Aktien-Screener Das wohl wichtigste Recherche-Tool für langfristige Anleger
Bild: KI-generiert
Geschrieben von Michael Radtke · Zuletzt aktualisiert: 21. September 2026

Aktien-Screener: Das wohl wichtigste Recherche-Tool für langfristige Anleger

Tausende börsennotierte Unternehmen konkurrieren um die Aufmerksamkeit von Investoren. Aktien-Screener helfen dabei, interessante Unternehmen systematisch zu finden und Chancen effizienter zu analysieren. Dieser Ratgeber zeigt, wie ein Screener arbeitet, welche Filter zu welcher Strategie passen, warum Kennzahlen je Branche unterschiedlich zu lesen sind und welche Fallen die Vorauswahl unbrauchbar machen.

Wer an der Börse investiert, steht vor einem grundlegenden Problem: Die Auswahl ist riesig. Allein in den USA sind mehrere Tausend Unternehmen börsennotiert. Hinzu kommen europäische, asiatische und internationale Märkte.

Die Frage lautet daher nicht, ob es interessante Unternehmen gibt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese überhaupt zu finden.

Genau an dieser Stelle kommen Aktien-Screener ins Spiel.

Kurz gesagt: Ein Screener filtert eine Datenbank mit Unternehmensdaten nach Kriterien, die du selbst festlegst – Bewertung, Wachstum, Verschuldung, Branche, Region. Heraus kommt eine Liste möglicher Kandidaten, keine Empfehlung. Der Nutzen entsteht durch die Einengung: aus tausenden Unternehmen werden zwanzig, die du dir tatsächlich ansehen kannst. Die eigentliche Arbeit beginnt danach, denn kein Filter erkennt, warum eine Kennzahl so aussieht, wie sie aussieht.
Ein guter Aktien-Screener ersetzt keine Analyse.
Er hilft jedoch dabei, aus tausenden Unternehmen diejenigen herauszufiltern, die überhaupt einen genaueren Blick wert sind.

Was ist ein Aktien-Screener?

Ein Aktien-Screener ist ein Analyse-Tool, mit dem Unternehmen anhand bestimmter Kriterien gefiltert werden können.

Anleger können beispielsweise nach folgenden Merkmalen suchen:

  • Marktkapitalisierung
  • Gewinnwachstum
  • Umsatzentwicklung
  • Dividendenrendite
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis
  • Eigenkapitalquote
  • Verschuldung
  • Branche

Dadurch lässt sich die Anzahl möglicher Kandidaten erheblich reduzieren.

Wichtig für das Verständnis: Ein Screener denkt nicht. Er vergleicht Zahlen mit Grenzwerten und gibt aus, was passt. Eine Aktie taucht in der Liste auf, weil ein Wert unter oder über einer Schwelle liegt – nicht, weil das Unternehmen gut geführt ist. Genau deshalb ist das Ergebnis eine Kandidatenliste und kein Kaufvorschlag.

Wie das Filtern praktisch abläuft

Der Ablauf ist bei allen Werkzeugen ähnlich, auch wenn die Oberflächen unterschiedlich aussehen.

SchrittWas passiertWorauf es ankommt
Grundgesamtheit wählenRegion, Börsenplatz, Index, Mindestgröße und Handelsvolumen festlegenDie Unternehmensgröße allein sagt nichts über die Handelbarkeit – dafür zählen Handelsvolumen, Geld-Brief-Spanne und die Handelsplätze deines Brokers
Harte Filter setzenKriterien, die zwingend erfüllt sein müssenZwei bis vier genügen; mehr Filter erzeugen oft eine leere Liste
Sortieren statt ausschließenWeitere Kennzahlen nur zur Reihenfolge nutzenSo fällt ein knapp verfehlter Kandidat nicht komplett heraus
Liste prüfenAuffälligkeiten einzeln nachschlagenSondereffekte erklären oft, warum eine Kennzahl extrem aussieht
Suche speichernFilterset für die spätere Wiederholung sichernErst die regelmäßige Wiederholung macht den Prozess wertvoll

← Tabelle seitlich scrollen →

Allgemeiner Ablauf. Welche Filter und Speicherfunktionen ein Werkzeug bietet, unterscheidet sich je Anbieter.

Ein verbreiteter Anfängerfehler steckt im zweiten Schritt: Wer zehn Filter gleichzeitig scharf stellt, bekommt entweder null Treffer oder eine Handvoll Sonderfälle. Besser ist ein grobes Netz und anschließendes Sortieren.

Ein Filterset als Beispiel

So könnte eine Qualitätssuche aussehen. Die Grenzwerte sind frei gewählt und dienen nur der Veranschaulichung – sie sind keine Empfehlung.

EinstellungBeispielwertWarum
RegionEuropa und USANur Märkte, die dein Depot auch handeln kann
Marktkapitalisierungüber eine Milliarde EuroSchließt sehr kleine Werte aus
Durchschnittliches HandelsvolumenGrenze passend zur eigenen Ordergröße wählenSorgt dafür, dass der Wert regelmäßig gehandelt wird; die passende Schwelle hängt davon ab, wie groß deine Orders sind
Eigenkapitalrenditeüber 12 Prozent, in mehreren JahrenFiltert auf beständige Ertragskraft statt auf ein gutes Jahr
Nettofinanzschulden geteilt durch EBITDAunter 3, nur bei positivem EBITDABeispielhafter Verschuldungsfilter für geeignete Nichtfinanzunternehmen; EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen
Sortierungnach Free Cashflow im Verhältnis zum BörsenwertOrdnet die Liste, ohne Kandidaten auszuschließen

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Beispielhafte Einstellungen zur Veranschaulichung. Welche Felder es gibt und wie sie heißen, unterscheidet sich je Werkzeug.

Wie viele Treffer übrig bleiben, hängt von der Datenbank, dem Stichtag und den gewählten Grenzwerten ab. Ist die Liste zu lang, passe zunächst einen einzigen Filter an – nicht alle gleichzeitig. Ist sie leer, überprüfe die strengsten Kriterien zuerst.

Warum viele Anleger Chancen übersehen

Die meisten Investoren beschäftigen sich überwiegend mit bekannten Unternehmen, die regelmäßig in den Medien auftauchen.

Dadurch geraten viele kleinere oder weniger bekannte Unternehmen gar nicht erst auf den Radar.

Ein Screener kann dabei helfen, solche Kandidaten sichtbar zu machen.

Dahinter steckt ein bekanntes Muster: Wir halten für relevant, was uns zuerst einfällt. Ein Filterset kennt diese Vorliebe nicht – es liefert auch Unternehmen, über die niemand schreibt. Der Preis dafür ist Arbeit: Bei einem unbekannten Wert musst du mehr selbst nachlesen, weil es keine fertige Meinung dazu gibt.

Value-, Dividenden- oder Wachstumsstrategie?

Aktien-Screener lassen sich für unterschiedliche Anlagestile einsetzen.

  • Value-Investing
  • Dividendenstrategien
  • Wachstumsaktien
  • Turnaround-Kandidaten
  • Qualitätsunternehmen
  • Small Caps

Die verwendeten Filter hängen dabei von der jeweiligen Strategie ab.

Grob übersetzt heißt das: Value-Anleger filtern auf niedrige Bewertungskennzahlen im Verhältnis zu Gewinn, Umsatz oder Buchwert. Dividendenanleger interessieren sich für die Ausschüttungshistorie, die Ausschüttungsquote und stabile Erträge. Wachstumsanleger setzen bei Umsatz- und Gewinnentwicklung an und nehmen dafür höhere Bewertungen in Kauf. Wer auf Qualität filtert, achtet auf Kapitalrendite, Verschuldung und beständige Margen.

Lege vor dem Screening fest, welche Strategie du verfolgst und wie du ihre Kriterien gewichtest. Value-, Wachstums- und Qualitätsmerkmale lassen sich durchaus kombinieren; zu viele starre Grenzwerte können allerdings sinnvolle Kandidaten ausschließen. Wer Erträge im Blick hat, findet die Einordnung im Beitrag Dividenden-Tracker, den Sektorblick liefert der Beitrag Branchen-Champions 2026.

Der größte Vorteil

Ein Aktien-Screener sorgt für einen strukturierten Auswahlprozess. Entscheidungen basieren stärker auf Daten und weniger auf Schlagzeilen oder Emotionen.

Welche Kennzahlen besonders häufig genutzt werden

Viele Anleger beginnen ihre Suche mit einigen grundlegenden Kennzahlen.

  • KGV
  • KUV
  • Gewinnwachstum
  • Umsatzwachstum
  • Free Cashflow
  • Eigenkapitalrendite
  • Dividendenhistorie
  • Verschuldungsgrad

Keine Kennzahl allein liefert die perfekte Antwort. Erst die Kombination mehrerer Faktoren ergibt ein aussagekräftiges Bild.

Zwei Punkte werden dabei häufig übersehen. Erstens der Unterschied zwischen vergangenen und erwarteten Zahlen: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des letzten Jahres erzählt etwas anderes als eines auf Basis von Schätzungen – und Schätzungen sind Meinungen von Analysten, keine Tatsachen. Zweitens der Free Cashflow: Er zeigt, welche Mittel nach Investitionen verbleiben, und ergänzt den ausgewiesenen Gewinn. Auch er muss auf Sondereffekte und Veränderungen des Working Capital geprüft werden.

Warum Kennzahlen je Branche anders zu lesen sind

Derselbe Zahlenwert bedeutet in verschiedenen Branchen etwas völlig Verschiedenes. Wer das ignoriert, filtert sich systematisch in dieselbe Ecke.

  • Banken und Versicherer: Klassische Verschuldungsfilter schließen sie praktisch immer aus, obwohl Fremdkapital dort zum Geschäftsmodell gehört.
  • Immobilien: Bewertungskennzahlen auf Gewinnbasis führen in die Irre, weil Aufwertungen und Abschreibungen das Ergebnis dominieren.
  • Software: Hohe Bewertungen sind üblich, weil Wachstum und Margen anders verlaufen als in der Industrie.
  • Rohstoffe und Zykliker: Am Hochpunkt des Zyklus sehen die Kennzahlen am besten aus – genau dann ist das Risiko oft am größten.
  • Versorger: Hohe Ausschüttungen und hohe Verschuldung gehören zusammen und sagen für sich genommen wenig.

Die praktische Konsequenz: Vergleiche innerhalb einer Branche statt quer über den ganzen Markt, oder setze die Branche gleich als Filter. Sonst landen bei einer reinen Bewertungssuche immer dieselben Sektoren in der Liste.

Warum Qualität wichtiger sein kann als Billigkeit

Viele Einsteiger suchen ausschließlich nach niedrigen Bewertungen.

Doch günstige Unternehmen sind nicht automatisch gute Investments.

Oft besitzen qualitativ hochwertige Unternehmen höhere Bewertungen, weil der Markt stabile Gewinne, starke Marktpositionen oder nachhaltige Wettbewerbsvorteile honoriert.

Der Fachbegriff dafür lautet Bewertungsfalle: Ein Wert sieht billig aus, weil der Markt bereits sinkende Gewinne erwartet. Die Kennzahl kann auf vergangenen Gewinnen beruhen, während der aktuelle Aktienkurs Erwartungen über die Zukunft widerspiegelt. Deshalb gehört zu jedem auffällig günstigen Treffer die Frage, was der Markt dort sieht, das du noch nicht siehst – und ob du einen belastbaren Grund hast, anderer Meinung zu sein.

Datenqualität und Stolperfallen

Ein Screener ist immer nur so gut wie die Datenbank dahinter. Vier Punkte sorgen regelmäßig für falsche Treffer.

  • Stichtag der Daten: Manche Kennzahlen stammen aus dem letzten Quartalsbericht, andere sind tagesaktuell. Gemischt ergibt das ein schiefes Bild.
  • Einmaleffekte: Ein Verkauf einer Sparte kann den Gewinn eines Jahres aufblähen und alle darauf beruhenden Kennzahlen verzerren.
  • Währungen: Bei internationalen Werten hängen Umsatz- und Gewinnvergleiche am Wechselkurs.
  • Doppelte Notierungen: Dasselbe Unternehmen taucht an mehreren Börsen auf und wirkt wie zwei Kandidaten.

Deshalb gilt: Jeder Treffer, der extrem gut aussieht, wird einmal einzeln nachgeschlagen, bevor er in die engere Auswahl kommt. In den meisten Fällen erklärt ein Sondereffekt den Ausreißer.

Die Rolle von KI bei der Aktiensuche

Moderne Analyseplattformen integrieren zunehmend künstliche Intelligenz.

Dadurch können Muster erkannt, Daten schneller ausgewertet und zusätzliche Informationen bereitgestellt werden.

Dennoch bleibt die endgültige Entscheidung weiterhin Aufgabe des Investors.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens liefern Sprachmodelle überzeugend formulierte Antworten auch dann, wenn die zugrunde liegende Zahl falsch ist – Kennzahlen gehören deshalb immer gegen die Originalquelle geprüft. Zweitens ersetzt keine Auswertung die Frage, ob du das Geschäftsmodell verstehst. Wie weit die Werkzeuge heute sind, ordnet der Beitrag Aktienanalyse mit KI ein; für die Arbeit mit Sprachmodellen liefert der Beitrag KI-Prompts für systematisches Trading und Investment die Vorlagen.

Neben klassischen Screenern gibt es Portale, die Kursdaten automatisiert auswerten und Signale ableiten. Diese Informationen können die eigene Recherche ergänzen. Prüfe die Aussagekraft der Signale und die Leistungen des jeweiligen Anbieters; die Kaufentscheidung triffst du selbst.

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Marktdaten und KI-Auswertung

MarketScreener bietet Kennzahlen, Screener und Aktienanalysen; traderinfo.ai ergänzt Marktdaten um KI-Signale. Funktionsumfang, Leistungen und Tarife unterscheiden sich. Die aktuellen Angaben findest du beim jeweiligen Anbieter.

Was nach dem Screening kommt

Die Liste ist der Anfang, nicht das Ergebnis. Für jeden Kandidaten, der es in die engere Auswahl schafft, lohnen fünf Fragen:

  1. Womit verdient das Unternehmen sein Geld? In einem Satz erklärbar – sonst zu kompliziert für die eigene Einschätzung.
  2. Wie stabil war das in den letzten Jahren? Ein Blick auf Umsatz, Gewinn und Cashflow über mehrere Jahre statt auf ein Stichjahr.
  3. Wovon hängt das Geschäft ab? Einzelne Großkunden, ein Rohstoffpreis, eine Regulierung, ein Patent.
  4. Wie ist die Bilanz aufgestellt? Verschuldung im Verhältnis zur Ertragskraft, Fälligkeiten, Zinslast.
  5. Was müsste passieren, damit ich falsch liege? Wer das vorher aufschreibt, erkennt später schneller, ob die These noch trägt.

Erst danach kommt die Frage nach dem Depotanteil – und die Entscheidung, ob eine Einzelaktie überhaupt das richtige Werkzeug ist oder ein breit gestreuter Fonds besser passt. Die Einordnung dazu liefert der Beitrag ETF-Screener, die laufende Kontrolle beschreibt der Beitrag Portfolio-Tracker. Wie du eine Suche über die ganze Börse aufziehst, zeigt der Beitrag Börsen-Screener.

Typische Fehler bei der Nutzung

  • Ausschließlich auf eine Kennzahl achten
  • Qualitative Faktoren ignorieren
  • Branchenunterschiede übersehen
  • Keine eigene Analyse durchführen
  • Kurzfristige Trends überbewerten

Ein Screener ist ein Werkzeug. Die eigentliche Analyse beginnt oft erst danach.

Drei Fehler kommen in solchen Listen selten vor, sind aber häufig: die Filter so lange anzupassen, bis ein gewünschter Wert auftaucht; jede Woche ein neues Filterset zu bauen, statt eines konsequent zu wiederholen; und die Kennzahlen als Tatsachen zu behandeln, obwohl sie teilweise auf Schätzungen beruhen. Alle drei führen dazu, dass am Ende doch die Meinung entscheidet – nur mit dem Anschein von Systematik.

Schritt für Schritt zur eigenen Suche

  1. Strategie festlegen: Entscheide, welche Merkmale du suchst und wie du sie gewichtest. Value, Wachstum und Qualität lassen sich bewusst kombinieren.
  2. Grundgesamtheit eingrenzen: Regionen und Mindestgröße wählen, die beim Broker verfügbaren Handelsplätze prüfen und das durchschnittliche Handelsvolumen sowie möglichst die Geld-Brief-Spanne berücksichtigen.
  3. Zwei bis vier harte Filter setzen: Die Kriterien, auf die du wirklich nicht verzichten willst.
  4. Nach einer weiteren Kennzahl sortieren: So bleibt die Liste vollständig und wird trotzdem geordnet.
  5. Auf zehn bis zwanzig Kandidaten eindampfen: Mehr schafft niemand ernsthaft zu prüfen.
  6. Ausreißer nachschlagen: Extreme Werte haben fast immer eine Erklärung im Geschäftsbericht.
  7. Fünf Fragen je Kandidat beantworten: Geschäftsmodell, Stabilität, Abhängigkeiten, Bilanz, Gegenthese.
  8. Filterset speichern und wiederholen: Einmal im Quartal dieselbe Suche laufen lassen und Veränderungen ansehen.

So sieht der Alltag danach aus: Du hast eine gespeicherte Suche, die du regelmäßig ausführst, eine kurze Merkliste geprüfter Unternehmen und eine Notiz, warum du bei den einzelnen Werten zugegriffen oder eben nicht zugegriffen hast.

Risikohinweis zur Geldanlage: Aktien unterliegen Kursschwankungen, Verluste des eingesetzten Kapitals sind möglich. Einzelaktien bergen Konzentrationsrisiken, die ein breit gestreutes Portfolio durch Diversifikation reduzieren kann. Kennzahlen und Schätzungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.

Warum langfristige Anleger besonders profitieren

Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte, benötigt regelmäßig neue Investmentideen.

Aktien-Screener ermöglichen eine systematische Suche nach Unternehmen, die zur eigenen Strategie passen.

Dadurch entstehen häufig bessere Entscheidungen als bei rein zufälliger Auswahl.

Der eigentliche Gewinn liegt allerdings in der Wiederholung. Ein gespeichertes Filterset, viermal im Jahr ausgeführt, zeigt dir Veränderungen: Welche Unternehmen sind neu in der Liste, welche sind herausgefallen und warum? Diese Bewegung ist aussagekräftiger als jede einzelne Momentaufnahme – und sie kostet nach der Einrichtung kaum noch Zeit.

Wenn du nicht selbst auswählen willst

Screening kostet Zeit, und nicht jeder will Einzelwerte prüfen. Die Alternative ist eine automatisch verwaltete Anlage: Dort übernimmt der Anbieter Auswahl, Gewichtung und Wiederanlage nach einem festgelegten Risikoprofil. Das ist kein Widerspruch zu diesem Ratgeber, sondern eine andere Arbeitsteilung – und oft die ehrlichere Wahl, wenn die gespeicherte Suche ohnehin nie wieder ausgeführt wird.

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Automatisch verwaltete Anlage als Alternative

Digitale Vermögensverwaltungen übernehmen Auswahl, Gewichtung und Wiederanlage. Anlagekonzept und Kosten unterscheiden sich, die Details zeigt der Anbieter.

Fazit: Gute Werkzeuge verbessern die Investmententscheidung

Aktien-Screener gehören zu den wertvollsten Finanz-Tools für Anleger. Sie sparen Zeit, schaffen Struktur und helfen dabei, interessante Unternehmen effizienter zu identifizieren.

Sie ersetzen keine Fundamentalanalyse, verbessern jedoch den Auswahlprozess erheblich.

Wer regelmäßig investiert, sollte sich deshalb mit den Möglichkeiten moderner Screening-Tools beschäftigen.

Die ehrliche Zusammenfassung lautet: Ein Screener beantwortet die Frage „Was soll ich mir ansehen?“ sehr gut und die Frage „Was soll ich kaufen?“ überhaupt nicht. Wer diesen Unterschied akzeptiert, spart viel Zeit – und trifft Entscheidungen, die er im nächsten Kursrutsch auch begründen kann.

Glossar: die wichtigsten Begriffe

Aktien-ScreenerWerkzeug, das eine Datenbank mit Unternehmensdaten nach selbst gesetzten Kriterien filtert. Ergebnis ist eine Kandidatenliste.

FilterKriterium mit Grenzwert, das ein Unternehmen erfüllen muss, um in der Liste zu erscheinen.

GrundgesamtheitDer durchsuchte Bereich: Region, Börsenplatz, Index oder Mindestgröße. Ohne Eingrenzung wird die Liste unbrauchbar.

KGVKurs-Gewinn-Verhältnis. Verhältnis von Kurs zu Gewinn je Aktie – je nach Datenquelle auf Basis vergangener oder erwarteter Gewinne.

KUVKurs-Umsatz-Verhältnis. Hilfreich bei Unternehmen ohne stabile Gewinne, sagt aber nichts über Profitabilität.

Free CashflowMittel, die nach Investitionen verbleiben. Ergänzt den ausgewiesenen Gewinn, ist aber ebenfalls auf Sondereffekte und Working Capital zu prüfen.

EigenkapitalrenditeGewinn im Verhältnis zum Eigenkapital. Hohe Werte können auch aus hoher Verschuldung stammen.

AusschüttungsquoteAnteil des Gewinns, der als Dividende ausgezahlt wird. Sehr hohe Quoten lassen wenig Spielraum.

MarktkapitalisierungBörsenwert eines Unternehmens. Üblicher Größenfilter – für die Handelbarkeit ist zusätzlich das Handelsvolumen entscheidend.

Small CapUnternehmen mit geringer Marktkapitalisierung. Oft weniger beachtet, dafür schwankungsanfälliger und enger gehandelt.

BewertungsfalleEin Wert wirkt günstig, weil der Markt bereits sinkende Gewinne erwartet. Die Kennzahl kann auf vergangenen Gewinnen beruhen.

SchätzungErwartete Kennzahl auf Basis von Analystenprognosen. Eine Meinung, keine Tatsache.

EinmaleffektSondervorgang wie ein Verkauf einer Sparte, der Kennzahlen eines Jahres verzerrt.

Gespeicherte SucheAbgelegtes Filterset, das sich regelmäßig wiederholen lässt. Erst dadurch wird Screening zum Prozess.

Häufige Fragen zu Aktien-Screenern

Was ist ein Aktien-Screener?

Ein Werkzeug, das eine Datenbank mit Unternehmensdaten nach selbst gesetzten Kriterien durchsucht – etwa Bewertung, Wachstum, Verschuldung oder Branche. Das Ergebnis ist eine Kandidatenliste für die eigene Analyse, keine Empfehlung.

Wie viele Filter sollte ich setzen?

Zwei bis vier harte Kriterien reichen meist. Wer zehn Filter gleichzeitig scharf stellt, bekommt entweder keine Treffer oder ein paar Sonderfälle. Weitere Kennzahlen nutzt du besser zum Sortieren als zum Ausschließen.

Welche Kennzahlen sind am wichtigsten?

Das hängt von der Strategie ab. Für Value-Ansätze stehen Bewertungskennzahlen im Vordergrund, für Dividendenstrategien Ausschüttungshistorie und Ausschüttungsquote, für Wachstum die Umsatz- und Gewinnentwicklung. Aussagekräftig wird es erst in der Kombination.

Warum liefert mein Screening immer dieselben Branchen?

Weil dieselbe Kennzahl je Branche anders ausfällt. Verschuldungsfilter schließen Banken praktisch immer aus, gewinnbasierte Bewertungen führen bei Immobilien in die Irre. Vergleiche innerhalb einer Branche oder setze sie gleich als Filter.

Was ist eine Bewertungsfalle?

Ein Unternehmen sieht günstig aus, weil der Markt bereits sinkende Gewinne erwartet. Die Kennzahl kann auf vergangenen Gewinnen beruhen, während der aktuelle Kurs Erwartungen über die Zukunft widerspiegelt. Zu jedem auffällig billigen Treffer gehört deshalb die Frage nach dem Grund.

Sind die Daten im Screener zuverlässig?

Sie sind so gut wie die Datenbank dahinter. Unterschiedliche Stichtage, Einmaleffekte, Wechselkurse und Doppelnotierungen erzeugen regelmäßig falsche Treffer. Extreme Werte solltest du einzeln nachschlagen.

Was ist der Unterschied zwischen vergangenen und erwarteten Kennzahlen?

Vergangene Werte stammen aus veröffentlichten Berichten, erwartete aus Analystenschätzungen. Schätzungen sind Meinungen und können sich ändern. Achte darauf, welche Basis dein Werkzeug verwendet.

Brauche ich einen kostenpflichtigen Screener?

Für den Einstieg oft nicht; viele Broker und Portale bieten Grundfunktionen. Kostenpflichtige Werkzeuge liefern meist mehr Kennzahlen, längere Historien, Schätzungen und speicherbare Filtersets. Die aktuellen Konditionen findest du beim Anbieter.

Kann KI die Aktienauswahl übernehmen?

Sie kann Daten schneller auswerten und Muster sichtbar machen, ersetzt aber weder die Prüfung der Zahlen noch das Verständnis des Geschäftsmodells. Sprachmodelle formulieren auch dann überzeugend, wenn eine Zahl falsch ist – Kennzahlen gehören gegen die Originalquelle geprüft.

Wie oft sollte ich screenen?

Einmal im Quartal genügt, am besten mit demselben gespeicherten Filterset. Interessant sind die Veränderungen: Welche Unternehmen sind neu dabei, welche herausgefallen und warum?

Was mache ich mit den Treffern?

Auf zehn bis zwanzig Kandidaten eindampfen und je Unternehmen fünf Fragen beantworten: Geschäftsmodell, Stabilität über mehrere Jahre, Abhängigkeiten, Bilanz und die Frage, was passieren müsste, damit du falsch liegst.

Funktionieren Screener auch für ETFs?

Dafür gibt es eigene Werkzeuge, die nach Kosten, Index, Region, Ausschüttungsart und Fondsgröße filtern. Viele Portfolios kombinieren ohnehin Einzelwerte und Fonds.

Eignet sich ein Screener für Einsteiger?

Ja, sofern klar ist, dass er nur die Vorauswahl übernimmt. Lege vorher fest, welche Strategie du verfolgst und wie du die Kriterien gewichtest – sonst werden die Filter so lange verändert, bis das gewünschte Ergebnis erscheint.

Ersetzt ein Screener die Fundamentalanalyse?

Nein. Er beantwortet die Frage, was du dir ansehen solltest, nicht die Frage, was du kaufen solltest. Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Liste.

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MarketScreener im Test – wer wissen will, was ein professionelles Werkzeug leistet, findet hier die Einordnung von Funktionen und Grenzen. Der Beitrag zeigt, wofür sich der Aufwand lohnt. Eine gute Ergänzung zur Frage, ob ein kostenpflichtiger Screener nötig ist.

KI-Aktien 2026 – ein Screening-Ergebnis ist nur so gut wie die Frage dahinter. Der Beitrag ordnet ein Thema ein, bei dem Bewertungen besonders weit auseinanderliegen. Damit lassen sich Treffer aus dem Technologiesektor besser einschätzen.

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine Anlageberatung. Funktionen und Konditionen der genannten Anbieter können sich ändern; maßgeblich sind die aktuellen Angaben des jeweiligen Anbieters. Mit „Anzeige“ gekennzeichnete Links sind Partnerlinks: Bei einem Abschluss kann alarm.de eine Provision erhalten.

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