Stalkerware-Leak Fast 90000 Screenshots vom Handy eines Prominenten standen offen im Netz
Bild: KI-generiert
Geschrieben von Michael Radtke · Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2026

Stalkerware-Leak: Fast 90.000 Screenshots vom Handy eines Prominenten standen offen im Netz

Aktualisiert: 9. Juni 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten · Thema: Stalkerware, Überwachung & Datenschutz

Eine als harmlose „Überwachungs-App" vermarktete Stalkerware hat offenbar das komplette digitale Leben einer prominenten europäischen Person abgegriffen – von privaten Nachrichten bis zu intimen Fotos. Das Brisante: Die gesammelten Daten lagen ungeschützt und für jeden zugänglich im Netz, bis ein Sicherheitsforscher die Panne aufdeckte. Der Fall ist genau das Worst-Case-Szenario, vor dem Datenschützer seit Jahren warnen: Stalkerware verletzt nicht nur die Privatsphäre der Opfer – die gesammelten Daten können auch noch durch Dritte missbraucht werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was: Der Forscher Jeremiah Fowler entdeckte eine ungesicherte, frei zugängliche Datenbank mit rund 86.859 Screenshots vom Gerät einer Person.
  • Quelle: Die Bilder stammen mutmaßlich aus Stalkerware und dokumentierten Aktivitäten und Chats aus WhatsApp, Facebook, Instagram und TikTok.
  • Inhalt: Private und intime Nachrichten, Fotos, dazu Telefonnummern, E-Mails, Rechnungen und Ausweisdokumente.
  • Ursache: Eine fehlkonfigurierte, nicht passwortgeschützte Ablage – ein häufiger Fehler.
  • Opferschutz: Die betroffene Person wurde nicht öffentlich benannt; der Forscher informierte sie und die Behörden.

Was ist passiert?

Der Sicherheitsforscher Jeremiah Fowler stieß auf eine frei im Netz zugängliche, nicht passwortgeschützte Datenbank mit 86.859 Bildern – fast 90.000 Screenshots, die das Privatleben einer einzelnen Person dokumentierten. Die Aufnahmen wirkten wie direkt vom Smartphone abgegriffen und protokollierten Aktivitäten und Chats aus WhatsApp, Facebook, Instagram und TikTok. Erfasst wurden private und teils intime Kommunikation sowie Fotos, dazu sensible Daten wie Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Rechnungen, Belege und sogar Ausweisdokumente. Als Opfer identifizierte Fowler eine prominente europäische Persönlichkeit aus dem Medien- und Unternehmensumfeld – ihren Namen nannte er zum Schutz der Privatsphäre nicht. Er benachrichtigte die Betroffenen und die Strafverfolgungsbehörden.

Nach Fowlers Einschätzung wurde die Datenbank nicht vom Anbieter der Software betrieben, sondern von einer Einzelperson, die damit gezielt einen Menschen überwachte. Der Grund für die Offenlegung war banal und gerade deshalb erschreckend: Die Ablage war schlicht nicht mit einem Passwort geschützt. So konnte jeder, der den ungesicherten Server fand, auf das gesamte Material zugreifen.

Stalkerware

Stalkerware ist Spionagesoftware, die heimlich auf dem Gerät eines Opfers installiert wird – häufig durch eine Person aus dem nahen Umfeld mit physischem Zugriff. Sie liest Nachrichten mit, verfolgt den Standort, greift auf Fotos zu und kann teils Mikrofon oder Kamera aktivieren. Vermarktet wird sie oft beschönigend als „Kindersicherung" oder „Mitarbeiter-Monitoring".

Warum Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hier nicht hilft

Viele verlassen sich darauf, dass Dienste wie WhatsApp Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Das schützt Nachrichten aber nur auf dem Transportweg. Sobald eine Nachricht auf dem Bildschirm angezeigt wird, kann Stalkerware sie per Screenshot abgreifen – die Verschlüsselung wird damit faktisch umgangen. Genau das zeigt dieser Fall: Nicht die Verschlüsselung wurde gebrochen, sondern das Gerät selbst kompromittiert.

Die doppelte Gefahr

Stalkerware ist schon für sich genommen ein gravierender Eingriff. Der eigentliche Albtraum entsteht aber durch die zweite Ebene: Diese Werkzeuge sammeln die Daten nicht nur, sie zentralisieren sie auf – oft schlecht gesicherten – Servern. Wird ein solcher Server fehlkonfiguriert, weitet sich der Schaden schlagartig aus. Aus der Überwachung einer Person wird ein öffentliches Datenleck. Und es bleibt nicht bei einem Opfer: Weil die Screenshots auch Gespräche mit Kontakten, Geschäftspartnern, Influencern und Familie enthalten, sind plötzlich ganze Netzwerke betroffen. Solche Daten eignen sich für gezielte Betrugsmaschen, Identitätsmissbrauch und Erpressung.

Hinweis für Betroffene

Wenn du befürchtest, dass dein Gerät von einer nahestehenden Person überwacht wird, kann das vorschnelle Entfernen der Software die Situation verschärfen – etwa, weil der Täter alarmiert wird. In Missbrauchssituationen steht deine Sicherheit an erster Stelle.

Spezialisierte Hilfe und Anleitungen bietet etwa die Coalition Against Stalkerware; im Notfall sind lokale Beratungsstellen und die Polizei die richtigen Ansprechpartner.

Stalkerware erkennen und entfernen

Es gibt typische Warnzeichen, auch wenn keines davon ein Beweis ist: ein plötzlich schnell leerer Akku, ungewöhnliche Wärmeentwicklung, auffälliger Datenverbrauch, unbekannte Apps oder Geräte-Verwaltungs-/Konfigurationsprofile, die du nicht selbst eingerichtet hast. Geh die installierten Apps und Berechtigungen durch, prüfe Geräteverwaltungs-Rechte und halte das Betriebssystem aktuell – Sicherheitsupdates entfernen manche Schadsoftware. Mobile Sicherheitslösungen können bei der Erkennung helfen. Wichtig bleibt der Sicherheitshinweis oben: Wenn ein persönliches Risiko im Raum steht, hole dir vor dem Entfernen Unterstützung.

Was du sonst tun kannst

  • Physischen Zugang schützen: Ein starker, geheimer Sperrcode verhindert die heimliche Installation – Stalkerware braucht meist kurzen physischen Zugriff.
  • Apps & Rechte prüfen: Kontrolliere regelmäßig installierte Apps, Berechtigungen und Geräteverwaltungs-Profile.
  • Updates einspielen: Halte Betriebssystem und Apps aktuell, um bekannte Lücken zu schließen.
  • Konten absichern: Nutze starke, einzigartige Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und – wo möglich – Passkeys.
  • Datensparsam bleiben: Je weniger Sensibles dauerhaft auf dem Gerät liegt, desto kleiner der mögliche Schaden.
  • Im Verdachtsfall Hilfe holen: Bei Anzeichen gezielter Überwachung lieber spezialisierte Beratung einbeziehen, statt vorschnell zu handeln.

Kurzer Hinweis für Krypto-Nutzer

Der Fall hat auch eine Lehre für alle, die Kryptowährungen halten: Ein Screenshot erfasst genau das, was auf dem Bildschirm steht – also auch eine angezeigte Wallet, eine Adresse oder im schlimmsten Fall eine eingetippte Wiederherstellungsphrase. Deshalb gilt unverändert: Zeige oder tippe deine Seed Phrase niemals auf einem internetfähigen Smartphone und verwahre Schlüssel offline. Mehr dazu in unserem Krypto-Bereich.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist bei diesem Stalkerware-Leak passiert?
Der Forscher Jeremiah Fowler fand eine ungesicherte, frei zugängliche Datenbank mit rund 86.859 Screenshots vom Gerät einer Person, mutmaßlich per Stalkerware gesammelt. Sie enthielt private Nachrichten, Fotos und sensible Daten und war wegen einer fehlenden Passwortsicherung öffentlich abrufbar.
Wer war betroffen?
Eine prominente europäische Persönlichkeit aus dem Medien- und Unternehmensumfeld, deren Name zum Schutz der Privatsphäre nicht veröffentlicht wurde. Über die Kontakte in den Chats waren indirekt auch weitere Personen betroffen. Der Forscher informierte die Betroffenen und die Behörden.
Schützt Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nicht davor?
Nein. Sie schützt Nachrichten nur auf dem Transportweg. Sobald Inhalte auf dem Bildschirm erscheinen, kann Stalkerware sie per Screenshot abgreifen – das Gerät selbst ist dann das Leck, nicht die Verschlüsselung.
Wie erkenne ich Stalkerware auf meinem Handy?
Warnzeichen sind unter anderem schneller Akkuverbrauch, Überhitzung, hoher Datenverbrauch sowie unbekannte Apps oder Konfigurationsprofile. Prüfe Apps, Berechtigungen und Geräteverwaltungs-Rechte und halte das System aktuell. In möglichen Missbrauchssituationen solltest du dir vor dem Entfernen Unterstützung holen, da dies den Täter alarmieren kann.
Was hat das mit Kryptowährungen zu tun?
Screenshots erfassen alles, was auf dem Bildschirm sichtbar ist – auch Wallet-Inhalte oder eine eingetippte Seed Phrase. Deshalb sollten Schlüssel offline verwahrt und niemals auf einem internetfähigen Smartphone angezeigt oder eingegeben werden.

Mehr zum Thema

Sicherheit auf alarm.de

In unserem Sicherheits-Bereich bündeln wir Analysen zu Spyware, Stalkerware und digitaler Selbstverteidigung. Wir erklären verständlich, wie du Überwachung erkennst und dich schützt. So setzt du die wirksamsten Maßnahmen um – mit Rücksicht auf deine persönliche Sicherheit.

Zukunft & Technik auf alarm.de

Im Zukunfts-Bereich beleuchten wir, wie sich Überwachungstechnik und Datenökosysteme entwickeln. Wir ordnen ein, welche Risiken neue Werkzeuge mit sich bringen und was das für deine Privatsphäre bedeutet. So erkennst du Entwicklungen, bevor sie zum Problem werden.

Krypto-Sicherheit: Alle Beiträge im Überblick

In unserem Krypto-Bereich zeigen wir, wie du digitale Vermögenswerte vor Geräte- und Spyware-Risiken schützt. Du erfährst, warum Schlüssel offline gehören und der Bildschirm eines Smartphones niemals sicher ist. So bleibt dein Vermögen auch bei kompromittierten Geräten geschützt.

Der alarm.de-Blog

Im Blog greifen wir aktuelle Entwicklungen aus Sicherheit, Datenschutz und Technik auf und ordnen sie ein. Statt reiner Schlagzeilen findest du hier den Kontext und die praktische Relevanz für dich. Regelmäßige Beiträge halten dich auf dem Laufenden, ohne dass du selbst lange recherchieren musst.

Quellen u. a.: Wired sowie die Recherche von Jeremiah Fowler (veröffentlicht über ExpressVPN) und ergänzende Berichterstattung (u. a. Cybernews, Bitdefender). Angaben ohne Gewähr; Informationsstand: Juni 2026.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information zur IT-Sicherheit und stellt keine Rechtsberatung dar. Stalkerware und das heimliche Ausspähen anderer Personen sind in vielen Ländern strafbar. Wer sich überwacht fühlt oder in einer bedrohlichen Situation ist, sollte spezialisierte Beratungsstellen oder die Polizei einbeziehen.

Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben →
Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin →