei NuScale; die Behörde führt aber laufende Pre-Application-Aktivitäten für Aurora-Powerhouses mit bis zu 75 MWe. Im Mai 2026 genehmigte die NRC den Principal-Design-Criteria-Bericht, im Juni das US-Energieministerium die Preliminary Documented Safety Analysis für Aurora-INL. Am Aurora-INL-Standort laufen bereits genehmigte vorbereitende und nichtnukleare Bauarbeiten. Oklo bezeichnet das Projekt deshalb als im Bau befindlich; eine vollständige kommerzielle Reaktorlizenz liegt daraus jedoch noch nicht vor.
Für die KI-These am wichtigsten ist ein anderer Vorgang: Seit Januar 2026 besteht eine Vereinbarung mit Meta über einen geplanten Clean-Energy-Campus mit bis zu 1,2 Gigawatt in Ohio, der wachsende Rechenzentrumslasten versorgen soll. Damit ist Oklo eines der wenigen börsennotierten Unternehmen dieses Feldes mit einer konkreten Verbindung zu einem großen KI-Konzern.
Hinzu kommt reale Projektausführung jenseits der Ankündigungen: Für den Groves-1-Testreaktor erhielt Oklo im Juli 2026 eine Startup-Authorization des Energieministeriums. Groves-1 ist allerdings eine Zero-Power Critical Assembly mit maximal 100 Watt und damit kein Strom erzeugendes Aurora-Kraftwerk. Der Meilenstein zeigt vor allem Erfahrung bei Bau, Genehmigung und Inbetriebnahme einer nuklearen Versuchsanlage.
Ein Punkt verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Mehrere fortgeschrittene Reaktordesigns setzen auf HALEU, also Uran mit höherem Anreicherungsgrad. Die kommerzielle Versorgung damit gilt weiterhin als möglicher Engpass. Wer diese Aktien bewertet, sollte die Brennstofffrage deshalb genauso ernst nehmen wie die Reaktortechnik selbst.
NuScale gegen Oklo: zwei verschiedene Risikoprofile
Beide werden oft in einen Topf geworfen, weil sie vom selben Narrativ profitieren. Die Profile sind aber nicht identisch:
| Kriterium | NuScale Power | Oklo |
|---|---|---|
| Investmentcharakter | Klassischer SMR-Pure-Play | Advanced-Nuclear-Unternehmen mit Powerhouse-, Brennstoff- und weiteren Nuklearaktivitäten |
| Regulatorischer Stand | Standard Design Approval für das 77-MWe-Modul des US460-Designs | Keine standardisierte Designgenehmigung; laufende NRC-Pre-Application für Aurora bis 75 MWe, DOE-Meilensteine 2026 für Aurora-INL |
| Ansatz | Modulare Reaktoren für Versorger, Industrie und potenziell Rechenzentren | Aurora-Powerhouses und Mikroreaktoren; Vereinbarung mit Meta über bis zu 1,2 GW in Ohio |
| Hauptrisiko | Projektverzögerungen, Kosten, Nachfrage, Bewertung | Technologie, Genehmigung, Brennstoff, Finanzierung, Kommerzialisierung |
| Einordnung | Sehr spekulatives Zukunftsthema, regulatorisch weiter fortgeschritten | Sehr hohes Technologie-, Genehmigungs-, Brennstoff-, Finanzierungs- und Bewertungsrisiko |
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Die Tabelle vergleicht bewusst keine Kurse und keine Kursziele. Sie vergleicht das, was sich prüfen lässt: Reifegrad, Ansatz und die Art des Risikos.
Googles Atomstrategie 2026: neue Reaktoren und Bestandsanlagen
Google hat seine Energiebeschaffung zuletzt deutlich ausgeweitet und verfolgt dabei zwei nukleare Wege parallel. Der erste ist der, an den bei SMR-Aktien zuerst gedacht wird: Google hat mit dem kalifornischen Reaktorentwickler Kairos Power eine Vereinbarung über den Aufbau mehrerer Anlagen und den Bezug von insgesamt bis zu 500 Megawatt geschlossen. Die erste Anlage soll um 2030 Strom liefern, weitere bis 2035 folgen. Für die Hermes-2-Testreaktoranlage in Oak Ridge mit zwei Low-Power-Testreaktoren hat die NRC bereits Baugenehmigungen erteilt; die Genehmigung für den Betrieb steht noch aus.
Der zweite Weg führt zu bestehenden Kernkraftwerken – und dort lagen zuletzt die größeren Abschlüsse. Am 9. September 2026 schloss Google mit dem finnischen Versorger Fortum einen langfristigen Stromabnahmevertrag für das Kernkraftwerk Loviisa. Der Vertrag soll Fortum die wirtschaftliche Grundlage für Investitionen in den Weiterbetrieb bis 2050 und zusätzliche Leistungserhöhungen geben. Am 21. September 2026 folgte eine Vereinbarung mit Georgia Power aus dem Southern-Konzern: Google unterstützt Leistungserhöhungen an den Kernkraftwerken Vogtle und Hatch, die rund 96 Megawatt zusätzliche Kapazität bringen sollen – vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörde Georgia Public Service Commission. Dazu kommt die geplante Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Kraftwerks Duane Arnold in Iowa gemeinsam mit NextEra Energy, für die das US-Energieministerium einen Kredit über 1,9 Milliarden US-Dollar zugesagt hat; Strom soll dort 2029 fließen.
| Vorhaben | Partner | Größenordnung und Zeitpunkt | Was es für SMR-Anleger bedeutet |
|---|---|---|---|
| Vereinbarung über mehrere Kairos-Reaktoren und den Bezug von bis zu 500 MW | Kairos Power (nicht börsennotiert) | Mehrere Anlagen, erste um 2030, weitere bis 2035 | Der eigentliche SMR-Beleg – aber bei einem privaten Entwickler, nicht bei NuScale oder Oklo |
| Stromabnahmevertrag Loviisa | Fortum (Finnland) | Langfristiger Vertrag vom 9. September 2026, Grundlage für Weiterbetrieb bis 2050 | Bestehende Anlage statt Neubau – schneller verfügbar, aber ohne SMR-Bezug |
| Leistungserhöhung Vogtle und Hatch | Georgia Power, Southern Company | Rund 96 MW, Vereinbarung vom 21. September 2026, behördliche Zustimmung offen | Zusätzliche Kapazität aus bestehenden Anlagen, ohne einen neuen Reaktorstandort errichten zu müssen |
| Wiederinbetriebnahme Duane Arnold | NextEra Energy, US-Energieministerium | Kredit über 1,9 Milliarden US-Dollar, Strom ab 2029 geplant | Staatliche Unterstützung fließt auch in bestehende Standorte, nicht nur in neue Designs |
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Für die Bewertung von NuScale und Oklo ist dieser Doppelweg aufschlussreich. Einerseits zeigt die Kairos-Vereinbarung, dass ein Hyperscaler bereit ist, langfristig Strom aus neuen Reaktoranlagen zu beziehen. Solche langfristigen Abnahmevereinbarungen können die Finanzierung neuer Projekte erleichtern. Andererseits landeten die jüngsten Abschlüsse bei bestehenden Kraftwerken, weil dort Megawatt schneller und kalkulierbarer verfügbar sind. Solange die neuen US-SMR-Entwickler wie NuScale und Oklo noch kein kommerziell betriebenes Referenzkraftwerk vorweisen können, bleibt offen, wie viel von der Nachfrage tatsächlich bei diesen börsennotierten Entwicklern ankommt und wie viel bei Versorgern mit fertigen Anlagen.
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Wer sonst noch in diesem Feld auftaucht
Wer nach SMR-Aktien sucht, stößt schnell auf weitere Namen – die aber nicht alle börsennotiert sind. Diese Unterscheidung ist für Anleger entscheidend:
| Unternehmen | Was bekannt ist | Für Anleger |
|---|---|---|
| NuScale Power | Standard Design Approval für das US460-Design | Börsennotiert |
| Oklo | Fortgeschrittene Reaktorkonzepte, Mikroreaktoren | Börsennotiert |
| Kairos Power | Bauzulassungen für Hermes 2; Vereinbarung mit Google über mehrere Anlagen und bis zu 500 MW, erste um 2030 | Nicht börsennotiert |
| X-energy | Amazon hat 500 Millionen US-Dollar investiert und unterstützt mit Energy Northwest ein geplantes Projekt mit 320 MW, erweiterbar auf 960 MW | Nicht börsennotiert |
| Constellation | Langfristiger Stromvertrag mit Microsoft zur Wiederinbetriebnahme eines bestehenden Kernkraftblocks | Börsennotiert, aber kein SMR-Projekt |
| Southern Company | Über Georgia Power Vereinbarung mit Google zu Leistungserhöhungen an Vogtle und Hatch | Börsennotiert, aber kein SMR-Projekt |
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Bemerkenswert: Einige der konkretesten Projekte liegen bei nicht börsennotierten Entwicklern. Bei Kairos besteht bereits eine Vereinbarung mit Google; Amazon wiederum hat 500 Millionen US-Dollar in X-energy investiert und unterstützt gemeinsam mit Energy Northwest ein geplantes SMR-Projekt. Wer diese Entwicklung mitnehmen will, landet deshalb bei den gelisteten Anbietern oder beim breiteren Sektor.
Uran und Kernkraft 2026 – wer den Sektor breiter abbilden will als über zwei Einzelwerte, findet dort Atomkraft-Aktien und Kernenergie-Aktien im Überblick: Brennstoff, Versorger und ETFs. Die Brennstoffseite folgt dabei Rohstoffzyklen statt Projektfortschritten.
Ein typischer Fehler: die These mit der Aktie verwechseln
Bei Zukunftsthemen passiert immer wieder derselbe Fehler: Jemand erkennt einen echten Megatrend und kauft dann irgendeine Aktie, die gut zur Geschichte passt. Der KI-Strombedarf kann real sein, kleine Atomreaktoren technologisch interessant und Kernenergie politisch wieder gefragt – und trotzdem kann eine konkrete Aktie überbewertet, schlecht finanziert oder operativ zu schwach sein.
- Ein Zukunftsmarkt ist nicht automatisch ein gutes Investment.
- Eine gute Technologie ist nicht automatisch ein gutes Geschäftsmodell.
- Ein steigender Strombedarf ist nicht automatisch ein Gewinn für jeden Anbieter.
- Ein Großauftrag kann bei einem nicht börsennotierten Entwickler landen, nicht bei den gelisteten Namen.
- Politischer Rückenwind kann durch neue Regulierung oder Regierungswechsel verschwinden.
- Eine Aktie kann trotz richtiger These fallen, wenn der Einstiegspreis zu hoch war.
Revolution oder Blase – dieselbe Frage stellt sich für den gesamten KI-Ausbau, nicht nur für die Energieseite. Auf der einen Seite stehen reale Umsätze und ausgebuchte Fertigungskapazitäten, auf der anderen hohe Bewertungen und die Erfahrung, dass Infrastruktur-Booms selten geradlinig verlaufen.
Welche Risiken besonders ernst zu nehmen sind
Bei börsennotierten Nuklear- und SMR-Unternehmen geht es nicht um normale Marktschwankungen, sondern um fundamentale Projektrisiken:
| Risiko | Worum es geht |
|---|---|
| Regulierung | Ohne Genehmigungen gibt es keine Umsetzung. Verzögerungen können Jahre dauern und Kapital verbrennen. |
| Finanzierung | Junge Nuklearunternehmen brauchen viel Kapital. Kapitalerhöhungen können bestehende Aktionäre stark verwässern. |
| Kommerzialisierung | Ein Konzept, ein Prototyp oder eine Partnerschaft ist noch kein profitables Seriengeschäft. |
| Wettbewerb um Abnehmer | Hyperscaler können ihren Bedarf auch über Bestandskraftwerke decken – schneller und kalkulierbarer als mit neuen Designs. |
| Brennstoff | Fortgeschrittene Konzepte können HALEU benötigen. Versorgung, Kosten und Geopolitik sind zentrale Risiken. |
| Baukosten | Energieprojekte sind anfällig für Verzögerungen und Kostenüberschreitungen. |
| Bewertung | Preist die Börse bereits eine reibungslose Zukunft ein, genügt eine kleine Enttäuschung für große Kursverluste. |
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Warum das Thema trotzdem auf die Beobachtungsliste gehört
Trotz aller Risiken ist das Thema nicht nur heiße Luft. KI-Rechenzentren brauchen Strom, Netzanschlüsse werden knapper, große Technologieunternehmen suchen nach langfristig planbarer Energie. Gleichzeitig wollen viele Staaten Versorgungssicherheit und klimaarme Stromerzeugung verbinden.
Der sauberere Weg ist deshalb nicht der Kauf aus Angst, etwas zu verpassen, sondern Beobachtung und ein harter Blick auf Meilensteine:
- Genehmigungsfortschritt. Welche Unternehmen erhalten tatsächlich behördliche Freigaben – und für welche Stufe?
- Verträge statt Absichten. Gibt es verbindliche Stromabnahmeverträge oder nur unverbindliche Erklärungen?
- Wer den Auftrag bekommt. Landen Bestellungen der Hyperscaler bei börsennotierten Entwicklern oder bei privaten Firmen und Bestandsbetreibern?
- Cashburn. Wie viel Geld verbrennt das Unternehmen, und wie oft müssen neue Aktien ausgegeben werden?
- Brennstoff. Wer hat eine realistische Versorgung, gerade bei HALEU-abhängigen Konzepten?
- Baufortschritt. Welche Projekte kommen tatsächlich in Bau oder Betrieb?
- Kundenstruktur. Welche Rolle spielen Rechenzentren als konkrete Abnehmer – und ab wann?
Fazit: spannend ja, sicher nein
NuScale, Oklo und andere Unternehmen aus diesem Bereich stehen an der Schnittstelle mehrerer Zukunftsthemen: künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Energieversorgung, Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit. Das macht den Bereich interessant – aber nicht sicher.
Im Gegenteil: Je größer die Vision, desto härter gehört geprüft, ob das einzelne Unternehmen sie auch finanzieren, genehmigen, bauen und profitabel betreiben kann. Dass Google zuletzt mehrere Vereinbarungen rund um bestehende Kernkraftwerke abgeschlossen hat, zeigt zudem: Die Nachfrage nach Strom ist real, landet aber nicht automatisch bei den börsennotierten SMR-Entwicklern. Die These „KI braucht Strom“ ist stark. Die Schlussfolgerung „jede SMR-Aktie ist ein Kauf“ wäre es nicht.
In KI-Aktien investieren
Der Strombedarf ist eine Folge des KI-Ausbaus – verdient wird entlang der ganzen Kette, von den Chips bis zur Energieversorgung. Nvidia, Microsoft und viele weitere KI-Werte sind über Broker handelbar; welche Titel tatsächlich verfügbar sind, hängt vom Anbieter und Handelsplatz ab. Unser Überblick zeigt die unterschiedlichen Wege und worauf du bei US- und Auslandswerten achten solltest.
KI-Aktien kaufen – hier geht es weiter Ratgeber auf alarm.deWelcher Broker zu dir passt – NuScale und Oklo notieren in den USA. Ob ein konkreter Titel über ein deutsches Depot verfügbar ist, hängt vom Anbieter und vom Handelsplatz ab. Der Beitrag erklärt, worauf es bei der Auswahl ankommt und was der Handel kostet.
Die größten KI-Unternehmen nach Börsenwert – wer den Trend breiter abbilden will als über zwei Reaktorentwickler, findet dort die Rangliste samt Einordnung nach sechs Geschäftstypen.
KI-Aktien 2026 – dort stehen die vier Ebenen der Wertschöpfungskette, eine Auswahl thematischer ETFs und die vier Zahlen, an denen sich ein Themen-ETF prüfen lässt.
Erneuerbare Energien 2026 – Kernkraft ist nicht die einzige Antwort auf den Strombedarf. Sonne, Wind, Speicher und Netzausbau konkurrieren um dieselbe Aufgabe, und einige dieser Optionen sind heute schon verfügbar.
Glossar und häufige Fragen
Pure Play
Ein Unternehmen, dessen Geschäft fast vollständig aus einem Thema besteht. Das erhöht die Hebelwirkung in beide Richtungen: Geht die These auf, wirkt sie voll; geht sie nicht auf, gibt es kein zweites Standbein.
Standard Design Approval
Die Freigabe einer Reaktorauslegung durch die US-Aufsichtsbehörde NRC. Sie bescheinigt, dass ein Design den Anforderungen genügt – sie ist keine Baugenehmigung für einen konkreten Standort und kein Nachweis der Wirtschaftlichkeit.
Mikroreaktor
Bauform unterhalb der klassischen SMR-Größe, oft im Bereich weniger Megawatt. Gedacht für einzelne Standorte, abgelegene Anlagen oder als Ergänzung zur Netzversorgung.
Uprate
Leistungserhöhung an einer bestehenden Anlage, etwa durch modernisierte Turbinen oder andere technische Maßnahmen. Dadurch kann zusätzliche Kernkraftleistung häufig schneller bereitgestellt werden als durch einen vollständigen Neubau.
HALEU
Uran mit höherem Anreicherungsgrad als klassischer Reaktorbrennstoff. Mehrere fortgeschrittene Reaktordesigns setzen darauf; die kommerzielle Versorgung gilt weiterhin als möglicher Engpass.
Cashburn
Der Betrag, den ein Unternehmen pro Zeitraum mehr ausgibt, als es einnimmt. Bei Entwicklern ohne Umsatz bestimmt er, wie lange das vorhandene Kapital reicht – und wann die nächste Kapitalerhöhung ansteht.
Verwässerung
Gibt ein Unternehmen neue Aktien aus, sinkt der Anteil der bisherigen Aktionäre. Bei kapitalintensiven Projekten mit langen Vorlaufzeiten ist das eines der zentralen Risiken.
Stromabnahmevertrag (PPA)
Ein langfristiger Vertrag über die Abnahme von Strom zu vereinbarten Konditionen. Er ist die Grundlage der Projektfinanzierung – und der harte Gegensatz zur unverbindlichen Absichtserklärung.
Was macht NuScale Power?
NuScale ist eines der bekanntesten börsennotierten Unternehmen im Bereich Small Modular Reactors und verfolgt den klassischen SMR-Ansatz: kleinere modulare Reaktoren für Versorger, Industrie und potenziell Rechenzentren. Für das 77-MWe-Modul des US460-Designs liegt die Standard Design Approval der US-Aufsichtsbehörde NRC vor; sechs Module ergeben rechnerisch 462 MWe.
Was ist der Unterschied zwischen NuScale und Oklo?
NuScale hat für das US460-Design bereits eine genehmigte Standardauslegung. Oklo verfolgt mit den Aurora-Powerhouses einen anderen Weg: Dort laufen NRC-Pre-Application-Aktivitäten für bis zu 75 MWe, und seit Januar 2026 besteht eine Vereinbarung mit Meta über einen geplanten Campus mit bis zu 1,2 Gigawatt in Ohio. Beide tragen sehr hohe Technologie-, Genehmigungs-, Brennstoff-, Finanzierungs- und Bewertungsrisiken.
Mit welchem SMR-Unternehmen hat Google eine Vereinbarung?
Google hat mit Kairos Power eine Vereinbarung über mehrere Reaktoranlagen und den Bezug von insgesamt bis zu 500 MW geschlossen. Die erste Anlage soll um 2030 Strom liefern, weitere sollen bis 2035 folgen. Kairos Power ist nicht börsennotiert; eine Bestellung oder Beteiligung bei NuScale oder Oklo ist damit nicht verbunden.
Warum setzt Google zuletzt auf bestehende Kernkraftwerke?
Weil dort Megawatt schneller und kalkulierbarer verfügbar sind. Am 9. September 2026 schloss Google mit Fortum einen langfristigen Stromabnahmevertrag für das finnische Kraftwerk Loviisa, am 21. September 2026 mit Georgia Power Leistungserhöhungen an Vogtle und Hatch über rund 96 Megawatt. Dazu kommt die geplante Wiederinbetriebnahme von Duane Arnold in Iowa gemeinsam mit NextEra Energy.
Sind NuScale- oder Oklo-Aktien eine gute Geldanlage?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten und ist keine Anlageberatung. Beide Unternehmen hängen an Genehmigungen, Kapitalbedarf, Bauzeiten und Brennstoffversorgung. Für die Reaktordesigns von NuScale und Oklo ist ein wirtschaftlicher kommerzieller Serienbetrieb bislang nicht nachgewiesen; bei Einzelwerten dieser Art ist ein Totalverlust möglich.
Was bedeutet eine Standard Design Approval genau?
Sie bescheinigt, dass eine Reaktorauslegung den Anforderungen der Behörde genügt. Sie ist damit ein wichtiger Meilenstein – aber weder eine Baugenehmigung für einen konkreten Standort noch ein Nachweis, dass sich der Bau wirtschaftlich rechnet.
Welche SMR-Aktien gibt es noch?
Neben NuScale und Oklo werden in diesem Umfeld unter anderem Kairos Power und X-energy genannt; beide sind allerdings nicht börsennotiert. Wer den Sektor breiter abbilden will, findet Versorger, Uran- und Brennstoffunternehmen sowie Komponentenhersteller – sie hängen am selben Trend, folgen aber anderer Logik.
Kaufen Rechenzentren wirklich Strom aus kleinen Reaktoren?
Vereinbarungen gibt es: Google hat mit Kairos Power den Bezug von bis zu 500 Megawatt vereinbart, Amazon hat 500 Millionen US-Dollar in X-energy investiert. Beide Vorhaben liegen jedoch Jahre in der Zukunft. Die Verträge von Microsoft mit Constellation und von Google mit Fortum und Georgia Power betreffen dagegen bestehende Kernkraftwerke – ausdrücklich keine SMR-Projekte.
Warum schwanken diese Aktien so stark?
Weil ihr Wert fast vollständig auf Erwartungen beruht. Es gibt kaum laufende Umsätze, an denen sich die Bewertung festmachen ließe. Jede Meldung zu Genehmigungen, Finanzierung oder Zeitplänen verschiebt deshalb die gesamte Einschätzung.
Welcher typische Fehler passiert bei diesem Thema?
Die These mit der Aktie zu verwechseln. Der KI-Strombedarf kann real sein, die Technologie interessant und der politische Rückenwind vorhanden – und eine konkrete Aktie trotzdem überbewertet, schlecht finanziert oder operativ zu schwach.
Woran erkenne ich echten Fortschritt?
An überprüfbaren Meilensteinen statt an Ankündigungen: erteilte Genehmigungen, verbindliche Stromabnahmeverträge mit zahlungsfähigen Kunden, gesicherte Brennstoffversorgung, ein Kapitalbedarf ohne ständige neue Aktienausgaben und Projekte, die tatsächlich in Bau gehen.
Wann könnten diese Unternehmen Geld verdienen?
Ein belastbares Datum für nachhaltige Profitabilität gibt es bei keinem der beiden Unternehmen. Entscheidend sind verbindliche Projekte, Genehmigungen, Baufortschritt, Kosten und Kapitalbedarf. Dass einzelne neue US-SMR-Projekte in den kommenden Jahren in Betrieb gehen könnten, bedeutet nicht automatisch, dass NuScale oder Oklo zu diesem Zeitpunkt nachhaltig profitabel arbeiten.
Gibt es ETFs auf dieses Thema?
Es existieren Uran- und Kernenergie-ETFs, die Teile des Sektors bündeln. Sie enthalten in der Regel überwiegend etablierte Versorger und Bergbauunternehmen, nicht vorwiegend SMR-Entwickler. Die genaue Zusammensetzung steht im Factsheet.
Wo kann ich NuScale- oder Oklo-Aktien handeln?
Beide notieren in den USA. Ob ein konkreter Titel über ein deutsches Depot verfügbar ist, hängt vom Broker und vom Handelsplatz ab. Prüfe die Verfügbarkeit immer direkt beim Anbieter.
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Stand: September 2026. Technologische, regulatorische und politische Entwicklungen können sich kurzfristig ändern.