Privatinsolvenz: Ablauf, Dauer und die Phasen – einfach erklärt
Im Regelfall drei Jahre, vier Phasen, ein Ziel: schuldenfrei. Was in diesen drei Jahren wirklich passiert, wann welcher Schritt kommt und woran es scheitern kann – hier steht der komplette Ablauf der Privatinsolvenz, ohne Juristendeutsch.
Kurz beantwortet: Die Abtretungsfrist beträgt im Regelfall drei Jahre ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens – unabhängig davon, wie viel du zurückzahlen konntest; in bestimmten Wiederholungsfällen sind es fünf Jahre. Der Ablauf hat vier Stationen: 1. außergerichtlicher Einigungsversuch mit den Gläubigern, 2. Antrag beim Insolvenzgericht, 3. Eröffnung und Verfahren, 4. Wohlverhaltensphase bis zur Restschuldbefreiung. Der pfändbare Teil deines Einkommens wird in dieser Zeit abgeführt – im eröffneten Verfahren an den Insolvenzverwalter, danach an den Treuhänder. Alles darunter bleibt dir.
Privatinsolvenz Ablauf Phasen: das Insolvenzverfahren als Schaubild
Wer nach einem Privatinsolvenz Ablauf Schaubild sucht, will eigentlich diese vier Zeilen – die Phasen in der Reihenfolge, in der sie kommen. Gesucht wird das auch als Privatinsolvenz Ablauf Insolvenzverfahren Schaubild oder Privatinsolvenz Ablauf Restschuldbefreiung, weil beide Schritte zusammengehören:
| Phase | Was passiert | Dauer |
|---|---|---|
| 1. Außergerichtliche Einigung | Die Schuldnerberatung erstellt einen Schuldenbereinigungsplan und legt ihn allen Gläubigern vor. Stimmen alle zu, ist keine Insolvenz nötig. | Wochen bis Monate |
| 2. Antrag beim Gericht | Scheitert die Einigung, bescheinigt die Beratungsstelle das. Mit dieser Bescheinigung stellst du den Antrag beim Insolvenzgericht – zusammen mit dem Antrag auf Restschuldbefreiung. | Wochen |
| 3. Eröffnetes Verfahren | Das Gericht eröffnet und bestellt einen Insolvenzverwalter, der pfändbares Vermögen verwertet. Einzelvollstreckungen der Insolvenzgläubiger sind grundsätzlich unzulässig. Gläubiger melden ihre Forderungen an. | meist mehrere Monate |
| 4. Wohlverhaltensphase | Nach Beendigung des Insolvenzverfahrens geht der pfändbare Teil deines Einkommens an den Treuhänder, und du erfüllst deine Obliegenheiten. Danach erteilt das Gericht die Restschuldbefreiung. | bis zum Ende der Abtretungsfrist (im Regelfall drei Jahre) |
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Die vier Stationen sind ein vereinfachtes Grundmodell. Je nach Fall kann zwischen Antrag und Eröffnung noch ein gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan liegen; außerdem kann das eröffnete Insolvenzverfahren im Einzelfall über das Ende der Abtretungsfrist hinaus andauern.
Engpass überbrücken, ohne neue Schulden
Kein klassischer Kredit: MyWage kauft einen Teil des bereits verdienten Arbeitsentgeltanspruchs gegen Gebühr. Im laufenden Verfahren vorher mit dem Insolvenzverwalter oder der Schuldnerberatung abstimmen.
Privatinsolvenz Dauer: drei Jahre – und was das genau bedeutet
Gerechnet wird ab der Eröffnung des Verfahrens, nicht ab dem ersten Beratungsgespräch. Wer also lange zögert, verlängert nicht die Insolvenz, aber die Zeit bis zum Neuanfang.
Die frühere Staffelung – sechs Jahre regulär, fünf Jahre bei Deckung der Verfahrenskosten, drei Jahre bei 35 Prozent Quote – gilt nur noch für Altverfahren. Im Regelfall sind es heute drei Jahre, ohne Mindestquote; in bestimmten Wiederholungsfällen beträgt die Abtretungsfrist fünf Jahre. Genau deshalb tauchen in Suchergebnissen immer noch widersprüchliche Zahlen auf: Sie stammen aus der alten Rechtslage.
Privatinsolvenz Dauer: 3, 5, 6 oder 11 Jahre?
Diese Zahlen tauchen alle in Suchanfragen auf. Hier die Einordnung:
| Gesuchte Dauer | Was dahintersteckt |
|---|---|
| Unter 3 Jahren | Ein reguläres Ein-Jahres-Verfahren gibt es nicht. Eine vorzeitige Restschuldbefreiung ist nach § 300 Abs. 2 InsO aber möglich, wenn keine Forderungen angemeldet wurden oder alle Insolvenzforderungen samt Verfahrenskosten und sonstigen Masseverbindlichkeiten beglichen sind. |
| 3 Jahre | Die reguläre Abtretungsfrist nach § 287 Abs. 2 InsO, gerechnet ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. |
| 5 Jahre | Nicht nur alte Rechtslage: Wurde dir bereits aufgrund eines nach dem 30. September 2020 gestellten Antrags Restschuldbefreiung erteilt, beträgt die Abtretungsfrist im erneuten Verfahren fünf Jahre. |
| 6 Jahre | Die alte Standarddauer vor der Reform. |
| 11 Jahre | Die Sperrfrist für einen erneuten Antrag auf Restschuldbefreiung – gerechnet vom neuen Eröffnungsantrag aus zurück. |
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Privatinsolvenz zweites Mal: Dauer und Sperrfrist
Ein erneuter Antrag auf Restschuldbefreiung ist grundsätzlich unzulässig, wenn dir innerhalb der letzten elf Jahre vor dem neuen Eröffnungsantrag bereits Restschuldbefreiung erteilt wurde. Ist ein erneutes Verfahren anschließend zulässig und beruhte die frühere Restschuldbefreiung auf einem nach dem 30. September 2020 gestellten Antrag, beträgt die neue Abtretungsfrist fünf Jahre. Wurde die Restschuldbefreiung beim ersten Mal versagt, gelten eigene Fristen – das gehört in die Beratung.
Privatinsolvenz Ablauf und zeitlicher Ablauf: Schritt für Schritt
Phase 1: Der außergerichtliche Einigungsversuch
Ohne diesen Schritt geht es nicht. Eine anerkannte Schuldnerberatung oder eine geeignete Person – etwa Anwältin oder Anwalt – erstellt eine Übersicht aller Schulden und einen Plan, wie du sie bedienen könntest. Alle Gläubiger werden in den Schuldenbereinigungsplan einbezogen. Welche Quote oder Regelung für den einzelnen Gläubiger vorgesehen wird, kann unter anderem von Forderung und Sicherheiten abhängen.
Stimmen alle zu, brauchst du keine Insolvenz. Lehnt auch nur einer ab, ist der Versuch gescheitert – und du bekommst die Bescheinigung, die du fürs Gericht brauchst. Wie du an diese Beratung kommst, steht in unserem Ratgeber Raus aus den Schulden.
Phase 2: Der Antrag beim Insolvenzgericht
Zuständig ist das Amtsgericht als Insolvenzgericht. Der Antrag umfasst Formulare, die Gläubigerliste, den Schuldenbereinigungsplan, die Bescheinigung über den gescheiterten Einigungsversuch und den Antrag auf Restschuldbefreiung samt Abtretungserklärung. Die Beratungsstelle füllt das mit dir aus.
Reicht dein Vermögen nicht zur Deckung der Verfahrenskosten, kannst du grundsätzlich eine Stundung beantragen. Nach der Restschuldbefreiung können abhängig von deinen wirtschaftlichen Verhältnissen noch Raten festgesetzt werden. Die Stundung ist an gesetzliche Voraussetzungen gebunden.
Phase 3: Das eröffnete Insolvenzverfahren
Mit dem Eröffnungsbeschluss ändert sich einiges auf einmal:
- Ein Insolvenzverwalter wird bestellt und verwaltet dein pfändbares Vermögen. Der Treuhänder kommt erst nach Beendigung des Insolvenzverfahrens dazu.
- Einzelvollstreckungen der Insolvenzgläubiger sind grundsätzlich unzulässig. Für bestimmte Unterhalts- und Deliktsforderungen gelten Sonderregeln.
- Die Veröffentlichung erfolgt im Insolvenzportal der Länder.
- Gläubiger melden ihre Forderungen zur Tabelle an.
- Der pfändbare Teil deines Einkommens wird abgeführt.
Was dir dabei bleibt, steht in Privatinsolvenz: was darf ich behalten – mit Pfändungstabelle und Freibeträgen. Wer davon erfährt, klärt Wer erfährt von meiner Privatinsolvenz.
Phase 4: Die Wohlverhaltensphase
Nach Abschluss des eigentlichen Insolvenzverfahrens läuft die Abtretungsfrist bis zu ihrem Ende weiter – im Regelfall drei Jahre ab Verfahrenseröffnung. In dieser Zeit gelten deine Obliegenheiten – dazu unten mehr.
Nach dem Verfahren: der Weg zurück zur Finanzierung
Während des laufenden Verfahrens ist eine reguläre Finanzierung praktisch nicht zu bekommen. Nach der Restschuldbefreiung und der Löschung der Insolvenzdaten entscheidet wieder die aktuelle Situation. Prüfe vor dem Absenden, welche Anfrageart der Anbieter verwendet.
Privatinsolvenz Wohlverhaltensphase: Ablauf und Dauer
Die Wohlverhaltensphase ist der Teil, in dem du selbst am meisten in der Hand hast. Sie endet grundsätzlich mit dem Ende der Abtretungsfrist – im Regelfall nach drei Jahren ab Verfahrenseröffnung. Deine Pflichten in dieser Zeit:
- Erwerbsobliegenheit: eine angemessene Tätigkeit ausüben oder sich nachweisbar darum bemühen. Zumutbare Arbeit darfst du nicht ablehnen.
- Auskunftspflicht: Wohnungswechsel, Jobwechsel, Einkommensänderungen und Erbschaften unverzüglich melden.
- Keine unangemessenen neuen Schulden.
- Erbschaften anteilig herausgeben.
- Kein Gläubiger wird bevorzugt bedient.
Bei einer schuldhaften Verletzung dieser Obliegenheiten kann auf Antrag eines Insolvenzgläubigers die Restschuldbefreiung versagt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Restschuldbefreiung: Ablauf, Dauer und was danach kommt
Am Ende der regulären Abtretungsfrist prüft das Gericht, ob alles eingehalten wurde, und hört die Gläubiger an. Liegt kein Versagungsgrund vor, ergeht der Beschluss über die Restschuldbefreiung.
Ab Rechtskraft sind die erfassten restlichen Schulden für dich erledigt. Ausgenommen bleiben die gesetzlich genannten Fälle – welche das sind, steht in Welche Schulden bleiben trotz Restschuldbefreiung. Was der Beschluss praktisch bedeutet und welche Schritte jetzt anstehen, erklärt Restschuldbefreiung erteilt – was nun.
Privatinsolvenz Ablauf nach 3 Jahren: der Neustart
Mit der Restschuldbefreiung beginnt die zweite Etappe: der Wiederaufbau. Die Einträge bei den Auskunfteien verschwinden nicht sofort, sondern nach den dort geltenden Fristen. Wie du das kontrollierst, steht in SCHUFA-Eintrag löschen nach Privatinsolvenz.
Danach zählt wieder die Gegenwart: Einkommen, Haushaltsrechnung, Kontoführung. Wann eine Finanzierung wieder realistisch wird, behandelt Kredit nach der Privatinsolvenz. Und wie Filialbanken in dieser Phase tatsächlich entscheiden, zeigt Kredit trotz Insolvenz bei Sparkasse, Targobank und Co..
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?
Die Abtretungsfrist beträgt grundsätzlich drei Jahre ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Danach entscheidet das Gericht über die Restschuldbefreiung. Vom ersten Beratungstermin bis zum Beschluss kann es deshalb insgesamt etwas länger dauern als drei Kalenderjahre.
Ab wann laufen die drei Jahre?
Ab der Eröffnung des Verfahrens durch das Insolvenzgericht – nicht ab dem ersten Beratungsgespräch und nicht ab der Antragstellung. Die Zeit davor kommt also obendrauf.
Welche Phasen hat die Privatinsolvenz?
Vier: außergerichtlicher Einigungsversuch, Antrag beim Insolvenzgericht, eröffnetes Insolvenzverfahren und Wohlverhaltensphase bis zur Restschuldbefreiung.
Was passiert in der Wohlverhaltensphase?
Der pfändbare Teil des Einkommens geht an den Treuhänder. Gleichzeitig gelten die Obliegenheiten: arbeiten oder sich nachweisbar bemühen, Änderungen melden, keine unangemessenen neuen Schulden und keinen Gläubiger bevorzugt bedienen.
Kann die Privatinsolvenz scheitern?
Ja – wenn Obliegenheiten verletzt werden und ein Gläubiger die Versagung beantragt. Typische Gründe sind falsche Angaben, verschwiegenes Vermögen, ein nicht gemeldeter Umzug oder die fehlende Bemühung um Arbeit. Am Geld scheitert es dagegen selten.
Was passiert mit laufenden Krediten?
Sie werden im Verfahren behandelt; einzelne Raten sollten nicht eigenmächtig weitergezahlt werden. Ausführlich steht das in Was passiert mit meinem laufenden Kredit bei Privatinsolvenz – inklusive Auto, Immobilie und der Frage, was mit Bürgen geschieht.
Was kostet das Verfahren?
Es fallen insbesondere Gerichtskosten sowie Vergütung und Auslagen des Insolvenzverwalters und gegebenenfalls des späteren Treuhänders an. Reicht das Vermögen dafür nicht, können die Kosten auf Antrag gestundet werden. Einzelheiten stehen in Privatinsolvenz Kosten.
Mehr zum Verfahren
Ob das Verfahren überhaupt der richtige Weg ist, entscheidet sich vorher. Umschuldung oder Privatinsolvenz stellt beide Wege gegenüber: Solange die Raten dauerhaft tragbar wären, ist die Umschuldung der ruhigere Weg. Reicht das Einkommen dafür dauerhaft nicht, verschiebt sie das Problem nur.
Wer während des Verfahrens dringend Geld braucht, findet die realistische Einordnung in Kredit trotz Privatinsolvenz. Der wichtigste Punkt dort: Eine neue Verbindlichkeit wird von der laufenden Restschuldbefreiung nicht erfasst und kann das Verfahren zusätzlich gefährden.
Und falls es beim ersten Anlauf nicht klappt: Restschuldbefreiung versagt beschreibt die gesetzlichen Gründe, die Folgen und die Wege, die dann noch bleiben.
Weiterlesen
P-Konto: das Pfändungsschutzkonto einfach erklärt – solange das Verfahren läuft, hängt der Alltag am Konto. Ein Pfändungsschutzkonto schützt dein Guthaben bis zum geltenden Freibetrag, und für höhere Beträge brauchst du eine Bescheinigung. Wer das früh regelt, steht nicht vor blockiertem Geld, das ihm eigentlich zusteht.
Die aktuellen Pfändungsfreigrenzen – sie bestimmen, wie viel von deinem Lohn überhaupt pfändbar ist und abgeführt wird. Die Werte werden regelmäßig angepasst und steigen mit jeder berücksichtigten Unterhaltspflicht. Häufig bleibt deutlich mehr geschützt, als Betroffene vorher annehmen.
Das große Glossar zu Privatinsolvenz und Restschuldbefreiung – Treuhänder, Abtretungserklärung, Obliegenheiten, Insolvenztabelle: Die Begriffe aus Beschlüssen und Anschreiben stehen dort in einfacher Sprache. Praktisch, wenn Post vom Gericht kommt und man wissen will, was gemeint ist.
Über den Autor: Michael Radtke schreibt auf alarm.de über Finanzen, Kredit und digitale Sicherheit. Der Anspruch: keine Versprechen, die niemand halten kann – sondern die Wege benennen, die es wirklich gibt, und die Fallen, die dabei lauern.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Schuldner- oder Insolvenzberatung. Der Ablauf im Einzelfall hängt vom Gericht, vom Vermögen und von der persönlichen Situation ab. Einzelne Links auf dieser Seite sind Werbelinks – klickst du darauf und schließt ab, erhalten wir eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.