Widerrufsbutton Kündigungsbutton So machst du Online-Käufe und Abos rückgängig
Bild: KI-generiert
Geschrieben von Michael Radtke · Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2026

Widerrufsbutton & Kündigungsbutton: So machst du Online-Käufe und Abos rückgängig

Online ist ein Kauf in wenigen Sekunden abgeschlossen – der Ausstieg war bisher oft umständlich: E-Mail suchen, Formulare ausdrucken, Fristen im Blick behalten. Seit dem 19. Juni 2026 ist damit Schluss. Eine neue gesetzliche Pflicht zwingt Anbieter dazu, den Widerruf genauso einfach zu machen wie den Kauf – per Klick, direkt auf der Website.

Dieser neue Widerrufsbutton kommt zum bereits bekannten Kündigungsbutton hinzu. Beide werden ständig verwechselt, obwohl sie völlig Unterschiedliches tun. Hier erfährst du, was der Unterschied ist, wie du beide Buttons findest und wie du deine Rechte Schritt für Schritt durchsetzt.

Widerruf oder Kündigung – der entscheidende Unterschied

Beide Begriffe drehen sich darum, einen Vertrag wieder loszuwerden – aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlicher Wirkung.

Widerruf

Macht einen Kauf innerhalb der Widerrufsfrist (in der Regel 14 Tage) komplett rückgängig – so, als hätten Sie nie gekauft. Sie bekommen Ihr Geld zurück, die Ware geht zurück.

Typisch: ein gerade bestellter Artikel, ein eben abgeschlossener Online-Vertrag, eine Software-Lizenz.

Kündigung

Beendet einen laufenden Vertrag oder ein Abo für die Zukunft. Was bereits gelaufen und genutzt wurde, bleibt bezahlt – ab dem Kündigungszeitpunkt endet die Bindung.

Typisch: ein Streaming-Abo, eine Mitgliedschaft, ein Mobilfunk- oder Stromvertrag.

Faustregel: Frisch gekauft und du willst komplett raus? Das ist ein Widerruf. Läuft schon eine Weile und du willst es für die Zukunft beenden? Das ist eine Kündigung.

Der neue Widerrufsbutton (seit 19. Juni 2026)

Grundlage ist der neue §356a BGB, mit dem Deutschland die EU-Richtlinie (EU) 2023/2673 umsetzt. Jeder Anbieter, der Verbrauchern online Verträge mit gesetzlichem Widerrufsrecht ermöglicht, muss seitdem eine elektronische Widerrufsfunktion bereitstellen – den Widerrufsbutton.

So erkennst und nutzt du ihn

  • Er ist eindeutig beschriftet, meist mit „Vertrag widerrufen".
  • Er muss während der gesamten Widerrufsfrist gut sichtbar und auf jeder Unterseite erreichbar sein – in der Regel im Footer, Header oder Menü.
  • Er funktioniert ohne Login und ohne Kundenkonto – auch wenn du als Gast bestellt hast.
  • Der Widerruf läuft zweistufig: erst „Vertrag widerrufen" anklicken, dann auf einer gesonderten Schaltfläche „Widerruf bestätigen". Das verhindert versehentliche Widerrufe.
  • Danach erhältst du eine Eingangsbestätigung per E-Mail – mit Datum und Uhrzeit. Heb sie als Nachweis auf.

Du musst keinen Grund nennen. Pflicht sind nur dein Name, die Angabe, welchen Vertrag du widerrufen willst, und eine E-Mail-Adresse für die Bestätigung. Nach dem Widerrufsgrund darf der Anbieter nicht fragen – das wäre eine unzulässige Hürde.

Dein stiller Vorteil: Fehlt der Widerrufsbutton oder ist er fehlerhaft, verlängert sich die Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage. Du kannst dann also deutlich länger widerrufen, als der Shop dir glauben machen will.

Der Kündigungsbutton (seit Juli 2022)

Den Kündigungsbutton gibt es schon länger: Er geht auf das Gesetz für faire Verbraucherverträge zurück und steht in §312k BGB. Er gilt für online abgeschlossene Dauerverträge – also Abos, Mitgliedschaften, Strom-, Gas- oder Mobilfunkverträge.

  • Beschriftet ist er meist mit „Verträge hier kündigen".
  • Über eine Bestätigungsschaltfläche („jetzt kündigen") schließt du die Kündigung ab – ebenfalls ohne Login.
  • Du erhältst eine Bestätigung mit Datum und Uhrzeit auf einem dauerhaften Datenträger, meist per E-Mail.
  • Fehlt der Button, kannst du den betroffenen Vertrag jederzeit fristlos kündigen.

So setzt du deine Rechte durch – Schritt für Schritt

Einen Kauf widerrufen

  1. Frist prüfen: In der Regel hast du 14 Tage ab Erhalt der Ware bzw. ab Vertragsschluss.
  2. Auf der Website nach dem Widerrufsbutton suchen – meist im Footer oder Header.
  3. „Vertrag widerrufen" anklicken und die abgefragten Angaben (Name, Bestellung, E-Mail) eintragen.
  4. Mit „Widerruf bestätigen" absenden.
  5. Die Eingangsbestätigung per E-Mail speichern – sie ist dein Nachweis.
  6. Ware zurücksenden; das Geld muss dir erstattet werden.

Ein Abo kündigen

  1. Den Kündigungsbutton suchen – „Verträge hier kündigen".
  2. Den zu kündigenden Vertrag auswählen und die Angaben ergänzen.
  3. Mit „jetzt kündigen" bestätigen.
  4. Die Kündigungsbestätigung aufheben, bis das Abo nachweislich beendet ist.

Worauf du als Verbraucher achten solltest

  • Der Button darf nicht versteckt oder hinter einem Login eingesperrt sein. Findest du ihn nicht dort, wo er hingehört, ist das oft schon ein Verstoß.
  • Bestätigungen immer speichern – sie sind im Streitfall dein Beleg, dass und wann du widerrufen oder gekündigt hast.
  • Nicht jeder Kauf hat ein Widerrufsrecht. Ausnahmen sind unter anderem schnell verderbliche Waren, aus Hygienegründen versiegelte Artikel nach dem Öffnen, individuell für dich angefertigte Produkte sowie bereits begonnene digitale Inhalte, denen du ausdrücklich zugestimmt hast.

Du verkaufst selbst online? Das musst du jetzt umsetzen

Die Pflicht aus §356a BGB trifft jeden, der Verbrauchern im Fernabsatz über eine Website oder App Verträge mit Widerrufsrecht anbietet – vom großen Shop bis zum Anbieter digitaler Produkte. Wer nicht umsetzt, riskiert Abmahnungen, Bußgelder von bis zu 50.000 Euro beziehungsweise 4 % des Jahresumsatzes und eine verlängerte Widerrufsfrist zugunsten der Kunden.

Konkret brauchst du einen gut sichtbaren Widerrufsbutton auf jeder Seite, ohne Login, mit zweistufiger Bestätigung und automatischer Eingangsbestätigung per E-Mail. Für WooCommerce gibt es dafür fertige Lösungen (etwa das kostenlose Plugin „EU Widerrufsbutton" von vendidero oder die integrierte Funktion in Germanized Pro).

Wer seine Produkte über eine Reseller- oder Zahlungsplattform verkauft, bei der die Plattform rechtlich als Verkäufer auftritt – zum Beispiel Digistore24 –, für den setzt häufig die Plattform diese Pflicht zentral um. Verlass dich aber nicht blind darauf: Prüf im Zweifel direkt beim Anbieter, ob die Widerrufsfunktion für deine Verkäufe aktiv ist.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Widerruf und Kündigung?

Der Widerruf macht einen Kauf innerhalb der Widerrufsfrist (meist 14 Tage) vollständig rückgängig. Die Kündigung beendet einen laufenden Vertrag oder ein Abo für die Zukunft, ohne das Bisherige rückgängig zu machen.

Seit wann gibt es den Widerrufsbutton?

Seit dem 19. Juni 2026. Grundlage ist der neue §356a BGB, mit dem die EU-Richtlinie (EU) 2023/2673 in deutsches Recht umgesetzt wurde. Der Kündigungsbutton dagegen existiert bereits seit Juli 2022.

Muss ich einen Grund für den Widerruf angeben?

Nein. Pflicht sind nur dein Name, die Vertrags- oder Bestellangabe und eine E-Mail-Adresse für die Bestätigung. Nach dem Grund darf der Anbieter nicht fragen.

Wo finde ich den Widerrufs- oder Kündigungsbutton?

Beide müssen leicht auffindbar und auf jeder Unterseite erreichbar sein – in der Regel im Footer, Header oder Menü der Website. Ein Login darf dafür nicht verlangt werden.

Was passiert, wenn ein Shop keinen Widerrufsbutton hat?

Dann verlängert sich die Widerrufsfrist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage. Du kannst also weit über die üblichen 14 Tage hinaus widerrufen.

Brauche ich ein Kundenkonto, um zu widerrufen oder zu kündigen?

Nein. Beide Funktionen müssen ohne Login und auch für Gastbestellungen nutzbar sein.

Gilt das Widerrufsrecht für jeden Kauf?

Nein. Ausgenommen sind unter anderem schnell verderbliche Waren, aus Hygienegründen versiegelte Artikel nach dem Öffnen, individuell angefertigte Produkte und bereits begonnene digitale Inhalte, denen du ausdrücklich zugestimmt hast.

Rechtshinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechtsberatung. Ich bin kein Rechtsanwalt. Die Rechtslage kann sich ändern und im Einzelfall anders zu beurteilen sein. Für eine verbindliche Einschätzung deiner konkreten Situation wende dich bitte an eine Anwältin oder einen Anwalt oder an eine Verbraucherzentrale.

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