Privatinsolvenz, Restschuldbefreiung und Umschuldung – das große Glossar
Wie lange dauert es? Was bleibt trotzdem übrig? Haftet der Bürge weiter? Und wann ist Umschulden noch die bessere Lösung als das Verfahren? Dieses Glossar beantwortet die Fragen, die tatsächlich gestellt werden – nüchtern und vollständig, auch da, wo die Antwort unangenehm ist.
Das Wichtigste in drei Sätzen: Die Privatinsolvenz dauert seit der Reform 2020 regulär drei Jahre bis zur Restschuldbefreiung. Nicht alles wird erlassen – Geldstrafen, Unterhaltsrückstände und Schulden aus vorsätzlich unerlaubter Handlung bleiben bestehen. Und der Punkt, den fast alle übersehen: Ein Bürge oder Mitkreditnehmer haftet trotz deiner Restschuldbefreiung in voller Höhe weiter.
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Privatinsolvenz: Ablauf, Dauer, Voraussetzungen
Privatinsolvenz Dauer: 3 Jahre, 5 Jahre oder 6 Jahre?
Seit der Reform von 2020 dauert das Verfahren regulär drei Jahre bis zur Restschuldbefreiung – unabhängig davon, wie viel du zahlen konntest. Die früheren Fristen von fünf oder sechs Jahren gelten nur noch für Altverfahren. Voraussetzung ist, dass du deine Obliegenheiten erfüllst.
Obliegenheiten und Obliegenheitsverletzung
Das sind deine Pflichten im Verfahren: Erwerbstätigkeit ausüben oder sich nachweislich darum bemühen, jeden Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel melden, Erbschaften zur Hälfte abgeben, keine neuen Schulden machen und keinen Gläubiger bevorzugen. Wer dagegen verstößt, riskiert die Versagung der Restschuldbefreiung – nach drei Jahren stünde man dann mit denselben Schulden da.
Privatinsolvenz bei 1.000, 5.000 oder 15.000 Euro Schulden
Es gibt keine Mindestsumme. Bei kleineren Beträgen lohnt sich der Aufwand aber selten: Eine Ratenvereinbarung oder ein Vergleich mit den Gläubigern ist schneller und hinterlässt keinen Insolvenzvermerk. Die kostenlose Schuldnerberatung rechnet dir beides gegenüber – ohne dir etwas zu verkaufen.
Privatinsolvenz zweimal – geht das?
Ja, aber erst nach einer Sperrfrist: Nach einer erteilten Restschuldbefreiung sind es elf Jahre bis zum nächsten Antrag. Wurde die Restschuldbefreiung versagt, gelten kürzere Fristen. Ein zweites Verfahren ist also möglich, aber kein schneller Ausweg.
Privatinsolvenz mit Ehepartner, Kindern, Familie
Die Insolvenz betrifft nur die Person, die den Antrag stellt – der Ehepartner bleibt außen vor, solange er nicht mitunterschrieben hat. Unterhaltspflichten wirken sich dagegen zu deinen Gunsten aus: Je mehr Personen du unterhältst, desto höher liegt dein pfändungsfreier Betrag. Die aktuellen Grenzen: Pfändungsfreigrenzen.
Durchschnittliche Quote in der Privatinsolvenz
Sie ist niedrig – in vielen Verfahren gehen die Gläubiger fast leer aus, weil kein pfändbares Einkommen vorhanden ist. Das ist kein Makel, sondern der Zweck des Verfahrens: Es geht um den wirtschaftlichen Neuanfang, nicht um eine Rückzahlungsquote.
Lottogewinn, Erbschaft oder 13. Monatsgehalt während der Insolvenz
Ein Lottogewinn fällt in die Insolvenzmasse und geht an die Gläubiger. Erbschaften musst du zur Hälfte abgeben. Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld sind bis zu einer bestimmten Höhe geschützt, das 13. Gehalt anteilig pfändbar. Verschweigen ist keine Option – das ist eine Obliegenheitsverletzung und kostet die Restschuldbefreiung.
Was passiert mit dem Auto in der Privatinsolvenz?
Entscheidend ist, ob es abbezahlt ist und ob du es für die Arbeit brauchst. Ein Fahrzeug, das für den Weg zur Arbeit nötig ist, gilt in der Regel als unpfändbar, solange sein Wert im Rahmen bleibt. Ein finanziertes Auto gehört dagegen der Bank – dort entscheidet der Vertrag, nicht das Verfahren.
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Restschuldbefreiung: erteilt – und dann?
Muss die Restschuldbefreiung beantragt werden?
Ja. Der Antrag wird zusammen mit dem Insolvenzantrag gestellt – ohne ihn läuft das Verfahren, aber am Ende bleiben die Schulden. Das Gericht erteilt sie nach Ablauf der drei Jahre durch Beschluss, wenn keine Versagungsgründe vorliegen.
Beschluss der Restschuldbefreiung: Rechtskraft
Der Beschluss wird rechtskräftig, wenn innerhalb der Frist kein Gläubiger Beschwerde einlegt – üblicherweise nach zwei Wochen. Erst dann bist du die Schulden tatsächlich los. Bewahre den Beschluss auf: Du brauchst ihn für Auskunfteien, Banken und Behörden.
Restschuldbefreiung der SCHUFA mitteilen und löschen lassen
Genau hier verlieren die meisten Monate. Die Auskunfteien löschen den Vermerk nicht immer automatisch und nicht immer pünktlich. Sende ihnen den rechtskräftigen Beschluss und fordere die Löschung an – auch bei Creditreform, infoscore und CRIF, nicht nur bei der SCHUFA. Wie du dabei vorgehst: Eintrag löschen lassen.
Kann eine Restschuldbefreiung rückgängig gemacht werden?
Ja, in engen Grenzen: Wenn sich nachträglich herausstellt, dass du Vermögen verschwiegen oder Obliegenheiten verletzt hast, kann ein Gläubiger den Widerruf beantragen – bis zu einem Jahr nach Rechtskraft. Wer ehrlich war, muss das nicht fürchten.
Welche Schulden bleiben trotz Restschuldbefreiung?
Nicht alles wird erlassen. Bestehen bleiben unter anderem: Forderungen aus vorsätzlich unerlaubter Handlung (etwa Betrug), Geldstrafen und Bußgelder, Unterhaltsrückstände bei vorsätzlicher Pflichtverletzung sowie Steuerschulden aus Steuerhinterziehung samt Hinterziehungszinsen. Das trifft viele überraschend – prüfe es vorher.
Und der Bürge? Haftet er weiter?
Ja – und das ist der bitterste Punkt des ganzen Verfahrens. Die Restschuldbefreiung wirkt nur für dich, nicht für Mitverpflichtete. Bürge und Mitkreditnehmer haften nach deiner Entschuldung in voller Höhe weiter. Wer eine Bürgschaft im Rücken hat, muss vorher mit dieser Person sprechen.
Kredit während der Wohlverhaltensphase oder Geld leihen in der Privatinsolvenz
Neue Verbindlichkeiten ohne Absprache sind eine Obliegenheitsverletzung – du riskierst nach Jahren des Durchhaltens die Restschuldbefreiung. Wer dringend Geld braucht, spricht zuerst mit dem Insolvenzverwalter oder der Schuldnerberatung. Für Angestellte ist ein Gehaltsvorschuss der Weg, der keine neue Schuld erzeugt.
Kredit nach der Privatinsolvenz – ab wann wieder möglich?
Sobald die Restschuldbefreiung erteilt und der Vermerk gelöscht ist, wird der reguläre Markt wieder erreichbar – vorher praktisch nicht. Die Reihenfolge entscheidet: erst Löschung prüfen, dann Score aufbauen, dann anfragen. Der vollständige Fahrplan: Kredit nach der Privatinsolvenz.
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Umschuldung und Dispo
Ab wann ist eine Umschuldung sinnvoll?
Sobald der neue Effektivzins spürbar unter dem alten liegt und die Restlaufzeit nicht künstlich gestreckt wird. Bei Verbraucherkrediten ist die Vorfälligkeitsentschädigung gesetzlich gedeckelt – der Wechsel rechnet sich deshalb häufiger, als die meisten glauben. Fordere bei deiner Bank die Ablösesumme an; sie muss sie dir nennen.
Dispo ablösen und umschulden
Der Dispo ist fast immer die teuerste Position im ganzen Haushalt – teurer als jeder Ratenkredit. Wer ihn durch einen Ratenkredit ersetzt, spart oft dreistellig pro Jahr und bekommt zugleich eine feste Tilgung statt einer Dauerschleife. Wie du vorgehst: Dispo ablösen.
Mehrere Kredite zu einer Rate zusammenfassen
Der eigentliche Gewinn liegt nicht nur im Zins, sondern in der Ordnung: eine Rate, ein Termin, keine vergessenen Lastschriften mehr. Rücklastschriften erzeugen selbst wieder Negativeinträge – wer sie abstellt, verbessert seinen Score allein dadurch. Details: Umschuldung.
Die Falle bei Umschuldungsangeboten
Eine niedrigere Monatsrate fühlt sich nach Erfolg an – und ist oft nur eine doppelt so lange Laufzeit. Vergleiche deshalb immer die Gesamtkosten, nicht die Rate. Und achte auf die mitverkaufte Restschuldversicherung: teuer, selten nötig, niemals Voraussetzung für eine Zusage.
Geld leihen für 1 Woche, 14 Tage, 30 Tage oder 1 Monat
Für echte Kurzfristigkeit ist ein Ratenkredit das falsche Werkzeug. Sinnvoll sind: Gehaltsvorschuss, Ratenzahlung beim Händler, ein Privatdarlehen im Umfeld – oder, wenn es sein muss, ein Kleinkredit mit kurzer Laufzeit. Was sich rechnet: 1.000-Euro-Kredit.
Geld leihen ohne Zinsen – Freunde, Familie, Crowdlending
Zinsfrei leihen können nur Privatpersonen. Wenn du das tust: schriftlich festhalten, mit Summe, Rückzahlungsplan und Datum. Das schützt die Beziehung mehr als jedes Vertrauen – und es schützt auch den, der leiht.
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Die anderen Glossare
Fast jede Ablehnung hat einen konkreten Grund – eine eidesstattliche Versicherung, ein Inkassoverfahren, die Probezeit, ein Eintrag im Schuldnerverzeichnis. Welcher Grund welche Wirkung hat und wo noch etwas geht, steht in Kredit trotz … – das große Glossar aller Sonderfälle. Der Kern dort ist eine einzige Unterscheidung: Ein niedriger Score verteuert den Kredit, ein hartes Negativmerkmal beendet die Prüfung, bevor ein Mensch den Antrag sieht. Wer weiß, welche Kategorie auf ihn zutrifft, spart sich die Runde durch die Banken – und weiß sofort, ob der Weg über einen Vermittler, einen zweiten Kreditnehmer oder Sicherheiten führt.
Am Anfang jeder Kreditfrage steht die Auskunft – und die wenigsten wissen, was dort überhaupt gespeichert ist. Wie du deine vollständige Auskunft kostenlos bekommst, was die Punkte bedeuten, wodurch Einträge entstehen und wie du sie loswirst, steht in SCHUFA – Auskunft, Score, Einträge, Löschung. Zwei Sätze daraus sparen am meisten Geld: Die Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO kostet nichts, und bezahlt heißt nicht gelöscht – eine erledigte Forderung wirkt weiter, bis die Frist abgelaufen ist.
„Ohne SCHUFA", „ohne Bonitätsprüfung", „ohne Nachweise" – hinter diesen Suchen steckt Hoffnung, und genau dort setzen die unseriösen Anbieter an. Was davon tatsächlich existiert und wo der Betrug beginnt, trennt Kredit ohne … – das große Glossar sauber auf. Kurz gesagt: Kredite ohne deutsche SCHUFA-Abfrage gibt es (Auslandsbanken, dafür strengere Einkommensprüfung), Kredite ganz ohne Prüfung nicht – die ist gesetzlich vorgeschrieben. Und die eine Regel, die dich vor der Mehrheit der Fallen schützt: Vor der Auszahlung fließt kein Geld von dir zum Anbieter.
Wer du bist und wofür du finanzierst, entscheidet über die Konditionen – oft mehr als der Score. Beamte bekommen andere Angebote als Selbstständige, ein Autokredit ist billiger als ein freier Ratenkredit, und für Wärmepumpe oder Sanierung ist die KfW fast immer günstiger als jede Bank. Die vollständige Übersicht nach Personengruppen, Zwecken und Beträgen steht in Kredit für … – Personengruppen, Zwecke und Beträge. Dort steht auch, wofür sich ein Kredit ausdrücklich nicht lohnt – und das ist mehr, als die Werbung zugibt.
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Solange eine Pfändung läuft, entscheidet nicht die Auskunft über deinen Alltag, sondern der pfändungsfreie Betrag. Wie viel dir bleibt, hängt von deinem Einkommen und der Zahl der Unterhaltspflichten ab – die aktuellen Werte stehen in Pfändungsfreigrenzen. Und der wichtigste Schutzschritt ist nicht der Kredit, sondern das P-Konto: Ohne es kann das Konto blockiert werden, obwohl dir das Geld eigentlich zusteht.
Ob überhaupt noch jemand finanziert, hängt danach an einer einzigen Frage: Steht der Vermerk noch in deiner Auskunft? Welche Merkmale hart sind und welche nur den Zins verteuern, erklärt Kredit trotz SCHUFA. Wer das kennt, verschwendet keine Anfragen mehr an Banken, die ohnehin ablehnen – und jede vermiedene harte Anfrage schont den Score.
Und wenn die Summe aller Raten dauerhaft höher ist als das, was nach Miete und Leben übrig bleibt, hilft weder Umschuldung noch ein weiterer Kredit. Dann ist der Weg raus aus den Schulden über eine Schuldnerberatung die ehrlichere Adresse: kostenlos, gemeinnützig, und sie verkauft dir nichts.
Über den Autor: Michael Radtke schreibt auf alarm.de über Finanzen, Kredit und digitale Sicherheit. Der Anspruch: keine Versprechen, die niemand halten kann – sondern die Wege benennen, die es wirklich gibt, und die Fallen, die dabei lauern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Schuldner- oder Insolvenzberatung. Ob eine Finanzierung möglich ist, entscheidet der jeweilige Anbieter im Einzelfall. Einzelne Links auf dieser Seite sind Werbelinks – klickst du darauf und schließt ab, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.