OpenAI führt „Erweiterte Kontosicherheit“ ein: Was der neue Schutzmodus für ChatGPT und Codex bringt
Der Moment, in dem ein KI-Konto zum Ziel wird, sieht harmlos aus: eine Anmeldeseite, die aussieht wie die echte, ein Code, den man weitergibt, weil der Support angeblich hilft. Was danach offensteht, sind nicht nur Chats, sondern Monate an beruflichem und privatem Kontext.
OpenAI hat eine optionale, besonders strenge Schutzebene für ChatGPT- und Codex-Konten vorgestellt: die „Erweiterte Kontosicherheit“ (Advanced Account Security). Sie richtet sich an Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, gezielt angegriffen zu werden – ersetzt Passwörter durch Passkeys oder Hardware-Schlüssel, entfernt schwache Wiederherstellungswege und verkürzt Sitzungen. Der Schritt zeigt, dass OpenAI für besonders schützenswerte KI-Konten Sicherheitsmechanismen bündelt, die gezielte Kontoübernahmen und Phishing deutlich erschweren sollen. Und die Funktion eignet sich gut, um zu verstehen, wie moderner, phishing-resistenter Kontoschutz funktioniert.
Kurz beantwortet: Die neue OpenAI Kontosicherheit heißt offiziell „Erweiterte Kontosicherheit“ (Advanced Account Security). Sie ist eine optionale Einstellung für berechtigte persönliche ChatGPT-Konten und verlangt nach der Aktivierung mindestens zwei sichere Anmeldemethoden aus Passkeys und/oder FIDO-kompatiblen Sicherheitsschlüsseln. Passwort-Login sowie Anmeldecodes per E-Mail und SMS werden deaktiviert, die E-Mail-Wiederherstellung entfällt, Sitzungen werden verkürzt und Konversationen werden während der Aktivierung nicht zum Training von OpenAI-Modellen verwendet. Der Schutz gilt auch für Codex, wenn es über denselben Login genutzt wird.
Stand: 23. August 2026. Verfügbarkeit und Kontosicherheitsfunktionen können sich ändern.
- Das Wichtigste in Kürze
- OpenAI Kontosicherheit: Was sich ändert
- Warum KI-Konten zum Ziel werden
- Die vier Anmeldeverfahren im Vergleich
- Die wichtigsten Schutzbausteine
- Der Haken: mehr Eigenverantwortung
- In sechs Schritten einrichten
- So fühlt sich der Alltag damit an
- Begriffe kurz erklärt
- Was du daraus mitnehmen kannst
- Häufige Fragen
Das Wichtigste in Kürze
- Was: Eine optionale Schutzebene für ChatGPT- und Codex-Konten, aktivierbar im Sicherheitsbereich des Kontos.
- Für wen: Empfohlen u. a. für Journalisten, Amtsträger, Dissidenten, Forschende und alle besonders Sicherheitsbewussten.
- Kern: Anmeldung nur per Passkey oder Hardware-Sicherheitsschlüssel, kein Passwort; keine Wiederherstellung mehr per SMS oder E-Mail.
- Mehr: Kürzere Sitzungen, Login-Warnungen, Sitzungsübersicht – und Chats werden standardmäßig vom KI-Training ausgenommen.
- Der Haken: Die Wiederherstellung ist stark eingeschränkt. Der OpenAI-Support kann zwar verfügbare Optionen erklären, aber während aktivierter Erweiterter Kontosicherheit weder das Passwort zurücksetzen noch die Schutzfunktion entfernen oder Anmeldemethoden hinzufügen beziehungsweise löschen.
OpenAI Kontosicherheit: Was sich konkret ändert
Die „Erweiterte Kontosicherheit“ ist eine Opt-in-Einstellung, die OpenAI Ende April 2026 vorgestellt hat. Sie bündelt mehrere verschärfte Schutzmaßnahmen an einer Stelle und wird am persönlichen ChatGPT-Konto aktiviert; der Schutz gilt anschließend auch für Codex, sofern Codex über denselben Login genutzt wird. Aktuell ist die Funktion für berechtigte persönliche ChatGPT-Konten in unterstützten Regionen verfügbar. Enterprise-verwaltete Konten und Konten auf verifizierten beziehungsweise beanspruchten Unternehmensdomains sind ausgeschlossen; bei Workspace-Konten kann die Verfügbarkeit von der jeweiligen Konfiguration abhängen. Erscheint der Punkt unter Einstellungen → Sicherheit nicht, ist die Funktion für das betreffende Konto derzeit nicht verfügbar. Begründung: Ein KI-Konto sammelt mit der Zeit sensiblen persönlichen und beruflichen Kontext an und steht oft im Zentrum vernetzter Werkzeuge und Abläufe. Für bestimmte Gruppen – Journalisten, gewählte Amtsträger, politische Dissidenten, Forschende, Sicherheitsfachleute – ist das Risiko gezielter Angriffe besonders hoch. OpenAI kooperiert außerdem mit Yubico und bietet berechtigten Nutzern unter anderem im EWR bevorzugte Konditionen für ein optionales YubiKey-Paket an. Ein YubiKey ist für die Funktion jedoch nicht vorgeschrieben: Auch andere FIDO-kompatible Sicherheitsschlüssel und geeignete softwarebasierte Passkeys werden unterstützt. Für einzelne Mitglieder von OpenAIs Trusted Access for Cyber, die auf besonders leistungsfähige und freizügige Cyber-Modelle zugreifen, ist Erweiterte Kontosicherheit seit dem 1. Juni 2026 verpflichtend. Organisationen mit Trusted Access können alternativ phishing-resistente Authentifizierung über ihren Single-Sign-on-Workflow nachweisen.
Passkey & Hardware-Sicherheitsschlüssel
Ein Passkey ist ein kryptografischer Anmeldenachweis, der auf einem Gerät beziehungsweise in einem geeigneten Passkey-System gespeichert wird und die Passworteingabe ersetzen kann. Je nach Anbieter kann ein Passkey lokal bleiben oder sicher zwischen Geräten verfügbar gemacht werden. Ein Hardware-Sicherheitsschlüssel speichert den kryptografischen Nachweis auf einem separaten physischen Gerät. Beide gelten als „phishing-resistent“, weil sie sich nicht durch eine gefälschte Login-Seite abgreifen lassen.
Warum KI-Konten zu lohnenden Zielen geworden sind
Ein E-Mail-Postfach verrät, mit wem jemand spricht. Ein KI-Konto verrät, woran jemand arbeitet – oft über Monate und in einer Ausführlichkeit, die kein anderer Dienst erreicht.
Der gesammelte Kontext. Verlaufsdaten, hochgeladene Dokumente, Entwürfe, interne Zahlen, Codefragmente. Was zur besseren Antwort beitragen soll, ergibt zusammen ein Profil der eigenen Arbeit.
Die Anbindung an andere Werkzeuge. Je mehr Verbindungen ein Konto hat, desto mehr steht mit ihm offen. Ein übernommenes Konto ist dann nicht nur ein Chatverlauf, sondern ein Zugang.
Die Glaubwürdigkeit nach außen. Wer ein fremdes Konto kontrolliert, kann in dessen Namen schreiben. Bei Journalisten oder Amtsträgern ist das ein eigener Schaden, unabhängig von den Daten.
Der eigentliche Punkt
Nicht das Modell ist das Ziel, sondern der Kontext. Genau deshalb führt OpenAI für besonders schützenswerte Konten strengere Anmelde- und Wiederherstellungsmechanismen ein – und deshalb lohnt sich der Blick auf diese Bausteine auch über ChatGPT hinaus.
Die vier Anmeldeverfahren im Vergleich
Der Unterschied zwischen den Verfahren liegt nicht im Komfort, sondern in der Frage, was ein Angreifer damit anfangen kann, wenn er es abgreift.
Der Sprung liegt zwischen den ersten drei und dem vierten Verfahren. Alles, was sich eintippen lässt, lässt sich auch auf einer falschen Seite eintippen. Genau diese Lücke schließt der Schlüssel.
Die wichtigsten Schutzbausteine
Die Funktion bündelt mehrere Schutzmechanismen. Bei der Anmeldung: Passwörter werden deaktiviert; der Login funktioniert nur noch per Passkey oder physischem Schlüssel – damit laufen klassische Phishing-Seiten ins Leere. Bei der Wiederherstellung: Die anfälligen Wege über SMS und E-Mail entfallen, denn genau diese nutzen Angreifer, wenn sie Telefonnummer oder Postfach kapern. Stattdessen sind nur noch vom Nutzer selbst gehaltene Ersatz-Schlüssel und Wiederherstellungsschlüssel möglich. Bei den Sitzungen: Sie werden verkürzt, sodass man sich öfter neu anmelden muss – das begrenzt den Schaden, wenn ein Gerät oder eine aktive Sitzung kompromittiert wird. Bei der Transparenz: Es gibt Warnungen bei Anmeldungen und eine Übersicht aktiver ChatGPT- und Codex-Sitzungen. Als eigener Datenschutzaspekt kommt hinzu: Solange Erweiterte Kontosicherheit aktiviert ist, werden die Konversationen des Kontos außerdem nicht zum Training von OpenAI-Modellen verwendet.
Der Haken: mehr Sicherheit, mehr Eigenverantwortung
Die strengere Wiederherstellung ist die Kehrseite des Schutzes. Der OpenAI-Support kann zwar erklären, welche Wiederherstellungsoptionen noch verfügbar sind, darf während aktivierter Erweiterter Kontosicherheit jedoch nicht einfach das Passwort zurücksetzen, die Schutzfunktion entfernen oder Anmeldemethoden hinzufügen beziehungsweise löschen, um den normalen Zugang wiederherzustellen. Wer alle registrierten Anmeldemethoden und Wiederherstellungsschlüssel verliert, kann deshalb dauerhaft den Zugriff auf das Konto verlieren. Dieses Prinzip kennt man aus der Welt der Kryptowährungen: Wer die Schlüssel selbst hält, ist allein verantwortlich – niemand kann sie zurücksetzen. Mehr zu diesem „du hältst die Schlüssel selbst“-Gedanken findest du in unserem Krypto-Bereich. Die Lehre ist in beiden Welten dieselbe: Sichere deine Ersatz-Schlüssel sorgfältig, mehrfach und getrennt.
Warum das auch ohne ChatGPT relevant ist
Die Bausteine dieses Schutzmodus sind keine OpenAI-Besonderheit, sondern bewährte Sicherheits-Standards. Phishing-resistente Schlüssel, der Verzicht auf SMS-Wiederherstellung und regelmäßige Sitzungskontrolle schützen jedes wertvolle Konto.
Weitere praktische Anleitungen dazu findest du laufend in unserem Sicherheits-Bereich.
In sechs Schritten einrichten
Die Aktivierung dauert wenige Minuten. Entscheidend ist, dass mindestens zwei sichere Anmeldemethoden registriert und die Wiederherstellungsschlüssel gesichert sind, bevor der Passwort-Login abgeschaltet wird.
- Einstellungen öffnen. In ChatGPT unter Einstellungen → Sicherheit → Erweiterte Kontosicherheit die Aktivierung starten.
- Mindestens zwei sichere Anmeldemethoden hinzufügen. Das können Passkeys, FIDO-kompatible Sicherheitsschlüssel oder eine Kombination daraus sein. Mindestens eine Methode muss geräteübergreifend funktionieren.
- Wiederherstellungsschlüssel sichern. Die während der Einrichtung ausgegebenen Wiederherstellungsschlüssel sicher und getrennt speichern. Jeder Schlüssel kann nur einmal verwendet werden.
- Aktivierung abschließen. Bestätige, dass die Wiederherstellungsschlüssel gespeichert wurden, und schließe die Einrichtung ab.
- Neu anmelden. Nach der ersten Einrichtung meldet OpenAI dich von allen Geräten ab. Melde dich anschließend mit einem registrierten Passkey oder Sicherheitsschlüssel erneut an.
- Ersatzweg und Sitzungen prüfen. Teste mindestens eine alternative registrierte Anmeldemethode und kontrolliere anschließend unter Sicherheit → Aktive Sitzungen, welche Geräte angemeldet sind.
So fühlt sich der Alltag damit an
Die Sorge vor zusätzlichem Aufwand hält viele von phishing-resistenten Verfahren ab. In der Praxis verschiebt sich der Aufwand vor allem nach vorn.
Beim Anmelden steckst du den Schlüssel an oder bestätigst per Passkey. Das ist meist schneller als ein Passwort samt Code aus einer App, weil nichts abgetippt wird.
Etwas häufiger als bisher wirst du zur Anmeldung aufgefordert, weil die Sitzungen kürzer laufen. Das ist der spürbarste Unterschied im Alltag.
Wenn eine gefälschte Anmeldeseite auftaucht, kann ein korrekt implementierter Passkey oder FIDO-Sicherheitsschlüssel nicht für die Anmeldung beim legitimen OpenAI-Dienst verwendet werden, weil die kryptografische Anmeldung an die richtige Website gebunden ist. Andere Daten solltest du einer Phishing-Seite natürlich trotzdem nicht anvertrauen.
Und wenn jemand deine Telefonnummer übernimmt, eröffnet ihm das während aktivierter Erweiterter Kontosicherheit keinen SMS-Anmelde- oder SMS-Wiederherstellungsweg mehr, weil diese schwächeren Verfahren deaktiviert sind.
Begriffe kurz erklärt
Was du daraus mitnehmen kannst
- Passkeys & Hardware-Schlüssel nutzen: Wo ein Dienst FIDO-basierte Anmeldung unterstützt, gehören Passkeys und kompatible Sicherheitsschlüssel zu den stärksten phishing-resistenten Anmeldeverfahren.
- SMS-2FA möglichst ersetzen: Codes per SMS sind anfällig für SIM-Swapping; App- oder schlüsselbasierte Verfahren sind sicherer.
- Wiederherstellungswege absichern: Prüfe, ob ein kompromittiertes Postfach oder eine Nummer dein Konto öffnen könnte – und schließe diese Lücke.
- Sitzungen kontrollieren: Sieh regelmäßig nach aktiven Anmeldungen und melde unbekannte Geräte ab.
- Ersatz-Schlüssel sichern: Bewahre Backup-Schlüssel und Wiederherstellungsschlüssel mehrfach und an getrennten, geschützten Orten auf.
- Wertvolle Konten wie Vermögenswerte behandeln: Ein KI-, Mail- oder Cloud-Konto bündelt heute oft mehr Sensibles als gedacht.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist die „Erweiterte Kontosicherheit“ von OpenAI?
Für wen ist die Funktion gedacht?
Was passiert, wenn ich meine Schlüssel verliere?
Warum sind Passkeys und Hardware-Schlüssel sicherer als Passwörter?
Gilt das auch für meine Codex-Nutzung?
Brauche ich wirklich zwei Sicherheitsschlüssel?
Funktioniert ein Passkey auch auf mehreren Geräten?
Was ist der Unterschied zu meiner Authenticator-App?
Sollte ich die Funktion aktivieren, wenn ich kein besonderes Risiko habe?
Was passiert mit meinen bestehenden Chats?
Kann ich die Funktion wieder abschalten?
Der Kern des neuen Schutzmodus, in der Breite erklärt: wie Passkeys funktionieren, warum sie Phishing aushebeln und wo sie heute schon verfügbar sind. Der passende Einstieg, bevor du bei einem einzelnen Dienst die strengste Stufe aktivierst.
Wenn du für die OpenAI Kontosicherheit einen oder mehrere Hardware-Sicherheitsschlüssel einsetzen möchtest, stellt sich die Frage nach dem passenden Modell. Dieser Ratgeber erklärt Anschluss, NFC, Backup-Strategie und worauf es beim Kauf ankommt.
Bei Diensten ohne phishing-resistente Anmeldung ist eine Authenticator-App häufig eine deutlich bessere Alternative zu SMS-Codes. Die Anleitung zeigt Einrichtung, Wiederherstellung und die Grenzen gegenüber FIDO-basierten Verfahren.
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Quellenstand: OpenAI – Ankündigung „Introducing Advanced Account Security“ vom 30. April 2026; aktuelles OpenAI Help Center zu Advanced Account Security und Passkeys; ergänzend Wired, SecurityWeek und Help Net Security. Angaben ohne Gewähr; Informationsstand: August 2026.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zur IT-Sicherheit und stellt keine Rechtsberatung dar.