24 Milliarden Zugangsdaten im Netz: Was das Infostealer-Leak für dich bedeutet – und wie du dich schützt
Sicherheitsforscher haben eine der größten je entdeckten Sammlungen gestohlener Zugangsdaten offengelegt: rund 24 Milliarden Datensätze, über 8,3 Terabyte, ungeschützt auf einem offenen Server. Der Großteil stammt aus Infostealer-Malware – und enthält nicht nur E-Mail-Adressen und Passwörter im Klartext, sondern auch die Adresse des Dienstes, zu dem jedes Passwort gehört. Der Server ist inzwischen offline. Das Problem ist es nicht. Hier steht, was wirklich passiert ist und wie du deine Konten schützt.
Kurz gesagt: Das Leak ist keine einzelne Datenpanne, sondern eine riesige Sammlung aus 36 Quellen – überwiegend Infostealer-Logs. Gefährlich ist es, weil viele Passwörter unverschlüsselt vorliegen und direkt einem Dienst zugeordnet sind. Wichtigste Gegenmittel: einzigartige Passwörter aus einem Passwortmanager, phishing-resistente Zwei-Faktor-Anmeldung und ein sauberes Gerät.
Was gefunden wurde
Ein Rechercheteam entdeckte im Juni 2026 einen öffentlich erreichbaren Elasticsearch-Cluster – einen Verbund vernetzter Such-Server –, auf dem rund 24 Milliarden Datensätze mit einem Volumen von über 8,3 Terabyte lagen, ohne jeden Passwortschutz. Kurz nach der Entdeckung wurde der Zugriff gesperrt. Die Einträge stammen aus 36 unterschiedlichen Quellen: Der mit Abstand größte Block, etwa 22,6 Milliarden Datensätze, ist unter der vagen Bezeichnung „Collections" zusammengefasst, deren genaue Herkunft offen bleibt. Rund 1,7 Milliarden Datensätze wurden in Telegram-Kanälen der Cybercrime-Szene gefunden, hinzu kommen ältere Breach-Compilations und Daten, die direkt aus laufenden Systemen exportiert wurden.
Ein Eigentümer ließ sich bislang nicht ermitteln. Beunruhigend ist ein Detail am Rande: Hinweise im Datenbestand deuten darauf hin, dass die Sammlung bis zuletzt aktiv gepflegt und aktualisiert wurde – ein Teil der Zugangsdaten dürfte also aktuell und weiterhin gültig sein. Was in so einem Fall zu tun ist, fasst der Ratgeber Datenleck: was tun, wenn deine Daten im Netz gelandet sind Schritt für Schritt zusammen.
Was Infostealer-Malware ist und wie sie auf dein Gerät kommt
Nahezu alle Einträge stammen aus sogenannten Stealer-Logs – den Protokolldateien von Infostealer-Malware. Diese Schadsoftware nistet sich unbemerkt im System ein und liest im Hintergrund aus, was sie an Zugängen findet: im Browser gespeicherte Passwörter und Autofill-Daten, Kreditkarteninformationen, Zugangsdaten zu Krypto-Wallets und teilweise sogar aktive Sitzungs-Cookies. Die erbeuteten Pakete wandern an die Server der Kriminellen und von dort in Foren, Telegram-Kanäle – oder eben auf ungesicherte Riesendatenbanken wie die jetzt gefundene.
Die Infektion beruht fast immer auf einem Moment der Unachtsamkeit: raubkopierte Software, ein infiziertes PDF, ein vermeintliches Gratis-Tool aus einer inoffiziellen Quelle, oder gefälschte Prüf-Dialoge, die dich zum Ausführen eines Befehls verleiten. Analysen zeigen, dass die Zahl der Infostealer-Infektionen zuletzt stark gestiegen ist und der Auslöser meist im eigenen Verhalten liegt. Weil viele dieser Angriffe mit einer Täuschung beginnen, lohnt der Blick darauf, wie du gefälschte Nachrichten und Köder erkennst.
Das Tückische: In den Logs steht zu jedem Passwort meist auch die Login-Adresse, zu der es gehört. Angreifer müssen also nicht raten, wo eine Kombination funktioniert – sie sehen sofort, dass dieses Passwort zu deinem Shop-, Streaming- oder Banking-Konto passt. Und wo ganze Sitzungs-Cookies erbeutet wurden, lässt sich sogar die Passwortabfrage umgehen.
Die eigentliche Gefahr: Credential Stuffing
Der Wert einer solchen Datenbank liegt nicht darin, dass irgendjemand etwas „knacken" müsste – die Angreifer besitzen bereits gültige Zugangsdaten. Beim Credential Stuffing werfen automatisierte Werkzeuge Millionen gestohlener Nutzer-Passwort-Paare gleichzeitig gegen die Anmeldemasken von Hunderten Diensten und protokollieren jeden Treffer. Ein einziges Konto, das auf einem infizierten Gerät abgegriffen wurde, kann so zur Eintrittskarte für dein halbes digitales Leben werden.
Warum Wiederverwendung so gefährlich ist: Nutzt du dasselbe Passwort für mehrere Dienste, genügt ein einziger Treffer, und die Angreifer öffnen damit reihenweise weitere Konten. Ein individuelles Passwort pro Dienst bricht diese Kettenreaktion – der Schaden bleibt dann auf ein einziges Konto begrenzt.
So schützt du dich – und warum die Reihenfolge entscheidet
1. Zuerst das Gerät säubern, dann Passwörter ändern
Das ist der Schritt, den fast alle falsch machen. Wer nur schnell die Passwörter wechselt, während im Hintergrund noch ein Infostealer läuft, liefert die neuen Passwörter direkt mit aus – die Malware liest sie in dem Moment mit, in dem du sie eintippst. Richtig ist die umgekehrte Reihenfolge: erst das Gerät mit aktueller Schutzsoftware vollständig prüfen und die Schadsoftware entfernen, die neuen Passwörter idealerweise von einem nachweislich sauberen Zweitgerät aus vergeben.
Virenschutz gegen Infostealer sichern Schadsoftware aufspüren und entfernen · Anzeige2. Einzigartige Passwörter aus einem Passwortmanager
Im Browser gespeicherte Passwörter sind für Infostealer die leichteste Beute. Besser aufgehoben sind sie in einem eigenständigen Passwortmanager, der für jeden Dienst ein langes, einzigartiges Passwort erzeugt und verschlüsselt verwahrt. Warum dieses Werkzeug zu den wichtigsten und zugleich am meisten unterschätzten gehört, erklärt der Beitrag zum Passwortmanager als unterschätztem Sicherheitstool.
3. Zwei-Faktor-Anmeldung – der Rettungsanker bei geleakten Passwörtern
Selbst wenn ein Passwort in so einer Sammlung landet, bleibt dein Konto geschützt, sofern ein zweiter Faktor davorsteht. Die Forscher betonen ausdrücklich, dass gerade Konten ohne Multi-Faktor-Authentifizierung akut durch Übernahmen gefährdet sind. Wie du sie richtig einrichtest und warum eine Authenticator-App sicherer ist als jeder SMS-Code, zeigt diese Anleitung.
4. Prüfen, ob du betroffen bist – und es im Blick behalten
Ob deine Adresse bereits in bekannten Leaks auftaucht, lässt sich über einschlägige Prüfdienste feststellen. Wer nicht nur einmal nachsehen, sondern dauerhaft gewarnt werden will, sobald neue Daten auftauchen, sollte ein Datenleck-Monitoring nutzen. Umfassende Sicherheitspakete bündeln eine solche Darknet-Überwachung mit dem Virenschutz.
Identitäts- & Darknet-Monitoring ansehen Warnt, wenn deine Daten im Umlauf sind · Anzeige5. Keine Cracks, keine dubiosen Downloads
Der häufigste Infektionsweg bleibt die Datei aus unsicherer Quelle: geknackte Programme, „kostenlose" Vollversionen, angebliche Rechnungen als PDF. Wer Software nur aus offiziellen Quellen bezieht und bei unerwarteten Dateien misstrauisch bleibt, entzieht dem Infostealer die Grundlage.
Warum „der Server ist offline" keine Entwarnung ist
Dass die Datenbank nicht mehr öffentlich erreichbar ist, beruhigt nur auf den ersten Blick. Bis so ein Fund entdeckt und abgeschaltet wird, hat jeder aufmerksame Beobachter die Inhalte längst kopiert. Die Zugangsdaten kursieren in den Telegram-Kanälen weiter, aus denen sie stammten, und die Infostealer auf den infizierten Rechnern produzieren laufend Nachschub. Der eigentliche Wert dieser Enthüllung liegt weniger darin, diese eine Datenbank zu stoppen, als in der Erkenntnis, wie industrialisiert der Handel mit Zugangsdaten inzwischen ist – und darin, dass sie dich rechtzeitig zu den richtigen Schritten bewegt.
Einordnung: erschreckende Zahl, langweilige Lösung
Vierundzwanzig Milliarden Datensätze klingen apokalyptisch, und die Schlagzeile ist berechtigt. Für dich persönlich zählt aber weniger die Gesamtzahl als die Frage, ob ausgerechnet deine Kombinationen darunter sind – und ob sie dir schaden können. Genau hier ist die Antwort unspektakulär, aber wirksam: ein sauberes Gerät, für jeden Dienst ein eigenes Passwort und überall dort ein zweiter Faktor, wo es etwas zu verlieren gibt. Wer das umsetzt, verwandelt eine bedrohliche Nachricht in ein Nicht-Ereignis für die eigenen Konten.
Häufige Fragen
Bin ich von dem Leak betroffen?
Das lässt sich nicht pauschal sagen, weil die genaue Zusammensetzung der Datenbank unklar ist und viele Datensätze aus früheren Leaks aggregiert wurden. Prüfe deine E-Mail-Adresse über einen bekannten Leak-Prüfdienst und behandle im Zweifel jedes Passwort als kompromittiert, das du auf mehreren Diensten verwendest.
Reicht es, jetzt einfach meine Passwörter zu ändern?
Nur, wenn dein Gerät sauber ist. Läuft im Hintergrund noch ein Infostealer, greift er die neuen Passwörter beim Eintippen sofort wieder ab. Prüfe deshalb erst das Gerät mit aktueller Schutzsoftware und vergib die neuen Passwörter idealerweise von einem nachweislich sauberen Zweitgerät aus.
Was ist Infostealer-Malware genau?
Schadsoftware, die unbemerkt im Hintergrund läuft und gezielt Zugangsdaten sammelt: im Browser gespeicherte Passwörter, Autofill-Daten, Kreditkarten, Krypto-Wallet-Zugänge und teils sogar Sitzungs-Cookies. Sie gelangt meist über raubkopierte Software, infizierte PDFs oder gefälschte Download-Angebote auf das Gerät.
Warum ist Zwei-Faktor-Anmeldung hier so wichtig?
Weil sie ein geleaktes Passwort weitgehend entwertet: Ohne den zweiten Faktor kommt ein Angreifer trotz gültigem Passwort nicht ins Konto. Die Forscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass gerade Konten ohne Multi-Faktor-Authentifizierung akut durch Übernahmen gefährdet sind.
Sind gespeicherte Passwörter im Browser gefährlich?
Sie sind ein bevorzugtes Ziel von Infostealern, weil sie sich vergleichsweise leicht auslesen lassen. Sicherer ist ein eigenständiger Passwortmanager, der Zugangsdaten verschlüsselt verwahrt und für jeden Dienst ein einzigartiges Passwort erzeugt.
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Ob deine Daten bereits im Umlauf sind, erfährst du oft erst, wenn es zu spät ist. Warum ein Datenleck-Monitoring zu den unterschätzten Sicherheitswerkzeugen gehört und wie es dich frühzeitig warnt, erklärt dieser Beitrag. Gerade bei einem Leak dieser Größenordnung ist eine dauerhafte Überwachung sinnvoller als der einmalige Blick.
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Den kompakten Rundumblick, was zu Hause wirklich schützt, bündelt der Ratgeber Cybersecurity für zuhause. Alle weiteren Analysen und Warnungen findest du in der Rubrik Digitale Sicherheit.
Grundlage dieser Einordnung ist die Berichterstattung von Security-Insider sowie die zugrunde liegende Analyse des Rechercheteams von Cybernews. Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und ersetzt keine individuelle IT-Sicherheitsberatung.
Geschrieben von Michael Radtke · Stand: Juli 2026. Michael Radtke schreibt auf alarm.de verständlich über Finanzen & Kredit, digitale Sicherheit und Krypto.