Romance- und Anlagebetrug mit Krypto – wie aus Vertrauen ein Totalverlust wird
Bild: KI-generiert
Geschrieben von Michael Radtke · Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2026

Romance- und Anlagebetrug mit Krypto – wie aus Vertrauen ein Totalverlust wird

Es ist einer der teuersten Betrugstypen überhaupt – und einer der heimtückischsten, weil er nicht mit Druck arbeitet, sondern mit Zuneigung. Über Wochen baut eine vermeintliche Bekanntschaft Vertrauen auf, ehe es überhaupt um Geld geht. Wenn es so weit ist, hält das Opfer den Täter längst für einen Freund oder Partner.

Kurz erklärt

Beim Romance- und Anlagebetrug bauen Täter über Dating-Apps oder Messenger eine Beziehung auf und locken das Opfer dann in eine gefälschte Krypto-Investment-Plattform mit erfundenen Gewinnen – so lange, bis es sein ganzes Geld eingezahlt hat. Die Auszahlung scheitert immer. Die Faustregel: Wer dich online kennenlernt und dich anschließend zu einem Krypto-Investment bringt, betrügt dich.

Anders als beim plumpen „Sende 1 Bitcoin, bekomme 2 zurück" wirkt hier nichts überstürzt. Genau das macht die Masche so gefährlich: Sie nimmt sich Zeit, wirkt durchweg seriös und individuell – und endet trotzdem fast immer im vollständigen Verlust. Dieser Beitrag zeigt den typischen Ablauf, die Warnsignale und das richtige Verhalten im Ernstfall.

So läuft der Betrug ab

Der Betrug folgt fast immer denselben Phasen: Kontakt, Vertrauen, Investment-Idee, scheinbare Gewinne, Aufstockung – und schließlich die blockierte Auszahlung. Jede Phase ist darauf ausgelegt, die nächste glaubwürdig zu machen.

PhaseWas passiertZiel des Täters
KontaktEine attraktive, freundliche Person meldet sich – über eine Dating-App, sozial, per „falsch verbundener" Nachricht.Einen unverdächtigen Einstieg schaffen.
VertrauenTägliche, warme Gespräche über Wochen. Es geht zunächst gar nicht um Geld.Eine echte emotionale Bindung aufbauen.
Investment-IdeeBeiläufig erzählt die Person von ihren Krypto-Gewinnen und bietet an, dir zu helfen.Das Thema Geld als Freundschaftsdienst einführen.
Scheinbare GewinneAuf einer gefälschten Plattform steigt dein „Guthaben" sichtbar. Eine erste kleine Auszahlung klappt sogar.Beweisen, dass alles echt ist.
AufstockungDu zahlst mehr ein, oft auch geliehenes Geld, um die „Chance" zu nutzen.So viel wie möglich abschöpfen.
BlockadeDie Auszahlung wird gesperrt; es werden Steuern oder Gebühren verlangt, dann bricht der Kontakt ab.Den letzten Rest holen und verschwinden.

Die einzelne kleine Auszahlung in der vierten Phase ist der psychologische Dreh- und Angelpunkt: Sie scheint zu beweisen, dass die Plattform funktioniert – und nimmt dem Opfer den letzten Zweifel, bevor es richtig viel Geld nachschiebt. In Wahrheit ist sie nur ein Köder, finanziert aus den eigenen Einzahlungen.

Die Warnsignale

Das stärkste Warnsignal ist die Kombination aus einer Online-Bekanntschaft und einem Krypto-Investment-Tipp. Treffen beide zusammen, ist das Risiko sehr hoch – unabhängig davon, wie sympathisch und glaubwürdig die Person wirkt.

  • Eine online kennengelernte Person bringt dich nach einiger Zeit auf Krypto-Investments oder eine bestimmte Plattform.
  • Die Plattform oder App ist nur über einen von der Person geschickten Link erreichbar und wirkt professionell, ist aber nirgends unabhängig bekannt.
  • Deine angezeigten Gewinne sind ungewöhnlich hoch und steigen stetig – fast zu schön, um wahr zu sein.
  • Für eine Auszahlung sollst du plötzlich Steuern, Gebühren oder eine „Freischaltung" vorab bezahlen.
  • Es entsteht sanfter Druck, mehr einzuzahlen, die Gelegenheit nicht zu verpassen – verpackt als Fürsorge.
  • Ein persönliches Treffen oder ein Video-Telefonat wird mit wechselnden Ausreden vermieden.

Diese Masche ist eine der ausgefeiltesten unter den verbreiteten Krypto-Betrugsmaschen, weil sie nicht auf einen schnellen Klick zielt, sondern auf eine über Wochen gewachsene Beziehung. Genau deshalb greifen einfache „Sei misstrauisch"-Reflexe hier oft nicht.

So schützt du dich

Trenne Beziehung und Geld strikt: Investiere niemals auf Empfehlung einer Person, die du nur online kennst – egal wie eng der Kontakt wirkt. Diese eine Grenze verhindert den Großteil dieser Verluste.

  • Keine Investments aus Online-Bekanntschaften. Sobald jemand, den du nur digital kennst, dich zu Krypto bringt, ist die Beziehung das Werkzeug – nicht der Zufall.
  • Plattformen unabhängig prüfen. Verlass dich nie auf einen zugeschickten Link. Eine seriöse Plattform existiert auch außerhalb eurer Chats und ist überprüfbar.
  • Angezeigte Gewinne sind keine echten Gewinne. Eine Zahl auf einer fremden, gefälschten Oberfläche bedeutet nichts. Erst eine vollständige, unbeschränkte Auszahlung wäre real – und genau die kommt nie.
  • Niemals für eine Auszahlung zahlen. Echte Auszahlungen verlangen keine vorab gesendete Steuer oder Gebühr. Diese Forderung ist der Moment, das Geld endgültig abzuschreiben – nicht nachzuschieben.
  • Schnelles Vertrauen plus Geldthema = Misstrauen. Wenn aus großer Nähe in kurzer Zeit ein finanzieller Vorschlag wird, ist das ein Muster, kein Zufall.
Die kürzeste Prüfung: Hat mich diese Person online kennengelernt – und führt sie mich jetzt zu einem Krypto-Investment? Wenn ja, behandle es als Betrug, bis das eindeutig widerlegt ist. Das ist es fast nie.

Schon Geld eingezahlt – was tun?

Stoppe jede weitere Zahlung sofort, sichere Beweise und hole dir reale Hilfe – aber meide angebliche Rückhol-Dienste. Eingezahltes Geld ist oft verloren, doch weiterer Schaden lässt sich verhindern.

Zahle nichts mehr ein, auch nicht für eine angebliche Freischaltung der Auszahlung – das ist nur die nächste Stufe der Masche. Sichere alle Beweise: Chatverläufe, Namen, Links, Überweisungsdaten. Erstatte Anzeige bei der Polizei und informiere deine Bank oder Börse, über die das Geld geflossen ist; je früher, desto besser stehen die Chancen, zumindest noch unterwegs befindliche Beträge zu stoppen. Hast du im Zuge der Masche Zugangsdaten preisgegeben, solltest du umgehend dein Börsenkonto absichern. Und sei besonders wachsam, wenn sich nach dem Verlust „Wiederbeschaffungs-Dienste" melden, die das Geld gegen eine Gebühr zurückholen wollen – das ist fast immer ein zweiter Betrug, der dieselben Opfer ein weiteres Mal trifft.

Wissen ist der beste Schutz

Wer versteht, wie Krypto wirklich funktioniert – und wie es nicht funktioniert –, fällt auf solche Maschen seltener herein. Der Praxisleitfaden „Krypto sicher aufbewahren" vermittelt genau dieses Fundament: sichere Verwahrung und der nüchterne Blick für die typischen Fallen.

Zum Praxisleitfaden →

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Romance- und Anlagebetrug mit Krypto?

Am deutlichsten an der Kombination: eine online kennengelernte Person, die dich nach einiger Zeit zu einem Krypto-Investment oder einer bestimmten Plattform führt. Dazu kommen oft ungewöhnlich hohe angezeigte Gewinne, eine nur per Link erreichbare Plattform und Gebühren, die du vor einer Auszahlung zahlen sollst.

Die erste Auszahlung hat doch funktioniert – ist die Plattform dann nicht echt?

Nein. Die kleine erste Auszahlung ist Teil der Masche und wird aus deinen eigenen Einzahlungen finanziert. Sie soll dir beweisen, dass alles funktioniert, damit du anschließend deutlich mehr einzahlst. Spätestens bei der großen Auszahlung wird blockiert.

Warum soll ich für eine Auszahlung Steuern oder Gebühren zahlen?

Das ist ein klares Betrugszeichen. Eine echte Auszahlung wird nie gegen eine vorab gesendete Gebühr oder Steuer freigeschaltet. Die Forderung dient nur dazu, dir noch mehr Geld zu entlocken.

Kann ich mein eingezahltes Geld zurückbekommen?

Oft nicht, aber je schneller du handelst, desto besser. Erstatte Anzeige, informiere sofort Bank oder Börse und sichere alle Beweise. Meide unbedingt „Wiederbeschaffungs-Dienste", die gegen Vorkasse Rückholung versprechen – das ist meist ein zweiter Betrug.

Wie unterscheidet sich das von gewöhnlichem Romance-Betrug?

Beim klassischen Romance-Betrug bittet die Person direkt um Geld für einen Notfall. Bei der Krypto-Variante wird stattdessen ein lukratives Investment angeboten, das das Opfer scheinbar selbst kontrolliert – das wirkt freiwilliger und damit glaubwürdiger, ist aber genauso geplant.

Weiterlesen: Krypto-Scams erkennen · Krypto-Börsenkonto absichern

Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben →
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin →