KI-Aktien jenseits von Nvidia: Wer entlang der Halbleiter-Wertschöpfungskette wirklich vom KI-Boom profitiert
Bild: KI-generiert
Geschrieben von Michael Radtke · Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
Finanzen · KI-Zulieferer · Aktien

KI-Aktien jenseits von Nvidia 2026: Welche Zulieferer vom KI-Boom profitieren – und wie stark ihr Burggraben ist

Nvidia ist der bekannteste Name des KI-Booms – und der am stärksten beobachtete. Interessanter wird es bei den Unternehmen dahinter: Speicherhersteller, Auftragsfertiger, Anlagenbauer und die Anbieter von Strom, Kühlung und optischer Vernetzung – die gesamte Lieferkette hinter jedem KI-Rechenzentrum. Diese Seite geht die KI-Zulieferer einzeln durch und bewertet für jeden dieselbe Frage: Wie leicht ließe er sich ersetzen?

Redaktion alarm.de · Einordnung statt Empfehlung · ohne Kursziele · aktualisiert August 2026

Kurz beantwortet: Vom KI-Boom profitieren neben Nvidia vor allem die Zulieferer – Speicherhersteller wie SK Hynix, Micron und Samsung, Auftragsfertiger wie TSMC, Anlagenbauer wie ASML, Applied Materials und Lam Research sowie Infrastruktur-Anbieter für Strom, Kühlung und Vernetzung wie Vertiv und Coherent. Den stärksten Burggraben haben ASML bei der EUV-Belichtung, TSMC bei der Spitzenfertigung und die HBM-Speicherhersteller: Diese Stellen lassen sich kurzfristig nicht umgehen.

Die wichtigsten Erkenntnisse
  • Der bekannteste Name ist nicht automatisch die stärkste Position – entscheidend ist, wie ersetzbar ein Unternehmen an seiner Stelle in der Kette ist.
  • Die größten Burggräben liegen bei den Engpässen: EUV-Belichtung, Spitzenfertigung und Hochgeschwindigkeitsspeicher HBM.
  • Weniger bekannte Zulieferer hängen teilweise ebenso stark an der KI-Nachfrage wie die großen Namen. Geringere öffentliche Aufmerksamkeit bedeutet jedoch nicht automatisch eine günstigere Bewertung – kleinere Titel können zugleich stärker schwanken.
  • Das größte Risiko ist nicht Technik, sondern Nachfrage: Ob die KI-Umsätze die heutigen Rekordausgaben tragen, ist offen.
  • Die Kette ist geografisch konzentriert – vor allem USA, mit kritischen Knoten in den Niederlanden, Taiwan und Südkorea.

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Warum Nvidia nicht die ganze Geschichte ist

Nvidia liefert den Quasi-Standard für KI-Beschleuniger im Rechenzentrum, und die Stärke liegt nicht nur in den Chips selbst, sondern im Software-Ökosystem CUDA und im zugekauften Netzwerkgeschäft. Genau deshalb ist Nvidia einer der meistbeobachteten Werte der Branche. Ob die aktuellen Erwartungen im Kurs angemessen berücksichtigt sind, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.

Wer nach Nvidia-Alternativen sucht, landet schnell bei Zulieferern, die an anderen Stellen derselben KI-Infrastruktur verdienen. Der Blick auf sie lohnt aus einem nüchternen Grund: Ein Beschleuniger entsteht nicht aus sich selbst. Hinter ihm steht eine Lieferkette: Er braucht Speicher direkt daneben, eine Fertigung, die ihn überhaupt herstellen kann, Maschinen, die diese Fertigung ermöglichen, und ein Rechenzentrum, das ihn mit Strom versorgt und kühlt. An jeder dieser Stellen verdient jemand – und manche dieser Stellen sind schwerer zu ersetzen als der Chip selbst.

TrendForce erwartet für die neun größten Cloud Service Provider 2026 zusammen rund 830 Milliarden US-Dollar Investitionsausgaben – rund 79 Prozent mehr als 2025. TrendForce führt diesen Anstieg vor allem auf die KI-Nachfrage zurück. IDC prognostiziert für 2026 einen weltweiten Halbleiterumsatz von rund 1,29 Billionen US-Dollar und sieht insbesondere KI-Infrastruktur und Speicher als Wachstumstreiber. Ein erheblicher Teil dieser Ausgaben fließt in Chips, Speicher, Netzwerktechnik, Stromversorgung und Kühlung.

Die Halbleiter-Wertschöpfungskette im Überblick – wer zuerst die Struktur der Branche sehen will, bevor es um einzelne Unternehmen geht, findet dort die vier Stufen von der Belichtungsmaschine bis zur Kühlung nebeneinander. Diese Seite hier setzt eine Ebene tiefer an: Sie geht die Zulieferer einzeln durch und bewertet ihre Ersetzbarkeit. Beide Seiten ergänzen sich, statt dasselbe zweimal zu erzählen.

Der Burggraben als Maßstab

Statt Kursentwicklungen zu vergleichen, stellt diese Seite bei jedem Unternehmen dieselbe Frage: Wie leicht ließe es sich an seiner Stelle ersetzen? Drei Merkmale entscheiden darüber.

  • Wie viele Anbieter gibt es? Bei einem einzigen Anbieter liegt die Verhandlungsmacht offensichtlich nicht beim Kunden.
  • Was kostet ein Wechsel? Wenn eine Umstellung Jahre und Milliarden verschlingt, findet sie nicht statt, nur weil ein Wettbewerber günstiger ist.
  • Lässt sich die Leistung nachbauen? Manche Kunden können einen Zulieferer im eigenen Haus ersetzen – bei anderen Technologien ist das auf Sicht ausgeschlossen.

Wo alle drei Merkmale zusammenkommen, liegt ein echter Engpass – und damit häufig eine stärkere Verhandlungs- oder Preissetzungsmacht. Die folgenden Abschnitte tragen diese Einordnung bei jedem Unternehmen als kurze Angabe mit.

Die KI-Zulieferer im Überblick

Die Tabelle ordnet die wichtigsten Unternehmen nach ihrer Rolle und nach der Frage, wie ersetzbar sie an dieser Stelle sind.

BereichFunktion in der KI-KetteBeispiel-UnternehmenErsetzbarkeit
Chipdesign jenseits der GPUKundenspezifische Beschleuniger und NetzwerktechnikBroadcom, Marvell, AMDUmkämpft, aber mit langen Entwicklungszyklen
SpeicherHBM direkt am Beschleuniger, dazu MassenspeicherSK Hynix, Micron, Samsung, Sandisk, Seagate, Western DigitalHBM knapp – großer Engpass
Maschinen und FertigungAnlagen und Auftragsfertigung der ChipsASML, TSMC, Applied Materials, Lam Research, TeradyneSehr schwer ersetzbar
Rechenzentrums-InfrastrukturStrom, Kühlung, optische VernetzungVertiv, Coherent, Monolithic Power, JabilSchnell wachsend, teils stark zyklisch

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Wie die Burggraben-Einstufung zu lesen ist

Die Burggraben-Einstufung ist eine qualitative redaktionelle Einordnung der Ersetzbarkeit und keine objektive Kennzahl, Aktienbewertung oder Anlageempfehlung. Wettbewerb, Technologie und Kundenstrukturen können sich verändern.

Chipdesign jenseits der GPU

Nicht jeder KI-Chip ist eine Grafikeinheit. Große Cloud-Anbieter lassen zunehmend eigene Beschleuniger entwickeln, und zwischen den Chips muss der Datenverkehr organisiert werden – beides sind eigene Geschäfte.

BroadcomUSA

Profitiert doppelt: durch kundenspezifische KI-Chips für große Cloud-Anbieter und durch Netzwerk-Bausteine, die GPU-Cluster überhaupt erst miteinander verbinden.

Burggraben: hoch
MarvellUSA

Spezialist für maßgeschneidertes Silizium und Verbindungstechnik – ein wichtiger Zulieferer für die Datenautobahnen zwischen den Chips.

Burggraben: mittel
AMDUSA

Ernsthaftester Herausforderer im Beschleunigergeschäft, dazu starke Server-Prozessoren. Für Cloud-Betreiber als zweite Bezugsquelle attraktiv.

Burggraben: mittel
IntelUSA

Einstiger Primus im Umbruch: Server-Prozessoren, eigene Beschleuniger und der teure Versuch, als Auftragsfertiger zurückzukommen. Mehr Wende-Geschichte als reiner Boom-Profiteur.

Burggraben: im Umbau

Herausforderer im Chipgeschäft – neben den etablierten Namen drängen Spezialisten mit völlig anderen Architekturen in den Markt. Cerebras baut etwa Chips im Format eines ganzen Wafers statt vieler einzelner Bausteine. Was die ersten Umsatzzahlen eines solchen Herausforderers aussagen und wo die Grenze zwischen technischer Wette und tragfähigem Geschäft verläuft, ordnet der Beitrag ein. Für die Zulieferer ist das relevant, weil jeder ernsthafte Wettbewerber die Verhandlungsmacht der Cloud-Konzerne stärkt.

Speicher: der unterschätzte Engpass

KI-Modelle sind hungrig nach schnellem Speicher. Besonders High-Bandwidth-Memory, kurz HBM, der direkt neben den Beschleunigern sitzt, ist zum Nadelöhr geworden – und damit zu einem der wichtigsten Engpässe der KI-Lieferkette.

SK HynixSüdkorea

Führend bei HBM. Als Schlüssellieferant der größten Chip-Hersteller einer der direktesten Profiteure des Trainingsbedarfs.

Burggraben: hoch (HBM)
MicronUSA

Stellt HBM sowie Arbeits- und Flash-Speicher her. Der KI-Bedarf hat den gesamten Speichermarkt aus einer langen Schwächephase gezogen.

Burggraben: hoch (HBM)
Samsung ElectronicsSüdkorea

Großer Speicherhersteller, der bei HBM zuletzt Boden gutgemacht hat – TrendForce meldet Fortschritte bei Validierung und Lieferungen der neuesten HBM-Generation. Betreibt daneben eine eigene Auftragsfertigung.

Burggraben: hoch (HBM)
SandiskUSA

Eigenständiger Anbieter von NAND-Flash und Flash-basierten Speicherlösungen. Seit der Abspaltung von Western Digital 2025 als separates börsennotiertes Unternehmen tätig.

Burggraben: mittel
Western DigitalUSA

Konzentriert sich nach der Abspaltung des Flash-Geschäfts auf Festplatten und Massenspeicher für Hyperscaler, Cloud- und Rechenzentrumsanbieter.

Burggraben: mittel
SeagateUSA

Spezialist für große Festplatten zur günstigen Massenspeicherung. Für selten genutzte, dauerhaft vorgehaltene Daten vorerst konkurrenzlos günstig.

Burggraben: mittel

Maschinenbau und Fertigung

Niemand sieht diese Unternehmen im Endprodukt – aber ohne sie entsteht kein moderner Chip. Wer Maschinen und Fertigung kontrolliert, sitzt an den engsten Stellen der gesamten Kette.

ASMLNiederlande

Praktisch konkurrenzlos bei der EUV-Lithografie – der Technik, ohne die sich die feinsten Strukturen moderner Chips nicht belichten lassen.

Burggraben: sehr hoch
TSMCTaiwan

Größter Auftragsfertiger der Welt. Produziert die fortschrittlichsten KI-Chips für nahezu alle großen Designer und beherrscht das fortschrittliche Verpacken.

Burggraben: sehr hoch
Applied MaterialsUSA

Einer der weltweit größten Anbieter von Anlagen und Prozesstechnik für die Halbleiterfertigung. Jede neue Fabrik benötigt solche Maschinen für zentrale Prozessschritte.

Burggraben: hoch
Lam ResearchUSA

Spezialist für Ätz- und Beschichtungsanlagen, besonders wichtig für moderne Speicherchips – profitiert direkt vom HBM-Aufschwung.

Burggraben: hoch
TeradyneUSA

Liefert Testsysteme, die prüfen, ob fertige Chips fehlerfrei arbeiten, dazu ein Robotik-Geschäft. Leiser, aber unverzichtbarer Teil der Kette.

Burggraben: mittel

Strom, Kühlung, Licht

Ein Rechenzentrum ist mehr als ein Stapel Chips. Es braucht Stromversorgung, Kühlung und optische Verbindungen – und dieser Teil wächst gerade besonders schnell, weil die Leistungsdichte der KI-Systeme alle bisherigen Grenzen sprengt.

VertivUSA

Liefert Stromversorgung und Kühlung für Rechenzentren, inklusive Flüssigkühlung. Da KI-Server deutlich mehr Energie ziehen, einer der direktesten Infrastruktur-Profiteure.

Burggraben: mittel-hoch
CoherentUSA

Photonik- und Laserspezialist, dessen optische Komponenten Daten zwischen Servern mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Je größer die Cluster, desto wichtiger.

Burggraben: mittel
Monolithic PowerUSA

Spezialist für Stromversorgungs-Chips, die Energie präzise an Prozessoren und Beschleuniger verteilen – unscheinbar, aber wachsend.

Burggraben: mittel
Applied OptoelectronicsUSA

Hersteller optischer Netzwerkkomponenten. Ein kleinerer, stärker schwankender Wert, eng an den Ausbau der Rechenzentrums-Vernetzung gekoppelt.

Burggraben: niedrig
JabilUSA

Auftragsfertiger, der Hardware und Server-Infrastruktur für andere zusammenbaut – verlängerte Werkbank des gesamten Ausbaus.

Burggraben: niedrig
NXP SemiconductorsNiederlande

Stark in Automobil, Industrie und Edge statt im Rechenzentrum. Ehrlich eingeordnet: profitiert eher von KI am Rand als vom Rechenzentrums-Boom im Kern.

Burggraben: themenfern

Grenzen der Rechenzentrums-Infrastruktur – Strom, Kühlung und Fläche sind die drei Größen, an denen der Ausbau irgendwann hängt. Wie ernst das genommen wird, zeigt sich daran, dass große Anbieter über Rechenzentren im Erdorbit nachdenken; dort ließe sich in geeigneten Umlaufbahnen Solarenergie über lange Zeiträume nutzen, während zugleich ganz andere technische Probleme entstehen. Für die Zulieferer bedeutet es: Der Engpass wandert vom Chip zur Energie.

Das Muster hinter der Liste

Die meisten dieser Unternehmen sitzen in den USA – mit vier Ausnahmen an entscheidenden Stellen: ASML in den Niederlanden, TSMC in Taiwan sowie SK Hynix und Samsung in Südkorea. Genau dort liegen die engsten Stellen der Kette. Diese geografische Konzentration ist zugleich Stärke und Risiko: Sie macht die Glieder unverzichtbar, aber auch anfällig für Exportkontrollen und geopolitische Spannungen.

Die größten KI-Unternehmen nach Börsenwert – wer die Zulieferer nach ihrer Ersetzbarkeit sortiert hat, liest eine Rangliste nach Marktwert anders. Größe und Unverzichtbarkeit fallen nämlich regelmäßig auseinander: Ein Konzern kann sehr wertvoll sein und trotzdem austauschbare Produkte verkaufen. Die Übersicht ordnet die großen Namen mit dieser Unterscheidung ein.

Risiken: Was gegen die Euphorie spricht

Eine ehrliche Einordnung endet nicht bei den Chancen. Gerade weil diese Aktien so stark gestiegen sind, lohnt der nüchterne Blick auf das, was schiefgehen kann.

  • Hohe Investitionen und hohe Erwartungen. McKinsey schätzt den weltweiten Kapitalbedarf für Rechenzentren bis 2030 auf rund 6,7 Billionen US-Dollar, davon rund 5,2 Billionen für KI-bezogene Rechenkapazität. Ob die später erzielten Umsätze diese Investitionen rechtfertigen und ob die heutigen Bewertungen angemessen sind, bleibt eine offene Frage.
  • Kundenkonzentration. Ein großer Teil der Nachfrage stammt von einer Handvoll Cloud-Konzerne. Bremsen diese ihre Investitionen, trifft das die gesamte Kette gleichzeitig – Zulieferer oft härter als die bekannten Namen.
  • Zyklizität. Die Halbleiterbranche war immer ein Auf und Ab aus Überkapazitäten und Engpässen. Dass es diesmal anders sei, ist eine Annahme, keine Gewissheit.
  • Kleinere Werte schwanken stärker. Titel mit geringerer Marktkapitalisierung können stärkeren Kursschwankungen unterliegen – im Aufschwung ebenso wie in einer Korrektur.
  • Geopolitik und Engpässe. Exportkontrollen, die Konzentration der Spitzenfertigung in Taiwan und lange Lieferzeiten sind reale Risiken jenseits der Kontrolle einzelner Unternehmen.

Revolution oder Blase – diese Frage lässt sich seriös nicht beantworten, aber sauber auffalten. Auf der einen Seite stehen reale Umsätze, ausgebuchte Fertigungskapazitäten und ein Bedarf, der derzeit größer ist als das Angebot. Auf der anderen Seite stehen hohe Bewertungen, die Frage, welche Erwartungen darin bereits berücksichtigt sind, und die historische Erfahrung, dass Infrastruktur-Booms selten geradlinig verlaufen. Der Beitrag stellt beide Seiten mit ihren stärksten Argumenten gegenüber.

So liest du diese Branche als Anleger

Aus der Zuliefererperspektive folgt eine nüchterne Erkenntnis: Nicht jede KI-Aktie ist gleich, und die offensichtlichste ist nicht automatisch die mit dem besten Chancen-Risiko-Verhältnis. Wer ein Thema wie dieses ernsthaft prüft, denkt in Abhängigkeiten statt in Namen.

Drei Fragen helfen dabei mehr als jede Prognose. Erstens: Wie viele Anbieter gibt es in der Lieferkette für das, was dieses Unternehmen liefert? Zweitens: Was würde einen Kunden ein Wechsel kosten – an Geld und an Zeit? Drittens: Wovon hängt das Geschäft ab, das außerhalb der eigenen Kontrolle liegt, etwa von wenigen Großkunden, von Exportregeln oder von einer einzigen Fertigungsregion?

Wer diese drei Fragen für jeden Kandidaten beantwortet, bekommt keine Kaufliste, aber eine belastbare Rangfolge nach Abhängigkeit. In einer Branche mit dieser Konzentration ist das aussagekräftiger als die Frage, wer im letzten Quartal am stärksten gewachsen ist.

Prozess statt Bauchgefühl – mindestens so wichtig wie die Auswahl ist die eigene Entscheidungsdisziplin. In euphorischen Marktphasen entstehen die teuersten Fehler nicht aus falscher Analyse, sondern aus dem Gefühl, etwas zu verpassen. Ein festgelegter Ablauf für Auswahl, Positionsgröße und Ausstieg wirkt dagegen wie ein Geländer. Der Beitrag zeigt, wie ein solcher Ablauf aussehen kann.

Kleine Atomreaktoren als KI-Infrastruktur-Wette – die Kette endet nicht beim Chip, sondern beim Strom. Rechenzentren dieser Größenordnung brauchen Leistung rund um die Uhr, und daraus ist ein eigenes Anlagethema entstanden: kleine, modulare Reaktoren als Antwort auf den Energiehunger. Ob daraus ein tragfähiges Geschäft oder eine teure Wette wird, ist offen. Der Beitrag nimmt die Unternehmen und die Zeitachse dahinter auseinander.

In KI-Zulieferer investieren

Die Zulieferer aus diesem Beitrag – von den Speicherherstellern bis zu den Anlagenbauern – sind größtenteils börsennotiert. Welche Titel über ein deutsches Depot tatsächlich verfügbar sind, hängt vom Broker und vom Handelsplatz ab. Unser KI-Aktien-Überblick zeigt die unterschiedlichen Wege und worauf du bei Auslandswerten achten solltest.

KI-Aktien kaufen – hier geht es weiter Ratgeber auf alarm.de

Glossar und häufige Fragen

HBM (High-Bandwidth-Memory)

Besonders schneller Speicher, der direkt neben dem KI-Beschleuniger sitzt. Derzeit knapp und schwer herzustellen – ein zentraler Engpass.

EUV-Lithografie

Belichtungsverfahren mit extrem ultraviolettem Licht, das die feinsten Strukturen moderner Chips ermöglicht. Wird praktisch nur von ASML beherrscht.

Foundry (Auftragsfertiger)

Ein Unternehmen, das Chips für andere produziert, ohne sie selbst zu entwerfen. Größter Anbieter ist TSMC.

Fortschrittliches Verpacken

Verfahren, das Beschleuniger und Speicher in einem Bauteil zusammenbringt. Ein eigener Engpass neben der Fertigung selbst.

Hyperscaler

Große Cloud-Konzerne, deren Investitionen die KI-Nachfrage maßgeblich antreiben.

Wer profitiert vom KI-Boom außer Nvidia?

Vor allem die Zulieferer: Speicherhersteller wie SK Hynix, Micron und Samsung, Auftragsfertiger wie TSMC, Anlagenbauer wie ASML, Applied Materials und Lam Research sowie Anbieter für Stromversorgung, Kühlung und optische Vernetzung wie Vertiv und Coherent. Dazu kommen Chipdesigner jenseits der GPU wie Broadcom und Marvell, die kundenspezifische Beschleuniger und Netzwerktechnik liefern.

Was bedeutet Burggraben bei KI-Zulieferern?

Wie leicht sich ein Unternehmen an seiner Stelle in der Kette ersetzen ließe. Ein hoher Burggraben bedeutet, dass ein Kunde nicht einfach zum Wettbewerber wechseln kann – etwa bei der EUV-Belichtung, wo es praktisch nur einen Anbieter gibt. Ein niedriger Burggraben bedeutet, dass Kunden leichter zwischen mehreren Anbietern wechseln können – das kann die Verhandlungs- und Preissetzungsmacht des Zulieferers begrenzen.

Welche KI-Zulieferer haben den stärksten Burggraben?

ASML bei der EUV-Belichtung, TSMC bei der Spitzenfertigung und beim fortschrittlichen Verpacken sowie die HBM-Speicherhersteller. Diese Stellen lassen sich kurzfristig nicht umgehen. Am anderen Ende stehen stärker austauschbare Komponenten- und Systemfertiger, bei denen Kunden zwischen mehreren Anbietern wählen können.

Was ist HBM und warum ist es so wichtig?

HBM steht für High-Bandwidth-Memory, einen besonders schnellen Speicher direkt neben den KI-Beschleunigern. Er ist knapp und schwer herzustellen – was SK Hynix, Micron und Samsung zu Schlüsselprofiteuren macht.

Sind KI-Zulieferer weniger riskant als Nvidia?

Nicht automatisch. Zulieferer hängen an derselben Nachfrage und teilweise an noch weniger Kunden. Geringere öffentliche Aufmerksamkeit bedeutet nicht automatisch eine günstigere Bewertung; kleinere Unternehmen können zugleich stärkeren Kursschwankungen ausgesetzt sein.

Welche Risiken haben KI-Zuliefereraktien?

Hohe Bewertungen, Abhängigkeit von wenigen Großkunden, die Zyklizität der Halbleiterbranche, geopolitische Risiken durch die Konzentration in wenigen Ländern und die offene Frage, ob die KI-Umsätze die heutigen Rekordinvestitionen langfristig rechtfertigen. Vergangene Kursgewinne sind keine Garantie für die Zukunft.

Wie erkenne ich einen Engpass in der Lieferkette?

An drei Merkmalen: Es gibt wenige oder nur einen Anbieter, ein Wechsel würde den Kunden Jahre kosten, und die Leistung lässt sich nicht ohne Weiteres im eigenen Haus nachbauen. Wo alle drei zutreffen, liegt häufig eine stärkere Verhandlungs- oder Preissetzungsmacht beim Zulieferer.

Sind das Kaufempfehlungen?

Nein. Dieser Beitrag ordnet ein Investmentthema ein und erklärt die Struktur einer Branche. Er nennt bewusst keine Kursziele und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich.

Risikohinweis und keine Anlageberatung. Die Inhalte dieses Beitrags dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Investitionen in Aktien und andere Finanzprodukte sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Vergangene Kursentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Genannte Unternehmen sind Beispiele zur Veranschaulichung der Lieferkette und keine Empfehlung. Marktdaten und Schätzungen stammen aus öffentlich zugänglichen Branchenquellen, unter anderem von IDC, TrendForce und McKinsey, und können sich jederzeit ändern. Investmententscheidungen liegen ausschließlich in deiner Verantwortung.

Lesetipp: Ein konkretes Beispiel aus der Nvidia-Konkurrenz — was die ersten Umsatzzahlen über den KI-Chip-Hersteller Cerebras verraten.
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